Chatprotokoll | 23.05.2017 Chancen und Risiken der Geothermie

Sauberer als mit Geothermie, also mit Erdwärme, kann man heutzutage kaum Energie erzeugen. Es entstehen keine Schadstoffe, das Klima wird nicht belastet. Das betonen die Befürworter der Technologie. Doch müssen dafür sehr tiefe Bohrungen ins Erdinnere vorgenommen werden. Kritiker warnen daher vor Erdbeben und verseuchtem Wasser. Wie hoch ist das Risiko?

Im Chat stellten sich Prof. Dr.-Ing. Matthias Reich und Prof. Dr.-Ing. Mohammed Amro von der TU Bergakademie Freiberg Ihren Fragen!

  • Moderator: Ich begrüße alle zum "ECHT"-Chat. Sie können bereits jetzt Fragen stellen. Ab 21:45 Uhr werden die Experten im Chat sein, um Ihre Fragen zu beantworten.
  • Moderator: Ihre Fragen werden an die Experten weitergeleitet - und mit der Antwort zusammen erscheinen sie dann im Chat.
  • Moderator: Ich wünsche allen eine spannende Diskussionsrunde!
  • Moderator: Es geht los:-)
  • Prof. Matthias Reich: Hallo liebe Zuschauer, wir sind bereit für Fragen.
  • Moderator: Ich begrüße jetzt auch beide Experten im Chat!
  • Moderator: Wir sind gespannt auf Ihre Fragen.
  • Prof. Matthias Reich: Anscheinend war alles klar erklärt.... ;-)
  • Prof. Matthias Reich: Das freut uns sehr, vielen Dank!
  • Prof. Matthias Reich: Die Pumpen saugen das Wasser nicht hoch, sondern sie liegen unterhalb des Wasserspiegels und DRÜCKEN es nach oben.
  • Moderator: Die Nachricht ist angekommen. Mit der Antwort erscheint sie dann auch im Chat.
  • Geothermielover_471: Hallo chat. Ich habe gehoert, dass ja gerade in island fast nur geothermiekraftwerke betrieben werden. Gibt es dort aehnliche probleme wie in staufe?
  • Prof. Mohammed Amro: Die Formationen sind da anders aufgebaut.
  • Tom: Guten Abend, wie wird Thermalsole oder allgemein Wasser aus Tiefen über 1500m an die Oberfläche gefördert? Technisch gesehen haben Saugpumpen doch nur Förderhöhen um 9m oder liege ich falsch?
  • Prof. Matthias Reich: Ich verstehe die Frage nicht.... Geht es um den Wirkungsgrad? Oder die Anzahl an erfolgreichen Projekten?
  • Prof. Mohammed Amro: Zu der Frage von C.Brill: Normalerweise kennt man die Formationen, die man erbohren möchte.
  • Glueckauf 13: Danke für die überwiegend gut vermittelten Fakten. Schade jedoch, dass die Ereignisse in Staufen, die ausschließlich auf handwerkliche Fehler zurückgeführt werden können, mit scheinbaren Risiken der Tiefen Geothermie verbunden werden. Staufen hat mit Tiefer Geothermie rein gar nichts gemeinsam!
  • Prof. Matthias Reich: Ja, das stimmt leider so.
  • Tom: Danke, im Beitrag wurde von SAUGEN gesprochen.
  • Prof. Matthias Reich: Ok, das war dann wohl ein Versehen.
  • ein Meininger: Sehr geehrter Herr Prof. Reich
  • Moderator: Hier sollte wohl noch eine Frage folgen ...
  • Holger: Eine wirklich interessante Sendung mit einer angenehm differenzierten Darstellung der Sachverhalte. Wie funktioniert das Elektrofunken-Verfahren?
  • Prof. Matthias Reich: Untertage am Meißel" wird Strom erzeugt und in Kondensatoren gesammelt, bis genug Energie vorhanden ist, um einen Blitz auszulösen. Der zerschlägt dann das Gestein. Der Blitz muss dazu aber DURCH das Gestein verlaufen - und das ist das Schwierige dabei. wir haben es jetzt aber im Griff :-)
  • flohpe: Hallo, als wir vor 13 Jahren unser Haus mit Erdwärme planten und bauten, benötigten wir nur eine waserrechtliche Genehmigung (in Thüringen). Angesichts der Vorkommnisse im Anhydrit müsste doch eigentlich immer die Bergbehörde mitwirken, oder? Wir hatten wohl Glück, denn es ging bislang gut. Wie ist heute der Sachstand?
  • Prof. Mohammed Amro: Es werden immer wieder neue Richtlinien erlassen, die bestimmte Ereignisse ausschließen können.
  • Holger: Gibt es Möglichkeiten, Bohrungen beim Durchgang durch z.B. Gipsschichten sicher abzudichten?
  • Prof. Matthias Reich: Ja, grundsätzlich ist das mit den Mitteln der Tiefbohrtechnik möglich.
