Hörspiel | MDR FIGARO | 05.08.2012 | Audio : Unter uns
Jens Sparschuh rekonstruiert in seinem Hörspiel in vier Szenen, wie ein Anwerbeversuch für die Staatssicherheit hätte verlaufen können. Er wählte dafür die Form des Monologs, waren die Äußerungen des Gegenübers doch meist tatsächlich nicht von Belang, ging es doch um "Überzeugungsarbeit". Devid Striesow übernahm die Rolle des Anwerbers.
"Es fängt immer ganz klein an"
Einer wird einbestellt zu einem Gespräch. Der ihm gegenüber sitzt zeigt sich verständnisvoll: Klar läuft hierzulande noch nicht alles wie es soll und könnte. Aber dafür muss man eben kämpfen. Jeder an seinem Platz. Der Gegner jedenfalls lässt nichts unversucht. Denn oft ist es nur ein kleiner Schritt, und plötzlich steht man auf der falschen Seite. Wie dieser Freund, von dem man ja schon einiges erfahren hat. Und gern noch mehr erfahren möchte.
Doch dazu bedarf es einer Zusammenarbeit. Mit ihm. Auf freiwilliger Basis, als freier Mitarbeiter sozusagen. Zu unserer aller Sicherheit. Denn wir müssen wissen, wo es hakt. Wäre es da nicht besser, gleich ein Stück mehr Verantwortung zu übernehmen? Und in einen Dialog zu treten? Um Schlimmes zu verhüten?
Noch ist es dafür nicht zu spät. Dann könnte man sogar über diesen und jenen Fehler hinwegsehen. Stichwort Westkontakt etwa, oder die Sache mit der fehlenden Fahne am Haus zum Feiertag der Republik. Denn: "Es fängt immer ganz klein an, und am Ende da sind es dann schon richtige Umtriebe, wo wir natürlich eingreifen müssen."
Zur Person: Jens Sparschuh
1955 in Karl-Marx-Stadt (heute Chemnitz) geboren, wuchs Jens Sparschuh ab 1960 in Ost-Berlin auf. In Leningrad studierte er von 1973 bis 1978 Philosophie und Logik. Danach war er fünf Jahre wissenschaftlicher Assistent an der Berliner Humboldt-Universität und promovierte dort zum Doktor der Philosophie mit einer Arbeit zur "heuristischen Ausdrucksfähigkeit aussagenlogischer Beweisbegriffe". Seit 1983 lebt er als freier Schriftsteller in Berlin. 1988 erhielt Jens Sparschuh den Anna-Seghers-Preis, 1990 den Hörspielpreis der Kriegsblinden und den Ernst-Reuter-Hörspielpreis. 2009 schrieb er gemeinsam mit Sten Nadolny das Buch "Putz- und Flickstunde. Zwei Kalte Krieger erinnern sich" (Piper). Mit seinem Roman "Im Kasten" war er 2012 für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert. Jens Sparschuh greift darin den verzweifelten Wunsch vieler Menschen auf, mittels moderner Arbeits- und Optimierungstechniken insbesondere im Privaten einen reibungslosen Ablauf zu gewährleisten. Sein Protagonist scheitert damit und landet in einer Anstalt.
Angaben zur Sendung
"Unter uns"
Ein Hörspiel von Jens Sparschuh
Regie: Wolfgang Rindfleisch
Produktion: MDR 2012
