Zwischen Baby-Jesus und 12-Gänge-Menü Die Weihnachtszeit in Osteuropa

Weihnachten in Tschechien, Polen oder Russland - überall hat das Fest seine kleinen, aber feinen Eigenheiten. Wie unterscheidet sich der Heilige Abend dort von unserem? Und ganz wichtig: Wer bringt wann die Geschenke?

Bildkomposition aus blonder Moderatorin in rotem Kleid und verschiedenen weihnachtlichen Figuren
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Mo 04.12.2017 10:00Uhr 02:11 min

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Tschechien: Baby-Jesus bringt Geschenke

Prager Weihnachtsmarkt goldene-Ferkel
Goldene Schweinchen sind ein beliebtes tschechisches Weihnachts-Accessoire Bildrechte: Cezary Bazydlo/MDR

In Tschechien wird vor Heilig Abend den ganzen Tag gefastet, um am Abend das "Goldene Schweinchen" (zlaté prasátko) zu sehen. Diese Legende wird Kindern erzählt, damit die Kleinen das Fasten durchhalten. Am Abend können sie dann das "Goldene Schweinchen" über die Wand huschen sehen. Natürlich hat es noch nie jemand gesehen, aber es soll die Kinder motivieren, durchzuhalten. Etwas zu Essen gibt es dann erst nach Sonnenuntergang. Karpfen und Kartoffelsalat sowie Fischsuppe gehören zum klassischen Weihnachtsschmaus. Nach dem Essen kommt das Jesus-Kind (Ježíšek) und bringt Geschenke für die Kinder.

Polen: Erst stundenlang essen, dann beschenken

eingelegter Hering mit Zwiebeln
Fisch in vielen Varianten steht am 24. Dezember in Polen auf dem Tisch Bildrechte: IMAGO

Wigilia, so heißt der Heilige Abend in Polen, ist das wichtigste Familienfest im katholischen Polen. Zur Tradition gehört es an diesem Abend, zwölf Gerichte aufzutischen, die auf diese Art nur am 24. Dezember zubereitet werden. Das Mahl ist fleischlos und besteht aus vielen Fischgerichten. Die zwölf Gänge symbolisieren die zwölf Monate des Jahres und auch die zwölf Apostel. Unter anderem gibt es Bohnensuppe mit Möhren, Karpfen in Gelee, Rote-Bete-Suppe oder Krauttaschen gefüllt mit Reis. Neben dem Essen wird auch noch ein zusätzliches Gedeck bereitgestellt, das an die Verstorbenen erinnern soll. Das Essen beginnt erst, wenn der erste Stern am Himmel steht. Im Anschluss teilt man sich in der Familie eine geweihte Oblate als Zeichen der Versöhnung, der Liebe, der Freundschaft und des Friedens. Das eigentliche Essen dauert Stunden, oft bis Mitternacht. Erst am Ende des Essens folgt die Bescherung.

Russland: Beschert wird am Silvestertag

Troll, Väterchen Frost und Schneeflöckchen im Wald
Väterchen Frost (hier mit einem Troll) - ohne Snegurotschka undenkbar Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

In Russland wird Heiligabend nicht wie bei uns am 24. Dezember gefeiert, sondern am 6. Januar. Der Grund ist, dass die russisch-orthodoxe Kirche die Feiertage nach dem julianischen Kalender bestimmt. In Deutschland nutzen wir den gregorianischen Kalender. Der Heilige Abend wird in Russland Sochelnik oder Koljadki genannt. In Moskau wird die Hauptmesse aus der Christ-Erlöser-Kathedrale sogar live im Fernsehen übertragen.

Genau um Mitternacht endet für gläubige Russen die strenge, 40 Tage lange Fastenzeit. Geschenke allerdings gibt es nicht, diese bringt Väterchen Frost schon am 31. Dezember. Eine Tradition, die bis in das Jahr 1700 zurückzuführen ist. In Altrussland fand der Jahreswechsel am 1. September statt. Erst 1699 befahl Zar Peter der Große, die Jahresrechnung wie in Westeuropa ab dem 1. Januar zu führen. Erst dann kamen der Christbaum und später auch Väterchen Frost, der von seiner Enkelin Snegurotschka begleitet wird.

Alte und neue Weihnachtsbräuche in Osteuropa

Weihnachtsgans und Klöße? Nein, Osteuropa hat ganz andere Weihnachtsbräuche. In Russland kommt Väterchen Frost auf dem Pferdeschlitten daher, in der Slowakei teilt der Bauer den Weihnachtsstollen mit seinen Tieren.

