Vier Männer und eine Frau, auf deren T-Shirts die Aufschrift "Sturm auf Themar" zu lesen ist
"Sturm auf Themar" steht auf den T-Shirts der Rechtsextremen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Vielfältige Proteste 6.000 Neonazis bei Rechtsrock-Konzert in Themar

Im kleinen Ort Themar in Südthüringen hat am Samstag Deutschlands wohl größtes Rechtsrock-Konzert stattgefunden. Die Polizei hatte bereits im Vorfeld mit 5.000 Besuchern und zahlreichen Gegendemonstranten gerechnet. Konzertteilnehmer und Gegendemonstranten sollten von vornherein strikt voneinander getrennt werden. Fast 1.000 Polizisten aus Thüringen und fünf weiteren Bundesländern sind dafür im Einsatz.

Vier Männer und eine Frau, auf deren T-Shirts die Aufschrift "Sturm auf Themar" zu lesen ist
"Sturm auf Themar" steht auf den T-Shirts der Rechtsextremen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Der Andrang auf das Neonazi-Konzert im südthüringischen Themar ist größer als erwartet. Wie die Polizei mitteilte, sind insgesamt 6.000 Teilnehmer aus ganz Deutschland und anderen europäischen Ländern angereist. Das Konzertgelände musste am Nachmittag wegen des Besucherandrangs um rund 2.000 Quadratmeter erweitert werden. Nach Angaben der Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus, Mobit, handelt es sich um das größte Neonazi-Konzert in der Geschichte Thüringens. Es war zunächst mit 5.000 Konzertbesuchern gerechnet worden.

Das Ortsausgangsschild von Themar neben einem schwarzen Zaun, an dem Fahnen befestigt sind.
Das Konzertgelände ist von einem schwarzen Sichtschutz umgeben. Bildrechte: Martin Wichmann

Die Polizei ist im Großeinsatz, um die Veranstaltung, die gegen Mitternacht beendet sein soll, abzusichern. Mehrere Straßen wurden abgesperrt und Kontrollpunkte errichtet, um die Besucher zu kontrollieren. Bislang hat es den Angaben zufolge keine größeren Zwischenfälle gegeben. 23 Straftaten wurden registriert. Anzeigen gibt es unter anderem wegen Bedrohung, Beleidigung, Sachbeschädigung, Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz und Widerstandes gegen Vollstreckungsbeamte. In zwei Fällen ging es um das Verwenden von verfassungsfeindlichen Symbolen. Zweimal sind laut Polizei Journalisten beleidigt worden. Nach Polizeiangaben hat es auch eine Festnahme gegeben. Den Angaben nach wurde ein Kundgebungsteilnehmer in sogenannten Unterbindungsgewahrsam genommen, weil er ein T-Shirt mit einem Hakenkreuz trug. Ansonsten sei alles ruhig, abgesehen von den "üblichen Pöbeleien" zwischen beiden Lagern, so ein Sprecher.

Das Konzertgelände selbst liegt direkt an der Bundesstraße 89 und ist komplett umzäunt. Entlang des Mittelstreifens hat die Polizei ein kilometerlanges Absperrgitter aufgestellt, um die Rechtsextremen und Gegendemonstranten zu trennen. Auch ein Wasserwerfer steht dort bereit. Die Trennung beider Lager ist der Polizei zufolge oberstes Ziel des Sicherheitskonzeptes.

Die Polizei kontrolliert außerdem alle Einfallstraßen nach Themar, auch in benachbarten Bundesländern. Der Polizei zufolge sind viele Teilnehmer aus weit entfernten Gegenden bereits angereist. An Kontrollstellen rund um den Ort haben Beamte die Anreisenden - Gegendemonstranten wie rechte Konzertteilnehmer - auf die entsprechenden Parkplätze geleitet.

Neonazi-Treffen Rechtsrock-Konzert in Themar

Eines der größten Rechtsrock-Konzerte in ganz Deutschland hält am Samstag den kleinen Ort Themar in Südthüringen in Atem. Die Polizei hat fast 6.000 Rechte und 300 Gegendemonstranten gezählt. Themar hat 3.000 Einwohner.

Das Ortsausgangsschild von Themar neben einem schwarzen Zaun, an dem Fahnen befestigt sind.
Das wohl größte Rechtsrock-Konzert in der Geschichte Thüringens hat am Samstag den kleinen Ort Themar in Atem gehalten. Die Polizei hatte mit 5.000 Besuchern und etwa 2.000 Gegendemonstranten gerechnet. Die Kleinstadt Themar hat gerade einmal 3.000 Einwohner.

