MDR FIGARO

Essay | MDR FIGARO | 12.12.2009 | Zum Nachhören

Dann ist die Erde eben doch kein Unikat

Wie der erste erdähnliche Planet gefunden wurde

Bereits vor anderthalb Jahren hatten sich den Wissenschaftlern hoffnungsvolle Planetenkandidaten auf ihren Objektiven gezeigt. Sabine Frank erzählt die Geschichte einer Planetenentdeckung außerhalb unseres Sonnensystems.

Die Illustration zeigt den Exoplaneten CoRoT-7b, der seine Sonne umkreist

Kaum eine Fragestellung ist für das Selbstverständnis der Menschen so grundlegend wie die, ob unsere Erde eine einmalige Laune des Universums ist. Ein internationales Team von Astrophysikern an der Landessternwarte Tautenburg in Thüringen haben in diesem Jahr die Antwort darauf gefunden: Sie entdeckten den ersten Planeten außerhalb unseres Sonnensystems, der nicht gasförmig ist, und damit also von vergleichbarer Beschaffenheit wie die Erde.

Schnitzeljagd im Universum

Angefangen hat die Suche nach einem erdähnlichen Planeten 1995, als Wissenschaftler die ersten Planeten außerhalb unseres Sonnensystems entdeckten. Doch kein Doppelgänger der Erde befand sich darunter. Keiner war beschaffen wie unsere Erde: klein, aus leichtem Gestein und wohltemperiert. Trotzdem waren sich die Wissenschaftler um den Amerikaner Artie Hatzes sicher: Es muss ihn geben!

Fokus ins Sternbild Einhorn

Im Dezember 2006 startete von Baikonur aus eine Sojus-Rakete, an Bord den Satellit "CoRoT", der mit einem leistungsstarken Teleskop ausgestattet war. Dieses war fest auf einen kleinen Ausschnitt im Sternbild Einhorn gerichtet und erfasste mit einem Mal 12.000 Sterne im Sternbild. Diese Stelle fotografierte die Kamera aller 30 Sekunden. Ganz am Anfang funkte der Satellit ein richtiges Foto zur Erde, doch dann nur noch Zahlenkolonnen. Im Juli 2008, seit 20 Monaten sendete der Satellit seine Informationen nun zur Erde, hatte das Teleskop fünf Bildausschnitte mit knapp 60.000 Sternen aufgenommen.

Unten auf der Erde werteten die Wissenschaftler die Zahlenkolonnen aus. Im Sommer 2008 war klar: Da ist etwas Interessantes.

"Das ist jenseits aller menschlichen Dimensionen. Ein Lichtjahr ist schon so eine gewaltige Entfernung und die Zeiträume, mit denen wir operieren, ist jenseits aller Vorstellungskraft. Es wird reduziert auf Zahlen; und mit der Mathematik versucht man dann Physik zu machen, aber so richtig vorstellen können wir uns das auch nicht – die Größe des Weltraums ist einfach unglaublich."

Michael Endl, Astrophysiker
Thüringer Landessternwarte Tautenburg
Die Thüringer Landessternwarte Tautenburg: Von hier aus forschten die Astrophysiker um Artie Hatzes.

Ein erdähnlicher Planet?

Bis Herbst 2008 hatten die Astronomen aus dem Meer der Blinkzeichen sieben neue Planeten herausgefiltert. Doch nur einer war ein aussichtsreicher Kandidat: Er war nur knapp zwei mal so groß wie die Erde! Jetzt wurde es spannend. Der Planet musste "gewogen" werden. Das Ergebnis: knapp fünf Erdmassen und fast dieselbe Dichte wie die Erde! Die Sensation war perfekt. Doch weitere Messungen brachten es an den Tag: Der Planet "CoRoT-7B" hatte einen Schönheitsfehler. Er ist höllisch heiß und damit absolut lebensfeindlich.

Fieberhaft arbeiten die Forscher weiter. Im Sommer 2009 machen weitere Ergebnisse klar: Der Planet hat einen kleinen Bruder, der um denselben Stern kreist!

"Für mich heißt das: Wenn der zu finden war und so schnell, muss es noch viel mehr geben in der Milchstraße. Und das heißt: Es muss unheimlich viele Planeten geben aus festen Elementen wie die Erde. Und das heißt: Es gibt irrsinnig viele Chancen, dass es Planeten gibt, auf denen Leben entstanden ist."

Günther Wuchterl, Astrophysiker

Zuletzt aktualisiert: 17. Dezember 2009, 16:06 Uhr

 

Angaben zur Sendung

Dann ist die Erde eben doch kein Unikat. Wie der erste erdähnliche Planet gefunden wurde

Ein Essay von Sabine Frank

Regie: Matthias Seymer
Produktion: MDR 2009
Redaktion: Katrin Wenzel

Sendung:
Sa, 12.12.2009, 19:05-19:30 Uhr
(Ursendung)

 
 
 
 
 
 
 

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