Der russische Weihnachtsmann Väterchen Frost (Ded Moros) und seine Enkeltochter Snegurotschka (Schnee-Maid) grüßen bei einem Fest in Minsk in Weißrussland die Zuschauer.
Russland Zentrale Figur und Überbringer der Weihnachtsgeschenke war bis zur "Großen Sozialistischen Oktoberrevolution" 1917 der in Russland hoch verehrte Heilige Nikolaus. Nach dem Machtantritt der atheistischen Bolschewiki wurde er und mit ihm gleich das gesamte Weihnachtsfest abgeschafft.
Mitte der 1930er Jahre erschien dann im Zuge der Einführung eines Neujahrsfestes eine weltliche Variante des Nikolaus in Russland – Ded Moros, Väterchen Frost. Er trägt einen mächtigen weißen Bart, einen langen Mantel und kommt mit einem Pferdeschlitten angefahren, auf dem die Gaben liegen. Begleitet wird er von einem blonden Mädchen, das Snegurotschka heißt, Schneeflöckchen.
Bildrechte: dpa
Der russische Weihnachtsmann Väterchen Frost (Ded Moros) und seine Enkeltochter Snegurotschka (Schnee-Maid) grüßen bei einem Fest in Minsk in Weißrussland die Zuschauer.
Russland Zentrale Figur und Überbringer der Weihnachtsgeschenke war bis zur "Großen Sozialistischen Oktoberrevolution" 1917 der in Russland hoch verehrte Heilige Nikolaus. Nach dem Machtantritt der atheistischen Bolschewiki wurde er und mit ihm gleich das gesamte Weihnachtsfest abgeschafft.
Mitte der 1930er Jahre erschien dann im Zuge der Einführung eines Neujahrsfestes eine weltliche Variante des Nikolaus in Russland – Ded Moros, Väterchen Frost. Er trägt einen mächtigen weißen Bart, einen langen Mantel und kommt mit einem Pferdeschlitten angefahren, auf dem die Gaben liegen. Begleitet wird er von einem blonden Mädchen, das Snegurotschka heißt, Schneeflöckchen.
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Traditionelle Prozession der christlich orthodoxen Kirche während der Feierlichkeiten zum Weihnachtsfest in Tiflis, Georgien
Georgien In Georgien ist in den vergangenen Jahren ein uralter Weihnachtsbrauch, der in der Ära des Sozialismus nicht gepflegt werden durfte und beinahe in Vergessenheit geraten war, wieder aufgenommen worden – der "Alilo". Am 7. Januar, dem Tag, an dem im orthodoxen Georgien das Weihnachtsfest gefeiert wird, ziehen Gläubige und Priester in Prozessionen durch die Straßen der Städte und Dörfer. Sie singen kirchliche Lieder, halten Ikonen, Kreuze und Fahnen in den Händen und teilen sich wechselseitig die "Frohe Botschaft" von der Geburt Jesu mit. Bildrechte: IMAGO
Tiere erhalten zu Weihnachten eine Extra-Portion Futter
Slowakei In der Slowakei (wie auch in den meisten Ländern Osteuropas) ist es guter Brauch, die Tiere am Weihnachtsfest teilhaben zu lassen. Kühe, Ziegen, Schafe oder Pferde bekommen zusätzliches Futter, zuweilen teilt der Bauer sogar mit ihnen den ersten Weihnachtsstollen.

