Eine schwarz-rot-goldene Flagge hängt an einem Haus in Freital.
Eine schwarz-rot-goldene Fahne hängt an einem Haus in Freital. Bildrechte: dpa

artour | MDR FERNSEHEN | 03.08.2017 | 22:05 Uhr Rechtsradikalismus - ein typisch ostdeutsches Phänomen?

Eine schwarz-rot-goldene Flagge hängt an einem Haus in Freital.
Eine schwarz-rot-goldene Fahne hängt an einem Haus in Freital. Bildrechte: dpa

Die These, dass es einen spezifisch ostdeutschen Rechtsradikalismus gibt, ist nicht neu. Aber aus aktuellem Anlass wird heftiger denn je darüber gestritten. Denn im Mai hat das Bundeswirtschaftsministerium eine provokante Studie zum Thema vorgelegt, das am Beispiel von Freital, Heidenau und Erfurt-Herrenberg ein beklemmendes Bild der neuen Bundesländer zeichnet. Die Erhebung wird verantwortet vom angesehenen Institut für Demokratieforschung in Göttingen. Der Protest ließ nicht lange auf sich warten. Alles viel zu pauschal, der Osten hat keine braune Wurzeln. Immerhin, da schien ein wichtiger Diskurs eröffnet.

Bundesbeauftragte Iris Gleicke (SPD) (li.) präsentiert mit weiteren Personen die umstrittene Studie zu Ostdeutschland.
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Eklat um Studie zu Rechtsextremismus in Ostdeutschland Wie "braun" ist der Osten wirklich?

Eklat um Studie zu Rechtsextremismus im Osten

Das Bundeswirtschaftsministerium legte im Mai eine Studie zu spezifisch ostdeutschem Rechtsradikalismus vor. Nun distanzierte sich Iris Gleicke davon. artour hat sich das Ärgernis näher angeschaut, Tilman Jens berichtet.

artour Do 03.08.2017 22:05Uhr 05:47 min

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Dann aber, vor wenigen Tagen kam es zum Eklat: Iris Gleicke (SPD), die Bundesbeauftragte für die neuen Bundesländer, distanzierte sich öffentlich von der von ihrem Haus in Auftrag gegebenen Untersuchung, sprach von unentschuldbarer Schlamperei bei der Erstellung und kündigte an, die Möglichkeit einer Rückforderung der bislang gezahlten Forschungsgelder von knapp 130.000 Euro prüfen zu lassen. Was aber steckt hinter dem Streit: ein gelehrter Disput um wissenschaftliche Methodik - oder der Wunsch, ein gerade in Wahlkampfzeiten ungeliebtes Thema wieder in der Versenkung verschwinden zu lassen? artour hat sich das Ärgernis näher angeschaut.

Autor: Tilman Jens

Das Analoge kehrt zurück

Ein Schallplattenspieler.
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Je mehr sich das Digitale ausbreitet, umso mehr Menschen begeistern sich für Analoges. David Sax hat dazu das Buch "Die Rache des Analogen" verfasst. Er betont den sozialen Aspekt des Analogen. Ulf Kalkreuth berichtet.

artour Do 03.08.2017 22:05Uhr 05:48 min

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Auf dem Weg zur digitalen Utopie geschieht etwas Eigenartiges: Wir entwickeln wieder eine Schwäche für analoge Produkte und Ideen, deren Überflüssigkeit die Tech-Gurus beschworen hatten. Branchen, die vor kurzem noch altmodisch anmuteten - von der Schallplattenproduktion bis hin zum Buchladen um die Ecke - sind nun gefragter denn je. Die Rache des Analogen ist da. David Sax hat mit zahlreichen Unternehmern, Inhabern von kleinen Geschäften und großen Konzernen, gesprochen, die einen Markt abseits von Apps oder virtuellen Lösungen bedienen: Sie verkaufen echte Produkte zum Anfassen. Sax' Buch "Die Rache des Analogen: Warum wir uns nach realen Dingen sehnen" offenbart, dass eine durch und durch digitale Existenz wenig erstrebenswert und eine Zukunft in der wirklichen Welt für uns alle attraktiv ist.

