Collage zur Illustration des "Lügenpresse-light-Mileus" und der Werbung aus Russland im US-Wahlkampf
Bildrechte: MEDIEN360G

Das Altpapier am 2. November 2017 Die kleinen Lichter der Aufklärung

Wer ist Teil des "Lügenpresse-light-Milieus"? Sind manche Journalisten den "Lü-gen-pres-se!"-Geiferern womöglich "insgeheim dankbar", weil sie sich durch den "Hass der Troglodyten" irgendwie geadelt fühlen dürfen? Wird ein ZDF-Krimi am kommenden Montag "zu einer Art öffentlich-rechtlichem Untersuchungsausschuss"? Was sind eigentlich "Andersfrauen"? Ein Altpapier von René Martens.

Collage zur Illustration des "Lügenpresse-light-Mileus" und der Werbung aus Russland im US-Wahlkampf
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Wenn der Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen schreibend in Mediendebatten eingreift, kommt dabei selten etwas heraus, was für Altpapier-Leser im Kern neu wäre. Aber einen süffigen bis knackigen Überblick - den kriegt Pörksen immer mal wieder hin, auch in einem aktuellen Beitrag für Zeit Online, dessen Headline "Das gefährliche Raunen" lautet. Pörksen befasst sich hier mit einem von ihm so genannten "Lügenpresse-light-Milieu", das die "aggressive Medienverdrossenheit" ablehne.

"Gelegentlich, aber dies ist selten, stößt man im Lügenpresse-light-Milieu auch auf die offen präsentierte Verschwörungstheorie",

bemerkt Pörksen und nennt als Beispiel einen ins Nirvana abgedrifteten Ex-Bundesinnenminister. Aber:

"In der Regel formulieren die Erbosten (…) eine sehr viel undeutlichere und spielerischer vorgetragene Manipulationstheorie, die sich der konkreten empirischen Prüfung durch den pauschalen Angriff entzieht."

Ob die Formulierung "spielerischer" hier angemessen ist, würde ich mal bezweifeln. Wie auch immer:

"Die Lügenpresse-light-Thesen (verfügen) längst über eine ziemlich stabile Anhängerschar. Die Mainstream-Kritik wird allmählich selbst zum neuen Mainstream, zu einem sich nonkonformistisch gebenden Konformismus, der panisch überall Gesinnungsvorgaben wähnt und den eigenen Entrechteten-Mythos pflegt."

Interessant ist in diesem Zusammenhang vielleicht, dass der "sich nonkonformistisch gebende Konformismus" schon ein etwas älterer Hut ist. Diese Haltung - Fachleute sprechen in diesem Zusammenhang von Morbus Martenstein - war in den Feuilletons viel früher präsent als, sagen wir mal: in den Straßen von Dresden (siehe Altpapier). Pörksen weiter:

"Die Folgen eines derartigen, beliebter werdenden und auch von manchen Journalisten beklatschten Pauschalismus sind für die aktuelle Debatte gleich doppelt fatal. Zum einen verminen sie das Feld der Medienkritik und transformieren begründetes Spezial-Misstrauen allmählich in ein pauschales System-Misstrauen. Wer nun – womöglich mit guten Gründen und der gebotenen Schärfe – Journalisten kritisiert, Grenzüberschreitungen und Fehltritte, Vorurteile und Übertreibungen sichtbar macht, der wird sich irgendwann überlegen, ob er dadurch zum Parteigänger wird."