(Über dieses Thema berichtete der MDR auch im TV: Weihnachten in Prag | 24.12.2016 | 19:00 Uhr)
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Weihnachtsmesse in einer Moskauer orthodoxen Kirche
Russland Das Neujahrs- oder Weihnachtsfest fällt, da die russisch–orthodoxe Kirche den Julianischen Kalender verwendet, stets auf den 7. Januar. Die Gläubigen versammeln sich am Vorabend zu langen Gottesdiensten in den Kirchen und beschließen den Tag mit einem Festessen. Bildrechte: IMAGO
Drei alte, weißrussische Frauen feiern mit viel Essen auf dem Tisch Weihnachten
Belarus 40 Tage dauert die Fastenzeit der orthodoxen Christen vor dem Weihnachtsfest. In dieser Zeit ist der Verzehr von tierischen Produkten verboten. Am 6. Januar, dem Heiligen Abend, darf gar nichts gegessen werden, bis am Abendhimmel der erste Stern erscheint. Die Gläubigen pilgern nun zur mehrstündigen Weihnachtsmesse in die Kirchen, anschließend findet das traditionelle Weihnachtsessen statt. Die ganze Familie kommt an der reich gedeckten Tafel zusammen, Freunde, Bekannte und Nachbar sind eingeladen. Es gibt Fisch, Obst, Gemüse und Mehlspeisen. In vielen Familien ist es sogar Brauch, zwölf Gänge zu servieren. Bildrechte: IMAGO
Weihnachtsmann-Kostümlauf in Belgrad (Serbien) (Archivbild 26.12.2010)
Serbien Weihnachten wird im postkommunistischen Serbien ausschweifende vier Wochen lang gefeiert. Der christlich-orthodoxe Feiermonat beginnt am 19. Dezember mit einem Brauch, bei welchem jede serbische Familie ihren eigenen Heiligen feiert. "Slava des Heiligen Nikolaus" heißt dieses Fest, das mit üppigen Gelagen in großer Runde begangen wird. Am 31. Dezember ist für die Kinder der Nikolaustag, an den sich zwei Neujahrsfeiertage anschließen. Bildrechte: IMAGO
Menschen bei einer traditionellen Weihnachtszeremonie in Serbien
Serbien Am 6. Januar beginnen schließlich die eigentlichen Feiern zu Christi Geburt. Die Gläubigen versammeln sich abends in den Kirchen und später um große Feuer herum, die in den Kirchenhöfen entzündet werden. Am nächsten Tag werden die Weihnachtsfeierlichkeiten im Kreise der Familien fortgeführt. Nach einer kleinen Erholungspause wird am 14. Januar das neue Jahr endgültig eingeläutet. Eine Woche später findet der Feiermonat mit dem "Fest des Heiligen Slawa" sein Ende. Bildrechte: IMAGO
Weihnachtsmesse in Malaia, Rumänien
Rumänien Weihnachten in der Kirche? Bis 1989 in Rumänien undenkbar. Die kommunistischen Herrscher wollten das Weihnachtsfest als christlichen Brauch aus dem kollektiven Gedächtnis löschen. Sie ließen an den Feiertagen in den Fabriken arbeiten, Wörter wie Weihnachtsmann wurden aus dem Sprachgebrauch gestrichen. Stattdessen war die Rede vom Frostmann und dem Winterbaum. Doch seit Weihnachten 1989 – seit dem Sturz des Ceausescu-Regimes – gibt die Rumänisch-Orthodoxe Kirche zu Weihnachten wieder den Ton an. Im Vorfeld des Festes erklingen allerorten Weihnachtslieder. Kinder ziehen dafür von Tür zu Tür. Wichtigster Tag beim Fest: der 25. Dezember. Er beginnt in den orthodoxen Kirchen mit einem Gottesdienst. Bildrechte: dpa
Ein Mann in Bukarest trägt ein Ferkel auf seinen Armen
Rumänien Für ihren Weihnachtsschmaus schlachten die Rumänen vielerorts ein Schwein - auf dem Tisch wird es als Wurst, in Krautwickel oder als Sülze gereicht. Das Essen fällt an den Weihnachtsfeiertagen besonders üppig aus, nicht nur weil im Vorfeld gefastet wurde. Vielmehr heißt es in Rumänien, dass in den Tagen zwischen den Jahren (25. Dezember mit 6. Januar) die Seelen der Toten kommen, um mit den Lebenden zu feiern. Bildrechte: dpa
Weihnachtsdekoration in Prag
Tschechien In Tschechien ist Weihnachten doch eine eher weltliche Angelegenheit. Religiöse Bräuche haben sich über die Jahrzehnte des Atheismus nur vereinzelt erhalten können. Bildrechte: IMAGO
Wie auch in weiten Teilen Deutschlands wird in der Tschechischen Republik zu Weihnachten und zum Jahreswechsel häufig Fisch gegessen, auch hier bevorzugt der Karpfen.
Tschechien Traditionell wird am Heiligen Abend Karpfen gegessen. Fliegende Händler haben schon Tage vorher auf den Straßen Stände aufgebaut, an denen sie den Weihnachtsfisch feilbieten. Zum Karpfen gibt es Kartoffelsalat. Anschließend ist Bescherung.
Einer der wenigen erhaltenen Bräuche ist folgender: Nach der Bescherung setzen die Kinder Nussschalen, auf denen kleine Kerzen aufgesteckt sind, in eine Wasserschüssel und versuchen, sie übers Wasser zu pusten. Wessen Nussschale am weitesten schwimmt, wird am ältesten werden.
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Eine weihnachtlich geschmückte Straße in Budapest
Ungarn Einen Weihnachtsmann gibt es in Ungarn nicht. Statt des bärtigen Mannes überbringen Weihnachtsengel die Geschenke. So jedenfalls wird es den Kindern erzählt. Die luziden Geschöpfe schweben aus den Lüften herab und legen die Präsente unter den Weihnachtsbaum. Auf den Straßen ist dann nicht mehr viel los. Bildrechte: IMAGO
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Über dieses Thema berichtete der MDR auch im TV: Weihnachten in Prag | 24.12.2016 | 19:00 Uhr
Weihnachten in Lettland | 24.12.2015 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 04. Dezember 2017, 17:22 Uhr