MDR THÜRINGEN JOURNAL | 15.07.2017 | 19:00 Uhr
MDR THÜRINGEN - Das Radio | Fazit | 15.07.2017 | 18:00 Uhr
Bildrechte: Martin Wichmann
Das Ortsausgangsschild von Themar neben einem schwarzen Zaun, an dem Fahnen befestigt sind.
Das wohl größte Rechtsrock-Konzert in der Geschichte Thüringens hat am Samstag den kleinen Ort Themar in Atem gehalten. Die Polizei hatte mit 5.000 Besuchern und etwa 2.000 Gegendemonstranten gerechnet. Die Kleinstadt Themar hat gerade einmal 3.000 Einwohner.

MDR THÜRINGEN JOURNAL | 15.07.2017 | 19:00 Uhr
MDR THÜRINGEN - Das Radio | Fazit | 15.07.2017 | 18:00 Uhr
Bildrechte: Martin Wichmann
Am Straßenrand stehen sechs Schilder auf denen steht: Deine Stimme gegen Nazis.
Der Ort zeigt Flagge gegen das Neonazi-Konzert. Vielerorts wurden Schilder mit eindeutigen Botschaften aufgestellt. Insgesamt wurden neun Gegenveranstaltungen angemeldet - von Privatpersonen, der Kirchengemeinde und einem Bündnis für Demokratie und Weltoffenheit.

MDR THÜRINGEN JOURNAL | 15.07.2017 | 19:00 Uhr
MDR THÜRINGEN - Das Radio | Fazit | 15.07.2017 | 18:00 Uhr
Bildrechte: MDR/Bert Weber
Ein Pfarrer sitzt auf einer Kirchenbank, dahinter sitzt der Thüringer Innenminister Holger Poppenhäger.
Bereits am Freitagabend hat in Themar ein ökumenischer Gottesdienst aus Protest gegen das Rechtsrock-Konzert gegeben. Rund 420 Menschen versammelten sich unter dem Motto "Herz statt Hetze".

MDR THÜRINGEN JOURNAL | 15.07.2017 | 19:00 Uhr
MDR THÜRINGEN - Das Radio | Fazit | 15.07.2017 | 18:00 Uhr
Bildrechte: Martin Wichmann
Ein Pfarrer und ein junger Mann mit Migrationshintergrund lesen in einer Kirche von Zetteln vor.
Bei dem Gottesdienst wurde unter anderem auch eine Grußbotschaft der evangelischen Landesbischöfin Ilse Junkermann verlesen.

MDR THÜRINGEN JOURNAL | 15.07.2017 | 19:00 Uhr
MDR THÜRINGEN - Das Radio | Fazit | 15.07.2017 | 18:00 Uhr
Bildrechte: Martin Wichmann
Der Thüringer Innenminister Holger Poppenhäger und der Themaer Bürgermeister Hubert Böse stehen mit witeren Männern in einer Kirche.
Auch Thüringens Innenminister Holger Poppenhäger (Mitte) und der Themaer Bürgermeister Hubert Böse (vorn rechts) haben an dem Gottesdienst teilgenommen.

MDR THÜRINGEN JOURNAL | 15.07.2017 | 19:00 Uhr
MDR THÜRINGEN - Das Radio | Fazit | 15.07.2017 | 18:00 Uhr
Bildrechte: Martin Wichmann
Der Thüringer Innenminister Holger Poppenhäger spricht mit zwei Polizisten.
Innenminister Poppenhäger hat sich außerdem über den Stand des Polizeieinsatzes informiert.

MDR THÜRINGEN JOURNAL | 15.07.2017 | 19:00 Uhr
MDR THÜRINGEN - Das Radio | Fazit | 15.07.2017 | 18:00 Uhr
Bildrechte: MDR/Bert Weber
Sechs Polizeiautos fahren auf einer Straße.
Die Thüringer Polizei hat sich auf den Großeinsatz vorbereitet. Die drei Hundertschaften des Freistaates sind bei der Veranstaltung komplett im Einsatz. Zusätzlich wurden mehrere hundert Polizisten aus anderen Bundesländern angefordert - wie diese Hundertschaft aus Baden-Württemberg.

