Foto von zwei Kindern mit Smartphone
Ab wann sollte ein Kind ein Handy besitzen dürfen? Und muss es dann auch gleich noch ein Smartphone sein? Bildrechte: PantherMedia | ShotStudio

Smart unterwegs? Eltern und die Handyfrage Erste Klasse – erstes Handy

09. August 2023, 12:14 Uhr

Das erste Handy? Aber nicht zu früh! So lautet die allgemeine Empfehlung für Eltern, wenn es um die Handyanschaffung für die Sprösslinge geht. Doch spätestens mit der Einschulung von Sohnemann und Töchterchen stellen sich Eltern die Frage, wann sollten Kinder eigentlich ein Handy bekommen und was ist dabei zu beachten?

Mit dem neuen Lebensabschnitt, der auf die zukünftige Generation Abc-Schützen zukommt, wanken Eltern oft zwischen Stolz und Sorge, um die Verantwortung, die zukünftig ein großes Stück in den Händen ihrer Jüngsten liegen wird.

Nicht zuletzt wegen vieler Bedenken um die Schule, den neuen Alltag, den Schulweg, dem Finden neuer Freunde in den neuen Klassen und dem zunehmenden Leistungsdruck, versuchen Eltern ihre Kinder so gut es geht zu begleiten und zu unterstützen. Oft ist das auch der Zeitpunkt für Eltern zu überlegen, ob beziehungsweise wann die Anschaffung des ersten Handys für den Schulanfänger eine gute Option ist. Schließlich kann die stetige Erreichbarkeit ihres Kindes Eltern ein Gefühl der Sicherheit vermitteln. Allerdings birgt es mitunter gleichfalls auch einige Gefahren, die sich für ein Kind negativ auswirken können.

Die Frage, wann ein Kind ein Handy haben sollte, müssen Eltern für sich und ihr Kind selbst entscheiden. Auch wenn die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) eine früheste Nutzung ab etwa elf bis zwölf Jahren empfiehlt, da Kinder erst in diesem Alter in der Lage seien, das Handy sicher zu bedienen – und dazu in der Frage der "Nutzung von Medien und Digitalem im Alltag" entschieden betont: "kein Handy oder Smartphone vor 9 Jahren". So, wie es übrigens auch viele Pädagoginnen und Pädagogen einschätzen würden.

Die Faktoren, die für eine Handyanschaffung sprechen, können vielseitig sein. Ein Grund wäre beispielsweise ein langer Schulweg. Insbesondere für den Fall, dass vielleicht doch einmal die U-Bahn stecken bleibt oder der Bus nicht kommt. Und sicher könnte ein Anruf darüber, dass die letzte Stunde ausfällt oder sich Junior nach der Schule noch verabredet hat, Mama und Papa mitunter einige Schreckensmomente ersparen. In jedem Falle also unbestritten, liegt der Vorteil bei einem Handy fürs Kind insbesondere in der Erreichbarkeit der Familienmitglieder.

Gründe für und gegen ein Smartphone

PRO

  • jederzeit erreichbar sein
  • Sicherheit in Notfällen
  • Unabhängigkeit und Flexibilität
  • mittels Standort-Software wissen, wo sich das Kind gerade befindet
  • Gemeinschaftsgefühl sowie soziale Interaktionen und Kommunikation
  • Stärkung des Verantwortungsbewusstseins
  • Technik leichter verstehen lernen

CONTRA

  • Handy kann schnell verloren- oder kaputtgehen
  • insbesondere ohne Prepaid – Kostenfalle Smartphone: z.B. durch kostenpflichtige Apps oder das Telefonieren im oder auch ins Ausland
  • unkontrolliert im Internet unterwegs
  • das Reinfallen auf Betrüger
  • ungeeignete Inhalte
  • Rechtsverstöße beim Verbreiten von Bildern, Filmen, Musik, ohne Erlaubnis des Verfassers
  • Cybermobbing
  • Preisgabe von persönlichen Daten
  • zu viel Zeit im Internet und mit Spielen verbringen, soziale Aktivitäten vernachlässigen
  • gesundheitliche Risiken: z.B. Kopfschmerzen, Konzentrations- und Sehstörungen, Haltungsschäden, Hyperaktivität, Übergewicht


Ebenfalls zu bedenken ist, dass GPS-Tracking und ebenso die ständige Erreichbarkeit aber auch dazu führen können, dass sich Kinder kontrolliert fühlen und ihnen der Weg in die Selbstständigkeit erschwert wird.

Kindermedienstudie

Laut aktueller KIM-Studie 2022 besitzen aktuell etwa 50% der 6- bis 13-jährigen Kinder in Deutschland ein eigenes Handy oder Smartphone. Mit 44% nutzen die meisten bereits ein eigenes Smartphone, nur 7 % setzen noch auf ein klassisches Handy mit Tasten.