Dass ein grundsätzliches, meinethalben "pauschales" System-Misstrauen aus ganz anderen Gründen auch im linken Milieu existiert - daran erinnert Kay Sokolowsky in der Kulturkolumne der November-Ausgabe von konkret:

"Es gibt keine Wahrheit im falschen Leben, keine Unbestechlichkeit in der Warenwelt, und wenn Journalisten so tun, als schwebten sie über dem Prinzip des Kapitalismus – alles ist käuflich – wie die Erzengel über der Erbsünde, belügen sie nicht nur ihre Kundschaft, sondern auch sich selbst. Möglicherweise verstört das 'Lü-gen-pres-se!'-Gebrüll der von ihnen selbst großgeschriebenen Pegidazis und AfD-Faschisten sie sosehr, weil sie sich ertappt fühlen. Vielleicht aber auch sind die Branchenvertreter, die sich gegen die Denunziation wehren, insgeheim dankbar dafür, dass die 'Lü-gen-pres-se!'-Geiferer in einer geistigen Sphäre hausen, die von allen guten Geistern verlassen ist, einer Wahnwelt, wo keine Wahrheit außer der eingebildeten gilt. Der Hass der Troglodyten adelt die Verhassten, mögen sie noch so kleine Lichter sein, zu Helden der Aufklärung."

Anlass der Kolumne ist das von Volker Lilienthal und Irene Neverla herausgegebene Buch "Lügenpresse. Anatomie eines politischen Kampfbegriffs", das Sokolowsky ziemlich stulle findet.

"Andersfrauen" vs. Feministinnen

Anne Fromm vergleicht in der taz die derzeit gegen Kevin Spacey vorgebrachten Belästigungsvorwürfe (siehe Altpapier von Mittwoch) mit dem Fall Weinstein:

"Die Vorwürfe gegen Spacey sind nicht mit denen gegen Weinstein vergleichbar. Sie sind weder so gut bewiesen noch so zahlreich. Sechzig Frauen haben ausgesagt, von Weinstein belästigt worden zu sein. Es geht dabei um Grapschen und Vergewalti­gung­, Weinstein habe von Schauspielerinnen Massagen und Sex verlangt, gedroht, sie nicht in seinen Filmen zu besetzen und deren Karrieren zu beenden. Von so massiver Gewalt und von solchem Unterdrucksetzen ist über Spacey nichts bekannt.

Worin sich die Vorwürfe gegen Weinstein und Spacey aber gleichen: Sie zeigen, wie allgegenwärtig sexuelle Gewalt ist. Diese hat nichts mit sexueller Orientierung, Attraktivität der Opfer, mit Verlangen oder Leidenschaft zu tun, aber viel mit Erniedrigung, Macht und Kontrolle. Und so erklärt sich häufig, warum Opfer (erst einmal) schweigen. Dass sich nun so viele (vermeintliche) Opfer doch zu Wort melden, ist auch ein Verdienst der sozialen Medien."

Zu einem anderen Aspekt der #MeToo-Debatte äußert sich Paula Irmschler im Neuen Deutschland:

"Wann immer Frauen ihr von männlicher Gewalt Betroffensein öffentlich machen, sind sie nicht weit: die vermeintlich unbetroffenen Frauen, die durch die Gegend monologisieren, dass ihnen 'sowas' – gemeint ist sexuelle Belästigung – ja überhaupt nicht passiert (…) Vorhang auf für die Andersfrauen. Oft handelt es sich hierbei um Frauen, die 'es' geschafft haben, beweisen mussten, dass sie nicht schwach sind, die 'wie Männer' sein mussten, weil Solidarität schwer zu finden war. Um den Andersfrauen-Job zu behalten, muss man Feministinnen ab und an erklären, dass sie jetzt aber zu weit gehen und ihr Tun sinnlos sei. So überrascht wenig, dass diese Andersfrauen jetzt, im Zuge der #metoo-Debatte um sexuelle Gewalt in Hollywood, wieder durch Abgrenzung glänzen."