MDR THÜRINGEN JOURNAL | 15.07.2017 | 19:00 Uhr
MDR THÜRINGEN - Das Radio | Fazit | 15.07.2017 | 18:00 Uhr
Bildrechte: MDR/Bert Weber
Ein weißes Festzelt, das von einem Bauzaun umgeben ist, der mit schwarzer Folie abgehangen wurde.
Insgesamt sind Polizisten aus sechs Bundesländern im Einsatz. Ihr oberstes Ziel: Die Rechtsextremen und die Gegendemonstranten strikt voneinander trennen.

MDR THÜRINGEN JOURNAL | 15.07.2017 | 19:00 Uhr
MDR THÜRINGEN - das Radio | Fazit | 15.07.2017 | 18:00 Uhr
Bildrechte: MDR/Bert Weber
Auf einer Wiese steht ein großes weißes Festzelt, das von einem schwarzen Zaun umgeben ist.
Das Konzertgelände am Ortsausgang von Themar ist uneinsehbar. Obwohl der Veranstalter gerichtlich durchgesetzt hatte, dass das Konzert als Versammlung und nicht als kommerzielle Musikveranstaltung eingestuft wird, ist das Gelände von einem schwarzen Sichtschutz umgeben.

MDR THÜRINGEN JOURNAL | 15.07.2017 | 19:00 Uhr
MDR THÜRINGEN - Das Radio | Fazit | 15.07.2017 | 18:00 Uhr
Bildrechte: Martin Wichmann
Ein Schild, auf dem steht, dass ein Geschäft früher geschlossen hat als üblich
Die Geschäfte in Themar haben am Samstag größtenteils schon früher als üblich geschlossen.

MDR THÜRINGEN JOURNAL | 15.07.2017 | 19:00 Uhr
MDR THÜRINGEN - Das Radio | Fazit | 15.07.2017 | 18:00 Uhr
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Mehrere Menschen laufen über einer mit Gittern abgesperrten Straße
Bei der Anreise mussten die Rechten von ihren Parkplätzen über eine mit Gittern abgesperrte Straße zum Gelände laufen.

MDR THÜRINGEN JOURNAL | 15.07.2017 | 19:00 Uhr
MDR THÜRINGEN - Das Radio | Fazit | 15.07.2017 | 18:00 Uhr
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Eine Gruppe Festivalbesucher in Themar auf einer Wiese
Mehrere tausend Konzertbesucher mit teils eindeutigen Botschaften auf ihrer Kleidung sind nach Themar gekommen. Eine Person hat die Polizei wegen eines Hakenkreuzes auf dem T-Shirt sogar festnehmen müssen, es gibt mehrere Anzeigen wegen des Verwendens von verfassungsfeindlichen Symbolen.

MDR THÜRINGEN JOURNAL | 15.07.2017 | 19:00 Uhr
MDR THÜRINGEN - Das Radio | Fazit | 15.07.2017 | 18:00 Uhr
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Eine Gruppe Menschen steht auf einer Wiese neben einem gelben Transporter und einem Zelt
Bis zum Samstagabend waren laut Polizei rund 6.000 Rechtsextreme auf dem Festivalgelände angekommen. Alle mussten zuvor Einlasskontrollen der Polizei passieren.

MDR THÜRINGEN JOURNAL | 15.07.2017 | 19:00 Uhr
MDR THÜRINGEN - Das Radio | Fazit | 15.07.2017 | 18:00 Uhr
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Zwei Polizisten fahren mit Fahrrädern über eine Straße
Einige Polizisten sind mit Fahrrädern im Einsatz.

MDR THÜRINGEN JOURNAL | 15.07.2017 | 19:00 Uhr
MDR THÜRINGEN - Das Radio | Fazit | 15.07.2017 | 18:00 Uhr
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Vier Männer und eine Frau, auf deren T-Shirts die Aufschrift "Sturm auf Themar" zu lesen ist
Für das Konzert waren offensichtlich extra Shirts mit der Aufschrift "Sturm auf Themar" produziert worden.

MDR THÜRINGEN JOURNAL | 15.07.2017 | 19:00 Uhr
MDR THÜRINGEN - Das Radio | Fazit | 15.07.2017 | 18:00 Uhr
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Ein T-Shirt mit der Aufschrift: Sturm auf Themar
Auf der Rückseite steht der Zusatz: "Gutmenschen in Angst - 7.000 Neo-Nazis wollen Themar stürmen! 15.07.2017 Sturm auf Themar. Ich war dabei!"