Autor: Ulf Kalkreuth

Hans Hermann von Katte und Zeithain

Porträt von König Friedrich II. von Preußen (1712-1786). Er regierte in Preußen von 1740-1786
Friedrich der Große muss zusehen, wie sein Freund Hans Hermann von Katte hingerichtet wird. Bildrechte: dpa

Eines der erschütterndsten Dramen der deutschen Geschichte ereignete sich im 18. Jahrhundert in Zeithain. Es handelt von Friedrich dem Großen, der als junger Kronprinz unter dem Regime seines Vaters unvorstellbar leidet. In seiner Not wendet sich Fritz an seinen einzigen Freund, Hans Hermann von Katte. Er soll ihm helfen, ins Ausland zu fliehen, während sein Vater von der Militärparade in Zeithain abgelenkt ist. Katte, ein Offizier des Königs, gerät in einen tiefen Zwiespalt, doch er kann der Zuspitzung der Ereignisse nicht entrinnen. Als die Pläne auffliegen, ist es Katte, an dem ein Exempel statuiert wird - und der Kronprinz muss bei seiner Hinrichtung zusehen. Wer war dieser Katte? Wie konnte er, der selbst mit einem strengen, distanzierten Vater aufwuchs, sich verhalten? Michael Roes' Roman "Zeithain" ist eine gewaltige literarische Recherche und zugleich ein faszinierendes Abenteuer deutscher Geistesgeschichte.

Autor: Tim Evers

Fotoausstellung über die Tatorte des NSU in Berlin

Regina Schmeken sitzt in der Fotoausstellung über die Tatorte des NSU in Berlin.
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Der Prozess gegen die mutmaßlichen NSU-Täter läuft noch am Oberlandesgericht München. Regina Schmeken macht die Tatorte der Morde in der Fotoausstellung "Blutiger Boden" in Berlin sichtbar. Andreas Lueg berichtet.

artour Do 03.08.2017 22:05Uhr 06:00 min

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

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Es sind Orte der Gewalt, die auch ohne deren explizite Darstellung unheimlich wirken: Eine neue Ausstellung im Berliner Martin-Gropius-Bau zeigt die Tatorte des NSU, fotografiert von Regina Schmeken. Die Mitglieder des NSU töten zehn Menschen zwischen 2000 und 2007 - in Dortmund, Hamburg, Heilbronn, Kassel, Köln, München, Nürnberg, Rostock. Regina Schmeken begann im Frühjahr 2013 damit, die Tatorte zu fotografieren. Ihr Ausstellungsprojekt "Blutiger Boden. Die Tatorte des NSU" ist ab dem 29. Juli bis zum 29. Oktober im Berliner Martin-Gropius-Bau zu sehen. "Das Beklemmendste an diesen Fotografien ist, dass auf ihnen weder die Mörder noch die Mordopfer zu sehen sind", schreibt Schriftsteller Hans Magnus Enzensberger. "An Schmekens Aufnahmen wirkt gerade das Unauffällige, Banale und Gewöhnliche unheimlich." In ihrer Arbeit geht es Schmeken um die Wahrnehmung der Wirklichkeit, ihre verschiedenen Bedeutungsebenen und deren Verdichtung. Zwischen 2013 und 2016 besuchte die Künstlerin die Tatorte mehrmals. Es entstand ein Zyklus großformatiger Schwarzweiß-Fotografien.

Autor: Andreas Lueg

Kulturkalender

Ein Gemälde.
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  • Workshops, Konzerte, Vorträge und Gespräche | Yiddish Summer Weimar | Festivalwoche | 02.08.- 06.08.2017
  • Kunstausstellung | "Uwe Pfeifer - Wahlverwandte & Idole" | Kunsthalle "Talstrasse", Halle | 23.07.- 15.10.2017
  • Programmhinweis | "Auf dem Weg zum Cyborg? Chancen und Risiken technischer Implantate" | 03.08.2017, 22:35 Uhr | MDR FERNSEHEN

Autorin: Ulrike Reiß

Über dieses Thema berichtet MDR KULTUR auch im Fernsehen: artour | 03.08.2017 | 22:05 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 04. August 2017, 15:56 Uhr

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Alan Bern
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