Da wir gerade bei Irmschler sind: Fürs Kaput-Magazin kolumniert sie über das Journalistinnenbild, mit dem sie sich immer wieder konfrontiert sieht:

"Allein, dass man als Frau nicht bescheiden und leise ist, sondern sich raus nimmt, die Dinge zu tun, die Männer die ganze Zeit tun, reicht, um zu provozieren. Frauen, die schreiben, scheinen einfach zu stören. Wer es gut mit Frauen meint, macht es leider aber auch nicht immer besser, wenn er um die Exotisierung oder Sexualisierung nicht herum kommt. Nicht selten wird man angeflirtet, weil man so eine geile starke Frau sei, die sich ja so richtig was traut und ja auch gar nicht sooooo schlecht aussieht. Wenn Leute mich interviewen wollen, dann meist zu feministischen Themen, nicht zu meinen geilen Witzen oder meinem scharfen Sachverstand in Punkto schöner Popmusik. Männliche Autoren, die sich feministisch äußern, dürften das selten erleben. Zumindest ist ihre Berufsbezeichnung dann nicht 'Feminist', sondern immer noch 'Autor' oder 'Journalist'."

Liebesgrüße aus Moskau

Zur politischen Einflussnahme Russlands auf den US-Wahlkampf und den daraus resultierenden Befragungen durch Kongressabgeordnete, denen sich Google, Facebook und Twitter in dieser Woche zu stellen hatten (siehe Altpapier von Mittwoch) hat Sebastian Wellendorf ("@mediasres") den SZ-Digitalexperten Simon Hurtz befragt:

"Wieso jetzt dieser Schritt? Ist tatsächlich die Dimension der russischen Einflussnahme in den Netzwerken der Grund für das härtere Vorgehen? Donald Trump und die Republikaner können ja hier nicht die treibende Kraft sein."

Hurtz meint:

"Das trägt sicher dazu bei, also tatsächlich sind Demokraten in dem Fall in den USA eher die treibende Kraft hinter dieser Gefahr der Regulierung - aus Sicht von Facebook gesprochen. Es waren ja auch zwei demokratische Senatoren, die kürzlich einen Gesetzentwurf vorgelegt haben, der die Unternehmen zu mehr Transparenz verpflichten würde in Bezug auf politische Anzeigen."

Joachim Huber kommentiert im Tagesspiegel:

"Silicon Valley ist so versessen aufs Geldscheffeln und so stolz auf sein Selbstbild einer besseren, funktionierenden Weltgemeinschaft, dass die galoppierenden Risiken vielfältigen Missbrauchs weggepostet, weggegoogelt und weggetweetet wurden. Das wird nicht länger funktionieren."

Und dann haut Huber gleich noch einen Kalenderspruch allererster Kajüte raus:

"Wer Missbrauch sät, der wird Misstrauen ernten."

Michael Hanfeld fragt auf der FAZ-Medienseite derweil:

"Wieso fällt die Propaganda-Kaskade erst jetzt auf? Beziehungsweise: Warum rücken die Konzerne erst jetzt damit raus, da sie von der Politik gezwungen sind, sich zu offenbaren? Die nächsten Liebesgrüße aus Moskau kommen bestimmt."

Was für Werbeanzeigen haben die russischen Influencer bei Facebook eigentlich gekauft? Wer sich das fragt, für den haben die New York Times sowie Techcrunch Zusammenstellungen parat.

Bleiben wir in den USA: Die Welt hat mit Roger Cohen gesprochen, "einer den wichtigsten Stimmen" der heute schon erwähnten New York Times, die, aber das nur am Rande, gerade mal wieder Erfolgszahlen vermeldet (siehe DNV Online). Johannes Altmeyer und Christian Meier wollen von Cohen, der auch mal Korrespondent in Deutschland war, Donald Trumps Hassliebe zur New York Times erklärt bekommen. Cohen sagt dazu:

"Ich bin mir nicht sicher, ob ich das vollständig erklären kann. Nummer eins: Trump ist ein New Yorker, der in Queens aufwuchs. Die New York Times ist eine nationale, manche sagen sogar eine weltweite Institution. Wenn man in New York aufwächst, ist die Zeitung einfach da, sie ist ein Teil der Stadt. Nummer zwei: Die New York Times ist wichtig, weil viele wichtige Menschen sie lesen. Trump zieht das an (…) Er liebt es, wenn ihm geschmeichelt wird. Und er liebt Menschen, die vor ihm niederknien. Seine Kabinettssitzungen erinnern mich an Bilder von Saddam Hussein und dessen Regierung in Bagdad. Die sahen alle so erschrocken aus, als befürchteten sie, in den nächsten zwei Minuten eine Kugel durch den Kopf gejagt zu bekommen. Die New York Times verherrlicht aber nichts und niemanden. Wir berichten unvoreingenommen und versuchen, die Wahrheit herauszufinden. Oder etwas, das dem sehr nahe kommt. Ich glaube, deshalb verhält er sich uns gegenüber so schizophren."

In gewisser Hinsicht eine der Städte der Stunde ist aus naheliegenden politischen Gründen gerade Barcelona, und insofern darf sich die ARD freuen, dass sie für den heutigen Abend zufällig sehr geschickt geplant hat. Der aktuelle Film aus der Donnerstagskrimi-Reihe ist nämlich der zweite aus Barcelona, und natürlich ist die derzeitige Lage in Katalonien dann auch ein Thema, das in einem Interview vorkommt, das Jan Freitag für verschiedene Zeitungen mit dem Kommissars-Darsteller Clemens Schick geführt hat. Der sagt:

"Dass sich eine Region wie die katalanische im 21. Jahrhundert von Spanien abspalten will, finde ich schlicht unfassbar. Denn wenn etwas im Verlauf der Geschichte zielsicher zu Krieg und anderen Katastrophen geführt hat, dann war es eine schließlich zum Nationalismus gesteigerte Heimatliebe. Dieses Thema kommt allerdings erst im dritten und vierten Teil zur Sprache."

Kurzer Exkurs zu den Autorenzeilen: Bei den Kieler Nachrichten und im Göttinger Tageblatt, beide ausgiebig von Madsacks Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) bestückt, steht "Jan Freitag/RND" drunter. Bei der Nicht-Madsack-Zeitung Tagesspiegel ist nur der Autorenname angegeben.

Michael Hanfeld schreibt anlässlich des neuen "Barcelona-Krimis" auf der FAZ-Medienseite:

"Der Donnerstagskrimi ist 'Das Traumschiff' mit anderen Mitteln."

Das hat der alte Remix-Fuchs fast genauso vor etwas mehr als einem Jahr auch schon geschrieben, als es hieß, die Donnerstagskrimis seien "das 'Traumschiff' im Krimiformat" (siehe Altpapier).

Ein neuer NSU-Film

Aus ganz anderen politischen Gründen ein berichterstattungsrelevanter Krimi: der am kommenden Montag im ZDF zu sehende Lars-Kraume-Film "Die schützende Hand", der auf einem Roman des Krimiautors Wolfgang Scharlau basiert. Die Wochenzeitung Kontext lobt den Film in ihrer aktuellen Ausgabe sehr. Kontext-Autor Rupert Koppold meint, wie Dominik Grafs "Tatort – Der rote Schatten", "der an der offiziellen Selbstmordversion der Stammheimer RAF-Häftlinge zweifelt" - Tut er das? Siehe Altpapier -, stelle Kraume nun "die These" in Frage, dass die Nazi-Terroristen Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos Suizid begangen haben:

"Mehr noch als Grafs 'Tatort' wird dieser faktensatte (…) Krimi (…) dabei zu einer Art öffentlich-rechtlichem Untersuchungsausschuss, der die offiziellen Ergebnisse nicht nur wegen ihrer vielen und äußerst merkwürdigen Widersprüche in Frage stellt, sondern zum Skandal erklärt."