MDR THÜRINGEN JOURNAL | 15.07.2017 | 19:00 Uhr
MDR THÜRINGEN - Das Radio | Fazit | 15.07.2017 | 18:00 Uhr
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
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Protest gegen Neonazi-Konzert

Vor den Toren der Stadt hatten bereits am Samstagmorgen Kundgebungen gegen das Rechtsrock-Konzert begonnen. Mehrere hundert Menschen versammelten sich an verschiedenen Orten und protestierten gegen die Veranstaltung der Rechtsextremen. Der Landespolizeidirektion zufolge gibt es mehrere Standortkundgebungen in der Nähe des Konzerts. Es gibt Demonstrationen, Friedensgebete und ein Marktfest. Über die Zahl der Gegendemonstranten gab es zunächst widersprüchliche Angaben, die Polizei hat mittlerweile die Zahl von 1.000 auf rund 300 nach unten korrigiert. In der Stadt selbst hängen zahllose Plakate, die deutlich machen, dass Themar die Neonazis nicht haben will. Am Samstagvormittag kamen vier Landtagsabgeordnete der Linken, um sich ein Bild von der Lage zu machen. Der Bürgermeister der Kleinstadt, Hubert Böse, sagte MDR THÜRINGEN, der vielfältige Protest zeige deutlich, dass die Neonazis in Themar absolut nicht willkommen seien.

Mehrere Schilder mit der Aufschrift Deine Stimme gegen Nazis stehen am Straßenrand, im Hintergrund stehen Häuser.
Plakate wie diese hängen in ganz Themar. Bildrechte: Martin Wichmann

Bereits am Freitagabend hat es in Themar einen ökumenischen Gottesdienst aus Protest gegen das Rechtsrock-Konzert gegeben. Rund 420 Menschen versammelten sich unter dem Motto "Herz statt Hetze". Dabei wurde unter anderem eine Grußbotschaft der evangelischen Landesbischöfin Ilse Junkermann verlesen.

An dem Gottesdienst hat auch Thüringens Innenminister Holger Poppenhäger (SPD) teilgenommen. Zuvor hatte Poppenhäger sich über den Stand des Polizeieinsatzes informiert. Insgesamt sind rund 1.000 Polizisten im Einsatz, darunter auch alle Hundertschaften des Freistaates. Zusätzlich wurden mehrere hundert Polizisten aus anderen Bundesländern angefragt. Dem Innenministerium zufolge werden Beamte aus Baden-Württemberg, Bayern, Berlin, Nordrhein-Westfalen und Sachsen erwartet. Zudem würden an den Amtsgerichten Sonneberg und Meiningen Bereitschaftsdienste eingerichtet, insbesondere für Haftentscheidungen.

Wohl größtes Rechtsrock-Konzert Deutschlands

Der Thüringer Verfassungsschutz hatte im Vorfeld des Rechtsrock-Konzertes mit mehr als 5.000 Rechtsextremen und 2.000 Gegendemonstranten gerechnet. Demzufolge gilt das Konzert als eines der größten Treffen der Neonazi-Szene in Deutschland. Gegen das Konzert wurden insgesamt neun Gegendemonstrationen angemeldet - etwa von Privatpersonen, der Kirchengemeinde und einem Bündnis für Demokratie und Weltoffenheit. Themar selbst hat nur knapp 3.000 Einwohner.

Über dieses Thema berichtet MDR THÜRINGEN auch im Programm: MDR THÜRINGEN JOURNAL | 15.07.2017 | 19:00 Uhr
MDR THÜRINGEN - Das Radio | Fazit | 15.07.2017 | 18:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 15. Juli 2017, 22:30 Uhr

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202 Kommentare

18.07.2017 10:59 Goonie 202

Hallo Micha, ja solls geben aber woher weißt du das der links ist?

18.07.2017 10:44 Krause - "ich bin ja ein Nazi, aber" 201

@ 199. BBWatch:

Solche 'Überraschungen' passieren immer wieder! Da denkt man, man hätte einen 'ganz normalen Menschen' als Nachbarn, Be- oder gar Verwandten... und dann fängt der/die mit 'faschistischem Gepöbel' an!
Wenn man davon 'nur in der Zeitung liest' oder jemanden bei einem Fahndungsaufruf auf einem Bild erkennt, ist damit durch umzugehen. Einen 'Test für die Contenance' gibt es, wenn man bei einem 'alten Bekannten' zum Kaffee eingeladen ist, man die Gabel mit einem Stück Kuchen gerade zum Mund führt und dann ein Kommentar auf eine gerade im Radio verkündete Nachricht geäußert wird, der eben dieses Stück Kuchen auf der Gabel zum 'Gradmesser der Contenance' macht...

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