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MDR-Rundfunkrat | Leipzig, 04.05.2015 Aufarbeitung der Veruntreuung beim Kinderkanal abgeschlossen

Gesamtschaden bei rund zehn Millionen Euro / Arbeits- und strafrechtliche Konsequenzen für ehemalige Mitarbeiter und externe Firmen

04. Mai 2015, 16:03 Uhr

Die Aufarbeitung des Veruntreuungsfalls beim Kinderkanal in Erfurt sind nach vierjähriger Aufklärungsarbeit abgeschlossen. MDR-Intendantin Karola Wille legte dem MDR-Rundfunkrat in Leipzig dazu einen Abschlussbericht einschließlich der gezogenen arbeits- und strafrechtlichen Konsequenzen vor. Demnach wurden gegen insgesamt 20 Personen innerhalb und außerhalb des Senders Ermittlungsverfahren geführt. Einige Beteiligte wurden inzwischen rechtskräftig verurteilt. Den Gesamtschaden bezifferte die Intendantin gemäß einem Bericht der Revisionen von ZDF und MDR vom August 2013 auf insgesamt

9,966 Millionen Euro. Bis heute hat der MDR über eine Vielzahl von vollstreckbaren Titeln einen Schadenersatz in Höhe von 2,3 Millionen Euro zurückholen können. In der Sitzung des Rundfunkrats am Montag, 4. Mai 2015, äußerte die Intendantin ihre Erwartung, die Schadenersatzsumme noch steigern zu können. Dabei stehe der Sender mit den Ermittlungsbehörden in engem Kontakt.

Die Vorsitzende des MDR-Rundfunkrates, Gabriele Schade, nannte die lückenlose Aufarbeitung der Ende 2010 bekannt gewordenen Vorfälle eine notwendige Voraussetzung dafür, verloren vergangenes Vertrauen wieder herzustellen. Kriminelle Scheingeschäfte zwischen Mitarbeitern des von MDR und ZDF getragenen Kinderkanals und externen Firmen hätten das Ansehen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks schwer beschädigt. Deshalb habe der Rundfunkrat die Geschäftsleitung des für den Kinderkanal federführenden Mitteldeutschen Rundfunks von Anfang an dabei unterstützt, die kriminellen Machenschaften umfassend aufzuklären und notwendige Konsequenzen aus den Erkenntnissen der Ermittlungen zu ziehen.

Intendantin Karola Wille habe bei ihrem Amtsantritt Ende 2011 die Aufklärung der Veruntreuungen und Beseitigung der Schwachstellen in den Kontrollsystemen als erste wichtige Maßnahme ihrer Amtszeit genannt, sagte die Rundfunkratsvorsitzende. Mit der jetzt abgeschlossenen Aufarbeitung, den arbeits- und strafrechtlichen Konsequenzen und der grundlegenden Neuausrichtung der Organisation und der internen Arbeitsabläufe könne sich der Kinderkanal wieder mit voller Kraft dem Programm widmen. Schade: "Der Kinderkanal ist mit seinen Angeboten für Kinder und junge Familien eine Erfolgsgeschichte des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Vorgänge wie damals beim Kinderkanal dürfen sich nicht wiederholen. Die Grundlagen dafür sind geschaffen. Ihre Befolgung werden wir weiterhin regelmäßig überprüfen. Im Zusammenwirken zwischen ARD und externen Produzenten wurden im Übrigen Leitlinien vereinbart, in denen sich beide Seiten verpflichten, durch geeignete Maßnahmen Korruptionsgefahren vorzubeugen".