Mi 13.09. 2017 22:00Uhr 60:00 min

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MDR KULTUR - Das Radio Mi, 13.09.2017 22:00 23:00

MDR KULTUR - Feature Die Mumie vom Roten Platz

Die Mumie vom Roten Platz

Von Günter Kotte

  • Stereo
100 Jahre Oktoberrevolution :
"Die Mumie vom Roten Platz"

Von Günter Kotte
(Ursendung)

Seit 1924 ruht der Genosse Lenin nun im Mausoleum auf dem Roten Platz in Moskau, haltbar gemacht und zu besichtigen, obwohl am 31. Dezember 1991 die Sowjetunion aufhörte, zu existieren. Die internationale Neugier auf den weltbekannten Revolutionsführer ist geblieben: Ohne Anstehen kein Lenin.
Schon 1996 schaffte Jelzin die jährlichen Feierlichkeiten zur Oktoberrevolution, einst höchster Feiertag in der UdSSR, ab. Im öffentlichen Leben Russlands sind die Oktoberrevolution und der Genosse Lenin weitgehend untergegangen. aber der einst so geliebte und gehasste Russe liegt weiterhin im Mausoleum auf dem Roten Platz, der 1992 zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt wurde, einschließlich der roten Mumie.
Der Autor Günter Kotte lernte Lenin 1957 kennen. Als Foto an der Wand, neben Mao Tse Tung, Walter Ulbricht und Stalin, in der 2. Klasse in Bühlau, im Sächsischen, einem der Sowjetunion eher abgewandten Kaff: "Mir gefiel Lenin am besten. Er hatte so listige Augen und ich wäre sofort mit ihm mitgegangen''.
In seinem Feature untersucht Kotte, sehr persönlich, den Umgang mit dem weltberühmten Genossen im heutigen Russland und wirft die Frage auf: Sind die Russen zu schwach, sich endlich von der roten Mumie zu trennen oder brauchen sie den Genossen Lenin noch, der 1917 die Oktoberrevolution in Russland angezettelt hatte?
Lenin starb am 21. Januar 1924, vierundfünfzigjährig und sieben Jahre nach seinem streitbaren Aufbruch in die Utopie mit ihrem schleichenden Ende.

Günter Kotte, 1949 in Pirna (Sachsen) geboren, von 1968 - 1973 Studium an der Hochschule für Film und Fernsehen in Potsdam Babelsberg, Diplom für Produktion/Regie, danach Regisseur im DEFA-Studio für Dokumentarfilme. 1983 Übersiedlung nach Westberlin, freier Autor und Regisseur. Zahlreiche Hörfunkfeatures für MDR KULTUR, zuletzt u.a. über den Karikaturisten Henry Büttner.

Regie: Nikolai von Koslowski
Produktion: MDR / SWR 2017

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Lenins Mausoleum

Wladimir Iljitsch Lenin
Wladimir Iljitsch Uljanow, genannt Lenin, starb 1924. In seinem Testament hatte er verfügt, dass um ihn keinerlei "Personenkult" betrieben werden dürfe. Bildrechte: IMAGO
Wladimir Iljitsch Lenin
Wladimir Iljitsch Uljanow, genannt Lenin, starb 1924. In seinem Testament hatte er verfügt, dass um ihn keinerlei "Personenkult" betrieben werden dürfe. Bildrechte: IMAGO
Lenin-Mausoleum in Moskau
Stalin kümmerte sich nicht um Lenins letzten Willen und verfügte, dass der Revolutionsführer in einem Mausoleum ausgestellt werden solle. Bildrechte: IMAGO
Lenin
Lenin wurde einbalsamiert und bereits drei Monate nach seinem Tod in sein eilends errichtetes Mausoleum gebracht. Bildrechte: IMAGO
Lenin
Dort ruht der Revolutionsführer bis zum heutigen Tag in seinem "Schneewittchensarg". Bildrechte: IMAGO
Es ist ein schwarz/weiß Foto mit einer langen Menschenschlange, über den roten Platz vor dem Lenin Mausoleum, zu sehen.
In der UdSSR galt das Lenin-Mausoleum als eine der wichtigsten Sehenswürdigkeiten des Landes. Jeder Einwohner des kommunistischen Riesenreiches sollte wenigstens einmal in seinem Leben zu Lenin pilgern. Stundenlang warteten die Menschen auf dem Roten Platz, ehe sie für wenige Minuten ins Mausoleum eingelassen wurden. Bildrechte: IMAGO
Mai-Demonstration auf dem Roten Platz in Moskau 1983
Auf dem Roten Platz, vor dem Mausoleum, fanden in der Sowjetunion stets die großen Paraden am 1. und 8. Mai statt. Bildrechte: IMAGO
Die Kreml-Mauer und das Lenin-Mausoleum auf dem roten Platz in Moskau.
Heute gibt es keine langen Schlangen vor dem Mausoleum mehr. 1,5 Millionen Dollar kostet der Unterhalt von Lenins Ruhestätte. Früher brachte die Kommunistische Partei die Kosten auf, heute sind es private Spender. (Über dieses Thema berichtete MDR im TV auch in "artour", 21.06.2017, 22.00 Uhr) Bildrechte: IMAGO
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