Rainer Tittelbach (tittelbach.tv) ordnet den Film folgendermaßen ein:

"Verglichen mit der 'Mitten in Deutschland'-Trilogie der ARD, die dem NSU-Komplex in 270 Minuten entsprechend umfassend nachspürt, wählt der ZDF-Film den umgekehrten Ansatz: Er geht nicht erzählerisch rein in die Zeit der NSU-Anschläge, sondern analysiert aus heutiger Sicht 'nur' einen Teil des Komplexes, dafür umso akribischer und anschaulicher. Er erzählt das, was der dritte ARD-Film über die Ermittler behandelt: das Versagen der Behörden und die Mitschuld des Verfassungsschutzes am Phänomen NSU. Vom minutiös analysierten Detail die unheilvolle Verbindung zwischen Inlandsgeheimdiensten und Rechtsterrorismus abzuleiten, 20 Sekunden entscheiden zu lassen, ob sich der deutsche Rechtsstaat auf dem Weg zu einer Bananenrepublik befindet – das ist gewagt, erschreckend in seiner Evidenz und ein Top-Scenario für einen Politthriller."

Altpapierkorb (465 ermordete irakische Journalisten, Bilder unterernährter Kinder, langweilige Vereins-Pressekonferenzen, The Face)

+++ Malu Dreyer, rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin und Vorsitzende der Rundfunkkommission der Länder, hat gegenüber dem NDR-Medienmagazin "Zapp" gerade gesagt, dass es sich bei den von ARD, ZDF und Deutschlandradio jüngst vorgelegten Sparvorschlägen um ein "großes, anerkennenswertes Paket" handle, das in den Augen der Kommission aber "nur - in Anführungszeichen - 500 Millionen strukturelle Veränderungen" enthalte. Daraus folgert Daniel Bouhs, dass "Politiker sowohl der SPD-, als auch der unionsgeführten Länder" bald ein paar Einsparungsideen in Sachen Programm präsentiert bekommen wollen. "Zustimmung" vernimmt Bouhs in diesen Kreisen unter anderem für die Idee, einander "ähnliche" Spartensender zu fusionieren.

+++ "Elf namhafte internationale Menschenrechts- und Pressefreiheitsorganisationen haben sich im Verfahren um den inhaftierten Welt-Korrespondenten Deniz Yücel zu Wort gemeldet." Darüber berichtet Yücels Arbeitgeber.

+++ "Als Vertreter der Bürgerinnen und Bürger, der Medien, der freien Berufe, der Justiz und der Wirtschaft" fordern 21 Unterzeichner, darunter das Netzwerk Recherche und die Journalistengewerkschaften, den "sehr geehrten Herr Lindner, die "sehr geehrte Frau Peter" und den "sehr geehrten Herr Özdemir" in einem Offenen Brief dazu auf, die Vorratsdatenspeicherung zu beenden, weil sie "den Schutz journalistischer Quellen" untergrabe.

+++ Unter der Überschrift "Wie Martin F. zufällig berühmt wurde" erzählt Danijel Majic für die Frankfurter Rundschau die Geschichte jenes Mannes, der aufgrund eines dpa-Fotos von der Frankfurter Buchmesse zunächst fälschlicherweise als rechts eingeordnet wurde (siehe Altpapier). Anders als ein sog. Branchendienst behauptet hat, ist Martin F. übrigens auch nicht Mitglied einer Antifa-Gruppierung.

+++ Der Independent berichtet, dass während der Einnahme der kurdischen Hochburg Kirkuk durch die irakische Armee ein Journalist geradezu abgeschlachtetworden sei: "Arkan Sharifi, 50, a Kurdish cameraman working for Kurdistan TV, (…)  was knifed to death by four or five men who broke into his house and locked his wife and children in a separate room. When they got out five hours later, they found him lying in a pool of blood, his body mutilated and with a knife stuck in his mouth, evidence that he been killed because of something he had said or reported (…) The murder of Arkan Sharifi is striking in its brutality, but no fewer than 465 Iraqi journalists have been killed in the last 14 years."

