Lexikon Familienpolitik der DDR

Die Sozialpolitik der DDR sollte dazu beitragen, dass der graue Alltag für die Bürger erträglicher wurde. Vor allem in der Familienpolitik scheute der Staat keine Kosten. Mit sozialen Maßnahmen wie Babyjahr, Ehe-Kredit oder der Krankengeldzahlung bei Erkrankung eines Kindes sollte die Vereinbarkeit von Beruf und Familie erleichtert und die Geburtenrate erhöht werden.

DDR Familie
Vereinbarkeit von Beruf und Familie war in der DDR oberstes Ziel. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die sozialpolitischen Ansätze eng verbunden mit dem Namen Erich Honecker, der auf dem VIII. Parteitag 1971 die Einheit von Wirtschafts- und Sozialpolitik verkündete. Unter anderem wurden materielle Anreize für Frauen geboten wie Arbeitszeitverkürzung, Verlängerung des bezahlten Mutterschaftsurlaubes und Ausbau von Kindergartenplätzen. Damit sollten sie noch stärker in den Arbeitsprozess integriert werden. Verständlich, dass Teilzeitarbeit, etwa 25 bis 35 Stunden, nicht gern gesehen war.

Frauenpolitik im Sinne des Arbeitsmarktes

Diese junge Frau sitzt in der Sächsischen Landesbibliothek Dresden.
Viele Anreize erleichterten den Frauen die Entscheidung für eine Familie. Bildrechte: dpa

Die Entscheidung hierfür wurde auch nicht in das Ermessen der Frau gestellt, die Bewilligung erfolgte nur in Abhängigkeit von der Anzahl und dem Alter der Kinder. Dies zeigt, dass es der SED nicht ernsthaft um die Fragen der Geschlechterverhältnisse oder der Arbeitsteilung ging. Für sie zielte die Frauen- und Familienpolitik vor allem auf den Arbeitsmarkt und die demographische Entwicklung.

Seit Ende 1971 wurden zur beratenden Unterstützung berufstätiger Mütter sowie zur Vorbereitung auf Ehe und Familie über 200 "Beratungszentren für Haushalt und Familie" geschaffen, die sich unter der Regie des Demokratischen Frauenbunds Deutschlands in den Bezirks- und Kreisstädten bald zu Einrichtungen praxisorientierter Haushalts- und Säuglingspflege sowie zu Eheberatungsstellen entwickelten.