  • C.Brill3: Prof Amro: Wer kennt die Formationen? Das Bohrunternehmen?
  • Prof. Mohammed Amro: Das Bohrunternehmen, der das vom Bergamt erhalten kann.
  • Evilflashhammer: Wie aussichtsreich ist dieses Elektro-Impuls-Verfahren?
  • Prof. Mohammed Amro: Die Frage soll an Prof. Reich gehen
  • ein Meininger: 2.Versuch, in Schneeberg ist nachweislich ein Erdbebengebiet. Doch für Sie DerFaforit!Das kann ich mir nicht erklären.
  • Prof. Matthias Reich: In der Nähe von Schneeberg GIBT es ja bereits viele Störungen, also muss nicht gefrackt / stimuliert werden. Und deshalb gibt es weniger Erschütterungen. Esgeht um NATÜRLICHE Klüfte (im Gegensatz zu künstlich erzeugten). Außerdem ist Schneeberg nur EINE Option, die zur Zeit in Erwägung gezogen wird.
  • lydbin: Wie viel Fläche benötige ich, wenn ich privat bohren möchte und auf welche Kosten beläuft sich sowas?
  • Prof. Mohammed Amro: Man braucht ca. 100 m x 100 m
  • thomasius: hallo, ist es möglich im Erdreich Energie zu Speichern? Stichwort saisonaler Energiespeicher, =>Sommer Solarenergie speichern und im Winter beziehen? mit was für Verluste wären zu rechne?
  • Prof. Matthias Reich: Ja, aber das gehört in den Bereich der "Flachen Geothermie", die unterhalb von 400 Metern Tiefe stattfindet. Das Verfahren funktioniert im Allgemeinen.
  • geoThermie4Life: Hallo chat! Mich würde interessieren ob es denn heutzutage nicht möglich ist, eine umfasende bodenanalyse zu erstellen und so zu vermeiden, dass sich gips oder ähnliche ungünstige stoffe im boden befinden. In anlehnung an die stadt mit den vielen rissen durch aufgequollenen gips. :)
  • Prof. Mohammed Amro: Sie haben recht. Man muss den Aufbau/Typ einzlner Formationen gut kennen. Anders würde es mich wundern.
  • ein Meininger: Welche Erfahrungen gibt es inWaren mit Radioaktiver Strahlung beim gewonnenen Salz?
  • Prof. Matthias Reich: Tut mir leid, aber mit dem Fall Waren kenne ich mich leider nicht im Detail aus.
  • gast1: In Sachsen wurden ja bereits sehr viele erkundungsbohrungen abgeteuft (DDR). Wie sieht es hier mit dem Risiko aus bzw. ist dies für die Regionen in Sachsen kalkulierbar?
  • Prof. Mohammed Amro: Wir haben in den potenteillen Gebieten für Geothermie Sachsen kein Gips
  • lydbin: Zu wie viel Prozent sind die Geothermiprojekte effizient?
  • Prof. Matthias Reich: Wie gesagt verstehe ich nicht, in welche Richtung die Frage geht... Bitte erklären Sie es noch mal genauer. Danke.
  • lydbin: Zu wie viel Prozent sind die Geothermiprojekte effizient?
  • Prof. Mohammed Amro: Zur Zeit ist der Effezient niedrig aber man kann das durch Forschung verbessern
  • Glueckauf 13: In Staufen bestehen übrigens erfolgreich von erfahrenen Fachfirmen gebohrte Erdwärmesonden, die vor dem "Staufen-Ereignis" ohne Probleme jedoch mit Kenntnis der lokalen Geologie erstellt wurden.
  • Prof. Mohammed Amro: Das ist richtig
  • C.Brill3: Simulation des Worst-Case: Ich bohre bis 100 Meter tief für mein Einfamilienhaus. Das zuständige Bohrunternehmen holt beim Bergbauamt die Genehmigung ein und es kommt unerwartet doch zur Anbohrung einer Anhydritschicht. 1. Kommt so etwas vor? 2. Wer haftet für den erheblichen Schaden?
  • Prof. Matthias Reich: Na ja, eigentlich sollte die lokale Geologie bekannt sein, meist gibt es ja bereits irgendwo in der Nähe Bohrungen. Insofern sollte ein völlig unerwarteter Gips eher unwahrscheinlich sein.
  • BetzePiet: Wann ist für Privathäuser mit Energie aus Geothermie zu rechnen? 10? 50? 100 Jahre?
  • Prof. Mohammed Amro: Das ist eine gute Frage. Eher Jahrzehnte als Jahre. Es bleibt zu erwähnen, dass die Energie immer da ist.
  • Prof. Matthias Reich: Zusatz: ich habe HEUTE schon seit fast 10 Jahre in meinem Haus eine Erdwärmeheizung, meine Nachbarn auch. Das funktioniert alles zuverlässig, überall in Deutschland.