+++ ARD-aktuell-Chefredakteur Kai Gniffke setzt sich im Blog von tagesschau.de damit auseinander, dass die "Tagesthemen" am Sonntag und die "Tagesschau" am Montag Bilder von "furchtbar unterernährten Kindern" aus Syrien gezeigt hatten. Zumindest in einem Fall ist Gniffke "heute der Meinung", dass dies falsch war.

+++ Aktuelle Fälle von hier zu Lande kreierter Werbung, in der (sexualisierte) Gewalt mindestens angedeutet wird, greift Pinkstinks auf.

+++ Der Guardian rezensiert ein Buch zur Geschichte des Magazins The Face, das in den 1980er und 1990er Jahren zu den weltweit maßgeblichen Zeitschriften gehörte: "Between 1980 and 1985, the Face metamorphosed almost issue by issue: from a relatively traditional, if stylish, rock monthly, featuring leftwing bands in moody monochrome layouts; to a bright cheerleader for hedonistic new bands such as Haircut 100 and Spandau Ballet, and the emerging, more swaggering London they represented; to a multicultural nightlife and fashion journal, which celebrated clubbing and black music and style with an ease that was unprecedented."

+++ Noch aus der vergangenen Woche nachzutragen: eine aufschlussreiche, in der November-Ausgabe von Chrismon erschienene Reportage über Lokaljournalismus. "Was habe ich davon, wenn ich die Wut am Kochen halte? Als Zeitung muss uns daran gelegen sein, dass Konflikte gelöst werden – und nicht, dass die Leute immer weiter stänkern", sagt der Protagonist des Artikels, der Chefredakteur des Süderländer Tageblatts.

+++ Sandro Schwarz, der Trainer des FSV Mainz 05, findet, dass die Pressekonferenzen vor den Spielen seines Vereins langweilig sind, weil die Journalisten langweilige Fragen stellen. Keine völlig falsche Beobachtung, meint Jürn Kruse (taz), der aber zu bedenken gibt: "Dass Pressekonferenzen langweilig sind, daran haben die Vereine schön selbst mitgearbeitet – mit ihren Larifari-Antworten. Auch eine kritische Begleitung sehen die Klubs äußerst ungern."

+++ Auch wenn die Zukunft der Radioverbreitung digital sein mag: Um UKW-Frequenzen gibt es weiterhin "Verteilungskämpfe". Carina Fron berichtet für "@mediasres".

+++ Altpapier-Autor Christian Bartels findet die gestern hier aufgegriffene Lutherjahr-Berichterstattungskritik von Übermedien "herausragend schwach" - gemessen an dem, was dort sonst publiziert wird.

+++ Für Netflix-Abonnenten (I): "Diversity" bleibe auch in der zweiten Staffel von "Stranger Things" (siehe Altpapier von Montag) "ein Problem", schreibt Sibel Schick in der taz. "Es gibt keine einzige geoutete LGBTIQ*-Figur, und die Zahl der starken Frauen/Mädchen bleibt gering."

+++ Für Netflix-Abonnenten (II): Johanna Adorján stellt in der SZ "Die Mitte wird nicht halten" vor, den ersten Dokumentarfilm über die mittlerweile 82-jährige Schriftstellerin Joan Didion. "Allein das Schauspiel ihres Gesichts lohnt den Film", meint Adorján. Sie und auch Rebecca Maud im New Yorker beschreiben ausführlich eine Szene, in der es um eine Begebenheit aus dem Jahr 1968 geht: Didion ist damals einer Fünfjährigen begegnet, die von ihrer Mutter LSD bekommen hat.

+++ Der Journalist und Linken-Politiker Dominic Heilig ist im Alter von 39 Jahren gestorben. Das Neue Deutschland würdigt seinen "langjährigen Autor", und die taz veröffentlicht ebenfalls einen Nachruf.

Neues Altpapier gibt es wieder am Freitag.