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Friedensbewegung : Wittenberg 1983: Der Funke springt über

Im September 1983 wird in Wittenberg ein Schwert zu einer Pflugschar umgeschmiedet. Es ist die spektakulärste Aktion der Friedensbewegung in der DDR.

Friedrich Schorlemmer spricht auf der Demonstration am 4.11.1989 in Berlin
Friedrich Schorlemmer bei einer Ansprache

Eigentlich hatte es nur eine kleine Aktion des Wittenberger Friedenskreises werden sollen, weitgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit, in den abgeschlossenen Räumen einer "Jungen Gemeinde". Aber dann bekam der Schmied das Schwert nicht rechtzeitig fertig, die Sommerferien standen bevor und Friedrich Schorlemmer, Dozent am "evangelischen Predigerseminar", meinte: "Dann machen wir das eben zum Kirchentag." Wittenberg, am 24. September 1983. Auf dem historischen Lutherhof im Zentrum der Stadt haben sich am späten Abend mehr als 2.000 Menschen eingefunden. In der Mitte des Hofes steht ein Amboss, ein Feuer lodert und der Kunstschmied Stefan Nau schmiedet ein selbstgefertigtes Schwert zu einer Pflugschar um.

"Ein jeder braucht sein Brot, seinen Wein und Frieden ohne Furcht soll sein. Pflugscharen schmelzt aus Raketen und Kanonen, dass wir in Frieden zusammen wohnen."

Ansprache von Friedrich Schorlemmer, Initiator der Aktion

Stasi auf Beobachtungsposten

Dabei war bereits die öffentliche Benutzung des Slogans "Schwerter zu Pflugscharen" ein Jahr zuvor von der DDR-Staatsmacht untersagt worden. Verteidigungsminister Heinz Hoffmann erklärte im März 1982 vor der "Volkskammer": "Unsere Soldaten tragen ihre Waffen für den Frieden. So gerne wir auch unsere Waffen verschrotten werden, noch braucht der Sozialismus, braucht der Frieden Pflugscharen und Schwerter." Und so ist die Staatssicherheit an diesem Abend im Wittenberger Lutherhof auch in großer Anzahl präsent. Sie beobachtet die Szenerie jedoch nur und greift nicht ein. Denn Gast des Kirchentages ist der designierte Bundespräsident Richard von Weizsäcker. Durch seine bloße Anwesenheit in der Stadt schützt er die Friedensaktivisten. Bilder von knüppelnden Sicherheitskräften will die DDR-Führung um jeden Preis vermeiden.

Weizsäcker geht auf Distanz

Richard von Weizsäcker geht auf die Schmiedeaktion in seiner Rede auf dem Kirchentag nicht ein. Er betont die Notwendigkeit von Rüstungskontrolle und der Verminderung von Waffensystemen, zu pazifistischen Bestrebungen geht er aber auf Distanz. Und auch bundesdeutsche Medienvertreter erwähnen das Umschmieden des Schwertes in ihren Artikeln über den Besuch von Weizsäckers in Wittenberg mit keiner Silbe.

Ähnlich denkende Leute auf beiden Seiten der Mauer

Der bundesdeutsche Journalist Peter Wensierski allerdings war mit einem kleinen Kamerateam im Lutherhof dabei. Einige Wochen später wird sein Filmbericht in der ARD ausgestrahlt. Er macht die Wittenberger Aktion "Schwerter zu Pflugscharen" in der Bundesrepublik bekannt.

"Das war etwas, das viele in Westdeutschland auch verstanden hatten. Es war plötzlich klar, dass es auf beiden Seiten der Mauer ähnlich denkende Leute gibt."

Peter Wensierski, westdeutscher Journalist

Auch in der DDR erfahren viele erst über das Westfernsehen von der symbolträchtigen Aktion Friedrich Schorlemmers. Das Umschmieden des Schwertes wurde zum Symbol der Friedensbewegung und der Slogan "Schwerter zu Pflugscharen" zu ihrem Leitmotiv.

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Zuletzt aktualisiert: 11. Mai 2011, 15:24 Uhr

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