Besonders häufig genutzte Funktionen dabei: Nachrichten bekommen und verschicken, mit den Eltern telefonieren, App-Nutzung, Spiele spielen und im Internet surfen. Bei den Apps ist WhatsApp die beliebteste App zum Austausch von Textnachrichten in Chats und Gruppen, Videos und Sprachnachrichten und dem Posten von Bildern. Mehr als die Hälfte der Kinder zwischen sechs und 13 Jahren nutzt WhatsApp fast täglich, 30 Prozent zählen YouTube zu ihren Lieblings-Apps, 28 Prozent TikTok. Instagram liegt hier bei 13 Prozent, Snapchat bei acht Prozent.

Welches Handy für mein Kind?

Eine klare Empfehlung für das richtige Gerät gibt es nicht, allein weil das Alter des Kindes und der Grundgedanke, wofür das Handy verwendet werden soll, individuell sehr verschieden sind. So kann zum Beispiel für jüngere Kinder ein "Notfallhandy" für den Heimweg nach der Schule sinnvoll sein. Als Einstiegs-Handy genügt dafür meist ein einfaches Mobiltelefon ohne Internetzugang, auch wenn letztlich die Väter und Mütter selbst entscheiden müssen, ob sie ihrem Kind den Umgang mit einem Handy oder Smartphone schon zutrauen.

"Notfallhandy"

Grundsätzlich sollte das erste Handy keinesfalls ein Prestigeobjekt sein. Ein einfaches Gerät, das einzig zum Telefonieren genutzt werden soll, reicht völlig aus. Je jünger das Kind ist, desto robuster und kostengünstiger sollte ein Handy sein, auch um im Zweifelsfalle größere Schäden zu vermeiden. Ein sogenanntes Notfallhandy ist da oft die sinnvollste Option.

Die meisten Modelle bieten, angesichts des Sicherheitsaspektes, somit nur wenige, sehr eingeschränkte Funktionen. Anrufen kann man dieses Handy wie jedes andere auch, den Kindern selbst stehen jedoch nur die von den Eltern gespeicherten Rufnummern zum Wählen zur Verfügung. Das ermöglicht vor allem kleineren Kindern eine einfache und intuitive Handhabung. Außerdem verfügen Notfallhandys über Notfalltasten, die Kinder in Gefahrensituationen betätigen können, um Hilfe zu rufen. Manche Modelle sind zusätzlich mit einer "Garantruf"-Funktion ausgestattet. Wählt das Kind diese Funktion aus, werden die eingespeicherten Rufnummern solange der Reihe nach angerufen, bis eine Kontaktperson den Anruf entgegengenommen hat. Eine Funktion, die im Notfall sehr hilfreich sein kann. Damit können Eltern ihre Kinder mit einem guten Gefühl alleine auf den Schulweg oder zum Spielen zu Freunden schicken, ohne ihr Kind bereits mit den Nachteilen von Smartphones zu konfrontieren.

Smartphone mit Kindersicherung

Auch bei der Wahl eines Smartphones für Kinder muss man nicht gleich zum neuesten Modell greifen. Günstige Einsteiger-Smartphones oder Geräte, die schon ein paar Jahre alt sind, erfüllen oftmals genauso ihren Zweck.

Grundsätzlich gilt: "Für ein eigenes Smartphone sollten Kinder bereits erfahren im Umgang mit dem Internet und einen sicheren Umgang mit Computer und/oder Tablet vorweisen. So haben sie bereits gelernt, geeignete Internetseiten von nicht altersgerechten oder wenig vertrauenswürdigen zu unterscheiden", empfiehlt der Elternratgeber SCHAU Hin! Weiterhin dient ein schrittweises Heranführen an das neue Medium dazu, einem Kind die wichtigsten Punkte in Sachen Handynutzung zu erklären, Regeln und Nutzungszeiten festzulegen und es über mögliche Gefahren aufzuklären.

Ein weiterer wichtiger Fakt: Bevor Eltern das Smartphone an ihr Kind überreichen, sollten sie sich selbst mit dem Gerät vertraut machen und zuvor einige Sicherheitseinstellungen daran vornehmen. Denn kindersichere Einstellungen tragen zur grundsätzlichen Sicherheit des Gerätes und zum Schutz der eigenen Daten bei.

Zwei Kleinkinder sitzen nebeneinander und haben ein Smartphone und ein Tablet in der Hand.
Der Medienkonsum von Kindern kann mittels verschiedener Apps besser von den Eltern kontrolliert werden. Bildrechte: Panthermedia | MDR MEDIEN360G

Smartphone kindersicher einstellen

Passwörter und PINs
Um das Smartphone vor fremden Zugriffen zu schützen, sollte sowohl die SIM-Karte mit einer PIN geschützt als auch eine Bildschirmsperre eingerichtet werden. Außerdem ist es wichtig, dem Kind zu erklären, dass es diese Freigabecodes nicht weitergeben sollte.

