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Komponist Gene Pritsker im Gespräch : Sinfonie mit Bildern im Kopf

Er hat die Kopfhörer über seine Ohren gezogen, die Partitur in der Hand. Was Gene Pritsker gerade hört und was er gerade liest, kennt noch niemand. Na gut, bis auf MDR Chefdirigent Kristjan Järvi und die Musiker des MDR SINFONIEORCHESTER vielleicht. Im Rahmen des IMPULS-Festivals am 11. November 2012 werden sie Pritskers neueste Komposition welturaufführen, die "Cloud Atlas Symphony". Wir haben den US-amerikanischen Komponisten vorab getroffen und mit ihm über das Werk gesprochen.

Gene Pritsker

Gene Pritsker wirkt gelassen. Er trägt T-Shirt, Turnschuhe, Jeans. Der Bart ist gestutzt, die Haare sind kurz. "Ja", sagt Pritsker, "es war interessant, die Orchestrierung zum Soundtrack von 'Cloud Atlas' zu machen." Regisseur Tom Tykwer hatte zusammen mit den Komponisten Reinhold Heil und Johnny Klimek die Filmmusik zu seinem neuen Streifen geschrieben. Nun war es Pritskers Job, sie auf einzelne Stimmen aufzuteilen, so dass es wirkt.

Die "Cloud Atlas Symphony" ist ein kleiner Kosmos einer großen Geschichte, auf die Gene Pritsker sehr stolz ist: "Jeder Film hat einen Soundtrack", sagt er. "Dieser hat sogar eine Sinfonie. Meine." Seine Musik sei aber definitiv keine Filmmusik mehr, betont der New Yorker und hat einen guten Vergleich dafür: "Es ist ein bisschen wie bei Strawinsky und Pergolesi. Stravinsky griff dessen Melodien für seine 'Pulcinella-Suite' auf, machte daraus aber ein neues Stück." Gene Pritsker tut es in seinem neuen Werk dem russischen Meister gleich. Inspiriert von Buch, Film und Musik, lässt der 41-jährige etwas Eigenes entstehen: "Wenn man das mit dem Neoklassizismus vergleichen würde, wäre das hier wohl Neo-Hollywood", sagt Pritsker und lacht.

Pritskers Musik ist 45 Minuten lang, ein kurzes, wenn auch breit orchestriertes Stück. In seiner Gestalt ist es kaum zu vergleichen mit dem dicken Wälzer von David Mitchell oder dem dreistündigen Filmepos, bei dem Tom Tykwer gemeinsam mit Lana und Andy Wachowski (Matrix) Regie geführt hat und Hollywood-Größen wie Halle Berry, Tom Hanks, Jim Broadbent und Hugh Grant vor der Kamera standen.

Gene Pritsker
Gene Pritsker hat bei vielen Musikfestivals und in unterschiedlichen Ensembles weltweit mitgewirkt.

Die "Cloud Atlas Symphony" ist ein eher braves Werk, das ganz im Gegensatz zu der Musik steht, die Gene Pritsker sonst auf das Notenpapier bringt. Er mischt Hip-Hop und Bach, hat eine Oper geschrieben, in der Rock, Rap, Jazz und Klassik miteinander verschmelzen, und vieles mehr. Pritsker sieht sich damit in der Tradition von oder wenigstens beeinflusst durch Strawinsky, der bekannt war für seinen kritischen Eklektizismus.

Dass sich der New Yorker Komponist, Jazz-Gitarrist, Arrangeur und Rapper gerade das MDR SINFONIEORCHESDTER für die Uraufführung seine neue Sinfonie ausgesucht hat, und diese bei "IMPULS - Festival für Neue Musik" uraufführen lässt, hat einen einfachen Grund: Er und der Chefdirigent des MDR SINFONIEORCHESTES, Kristjan Järvi, kennen sich schon seit über 20 Jahren. Mehr noch. Gemeinsam haben sie das "Absolute Ensemble" gegründet und sind bis heute aktiv dabei. Die beiden Musiker liefen sich in der Manhattan School of Music in New York über den Weg. Seitdem verbindet sie eine langjährige Freundschaft.

Konzert | 11.11.2012 : Premiere: Cloud Atlas Symphony

Die Musik zu Tom Tykwers neuem Film "Cloud Atlas" hat der amerikanische Komponist Gene Pritsker zu einer Sinfonie zusammengefügt. Die Uraufführung fand beim IMPULS-Festival mit dem MDR SINFONIEORCHESTER statt. [mehr]


Zuletzt aktualisiert: 23. Oktober 2012, 17:33 Uhr

Gene Pritsker: "Cloud Atlas Symphony"

Uraufführung am 11. November 2012 im Rahmen von IMPULS - Festival für Neue Musik in Sachsen-Anhalt

Halle | Georg-Friedrich-Händel Halle | 19:30 Uhr

Mitwirkende:

MDR SINFONIEORCHESTER
Dirigent: Kristjan Järvi

Filmausschnitte werden an diesem Abend schon vor dem offiziellen Start (15. November) gezeigt. Außerdem sprechen Tom Tykwer und Stefan Arndt (Produzent) über die Dreharbeiten.

Moderation: Thomas Bille.

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