  • Andre Deinhardt: ich habe seit 10 Jahren eine oberflächennahe Geothermieanlage und die rechnet sich und funktioniert vor allem zuverlässig...
  • Prof. Mohammed Amro: Das geht auch!
  • C.Brill3: Herr Prof. Reich: Wer haftet bei einem Schaden? DAs Bohrunternehmen oder das Auftraggeber? Die Genehmigungsbehörde wohl eher nicht?!
  • Prof. Matthias Reich: Bei Tiefbohrungen ist der Auftraggeber verantwortlich.
  • Andre Deinhardt: Wie steht es mit den Plänen in Schneeberg, Dresden oder Freiberg ein Pilotprojekt für Tiefe Geothermie zu etablieren?
  • Prof. Mohammed Amro: Es ist noch nicht entschieden
  • Prof. Mohammed Amro: Glückauf 13 hat 100% recht
  • Thomas: Sind Borhungen in der Nähe von tertiärem Vulkanismus möglich bspw. in der Rhön?
  • Prof. Matthias Reich: Als Nicht-Geologe weiß ich nicht, was tertiärer Vulkanismus ist. Aber generell liegt in vulkanisch aktiven Gebieten wie im Oberrheingraben die Wärme näher an der Oberfläche und ist somit einfacher und billiger zu erreichen als woanders. Deshalb ist ja z.B. in Island die Geothermie so erfolgreich!
  • C.Brill3: Und bei oberflächennahen Bohrungen?
  • Prof. Matthias Reich: Tut mir leid, das kann ich gerade nicht sicher beantworten.
  • Andre Deinhardt: Kann man alte Öl- oder Gasbohrungen auch für Geothermie-Projekte nutzen?
  • Prof. Mohammed Amro: Ja, man kann das zumindest für Fernwärme benutzen
  • Prof. Mohammed Amro: Sehr gering bzw. kein Risiko. Das Risiko kann entstehen durch falsche Entscheidung hinsichtlich des Stimulationsverfahrens (aber nicht durch das Bohren).
  • thomasius: wie hoch ist das Risiko von Erdbeben bei Tiefenbohrungen?
  • Prof. Mohammed Amro: Sehr gering bzw. kein Risiko. Das Risiko kann entstehen durch falsche Entscheidung hinsichtlich des Stimulationsverfahrens (aber nicht durch das Bohren).
  • Holger: Wie kann man die unkontrollierte Ausbreitung des Wassers bei der Nutzung natürlicher Bruchflächen wie im Erzgebirge geplant vermeiden? Fracking in definierten Gesteinshorizonten lässt sich doch wesentlich besser kontrollieren!
  • Prof. Matthias Reich: Man bohrt ein bestimmtes Kluftsystem an, von dem man weiß, wie es verläuft. Und wenn dieses System von anderen isoliert ist, ist es ein isolierter Wärmetauscher.
  • Manu O.: Sehr geehrte Experten, wie viele Haushalte kann man denn mit einer Bohrung versorgen?
  • Prof. Mohammed Amro: ist unteschiedlich. Tiefengeothermie kann bis zu paar Tausande.
  • Moderator: Welche Frage zur Geothermie brennt Ihnen noch unter den Nägeln?
  • Moderator: Die heutige Sendung finden Sie übrigens auch in der MDR Mediathek.
  • Moderator: Tipp: Das Protokoll zum Chat gibt es danach auch zum Nachlesen.
  • thomasius: In Basel Schweiz wurde die Bohrung ja gar eingestellt infolge eines Erdbeben, hätte man das Projekt weitergeführt hätte sich die Lage nach ihrer Schätzung verschärft?
  • Prof. Matthias Reich: Nein, in Basel hat eine Sonder-Situation (unerwartetes Gas in der Bohrung) zum Beben geführt. Das beben passierte, als man das gas zurück in die Erde drücken wollte. Das war eine einmalige Situation.
  • Moderator: Viele Fragen wurden bereits beantwortet. Wer noch eine hat, sollte sie jetzt stellen:-)
  • Prof. Matthias Reich: Danke sehr.
  • Moderator: Vielen Dank im Namen des gesamten Teams!
  • Prof. Matthias Reich: Wir wünschen Ihnen allen schon mal eine gute Nacht.
  • Einhorn: Man hört relativ wenig zu anderen europäischen Ländern zum Thema oder bin ich nur nicht an die richtigen Netze angeschlossen? Gibt es internationale Kooperationen? Auch bei der Forschung?
  • Prof. Mohammed Amro: Es gibt auch internationale Projekte (in Australien, Island, ...
  • Moderator: Alle Fragen scheinen beantwortet. Ich bedanke mich bei beiden Experten und allen Chattern für die spannende Diskussionsrunde.
  • Prof. Matthias Reich: Wir danken auch. Gute Nacht! :-)
  • Moderator: Wir wünschen allen noch einen schönen Abend.
  • Moderator: Den Chat finden Sie auf MDR.de auch zum Nachlesen.