Jugendschutzeinstellung
Die App-Stores von Google und Apple bieten Eltern verschiedene Einstellungen an, um unangemessene Inhalte auf den Handys ihrer Kinder zu sperren und ungewollte Käufe zu unterbinden. Über die Aktivierung der Jugendschutzeinstellungen des App-Stores auf dem Kinderhandy können Eltern Apps, Spiele, Filme und Serien ab einer bestimmten Altersfreigabe für ihr Kind sperren. Vor In-App-Käufen schützt zudem eine Passwortsperre. Im Google Play Store findet man diese Option unter "Authentifizierung für Käufe erforderlich" und im Apple App Store unter "Passworteinstellungen".

Bluetooth
Die Bluetooth-Funktion sollte grundsätzlich ausgeschaltet sein. Da über Bluetooth Daten und Dateien wie Bilder ausgetauscht werden, kann diese Funktion leider ebenso dazu missbraucht werden, unangemessene Inhalte oder schädliche Dateien wie Viren zu versenden. Zu klären ist daher ebenfalls, unter welchen Bedingungen die Bluetooth-Funktion vom Kind genutzt werden darf. Einstellen lässt sich zudem, dass gesendete Daten nicht automatisch empfangen werden können und deren Empfang erst vom Kind bestätigt werden müssen. Auch die Änderung des Anzeigenamens ist empfehlenswert. Frei erfundene Fantasienamen verraten nämlich nichts über den Handybesitzer.

Rufnummern sperren
Zum Schutz vor zusätzlichen Kosten und betrügerischen Anrufen, lassen sich teure Dienste via "Drittanbieter-Sperre" bereits direkt beim Mobilfunkanbieter einrichten. Ebenso lassen sich auf vielen mobilen Geräten Rufnummern sperren und auch einstellen, welche Nummern mit dem Handy gewählt werden dürfen und welche Anrufer den jungen Smartphone-Besitzer im Gegenzug erreichen können. Einige smarte Geräte bieten zudem die Möglichkeit, Auslandsgespräche oder eingehende Anrufe zu sperren.

Apropos Rufnummern: Das Belegen der Kurzwahltasten mit den wichtigsten Telefonnummern, erleichtert dem Kind das Anrufen seiner wichtigsten Kontakte.

Internetzugriff sperren
Auch Internetverbindungen gelten als potenzielle Kostenfallen. Der Zugang zum Internet sollte vorerst nicht verfügbar sein, bis das Kind einen verantwortungsvollen Umgang mit seinem Smartphone und dessen verfügbare Funktionen erlernt hat. Lässt sich der Internetzugang nicht gleich direkt beim Mobilfunkanbieter sperren, kann man die Internetsperre auch selbst in den Handyeinstellungen vornehmen.

Kindersicherung für WLAN-Router
Ein kindersicheres Surfen lässt sich für Zuhause einrichten. Neben der Aktivierung der Kindersicherung am WLAN-Router, können Eltern gezielt für die Geräte der Kinder weitere Sicherheits-Einstellungen vornehmen. Die meisten Router bietet die Möglichkeit, bestimmte Internetseiten zu filtern und auch Sperrzeiten festzulegen, in denen das WLAN automatisch für ihr Smartphone ausgeschaltet ist.

Bildschirmzeit begrenzen
Einige Apps helfen Eltern dabei, die Bildschirmzeit ihrer Kinder im Auge zu behalten. Teilweise ist die Begrenzung der Bildschirmzeit für bestimmte Apps sogar schon in der Kindersicherung des Systems integriert.

Kinderschutz-Apps
Bei einer Kinderschutz-App wird die Kinder-App aufs Handy des Kindes und die Elternversion auf das Smartphone des Erwachsenen installiert. So können Eltern über ihre App die Kinder-App und das Kinder-Konto steuern. Damit lässt sich beispielsweise festlegen, die Zeit für die tägliche Smartphone-Nutzung oder auch welche Apps genutzt werden dürfen. Allerdings gehen einige Kindersicherungs-Apps bei der Überwachung des Kindes schlicht zu weit, da sie unter anderem viele Daten speichern, eine Verschlüsselung der Daten fehlt oder der App-Hersteller sogar Nachrichten mitlesen könnte.

App-Einstellungen
Auch bei vielen weiteren Apps ist es möglich, die Inhalte an das Alter des Kindes anzupassen. Apps wie TikTok, YouTube oder Spotify verfügen beispielsweise über Jugendschutzfilter oder einen "eingeschränkten Modus", der nur Inhalte zulässt, die eine Jugendfreigabe besitzen.

Was dann noch zählt ist: Vertrauen statt Kontrolle. Um Kinder in ihrem verantwortungsbewussten Umgang mit dem eigenen Smartphone zu unterstützen, sollten Eltern offen für Gespräche bleiben, jedoch ohne das Kind zu kontrollieren. Schließlich sollten Kinder in jeder Lebenslage auch eigene Erfahrungen sammeln dürfen.

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