Strommasten am STaudamm Bratsk
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Symbol für den Aufbau des Kommunismus Das Wasserkraftwerk in Bratsk

Dreizehn Jahre lang bauten zehntausende Menschen das Wasserkraftwerk in Bratsk. Mitte der sechziger Jahre ging es als das größte der Welt ans Netz. Aber der Preis, den die Einheimischen erbringen mussten, war hoch.

Strommasten am STaudamm Bratsk
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Anfang der 1950er Jahre beschlossen die Wirtschaftsplaner der Kommunistische Partei der Sowjetunion (KPdSU) im fernen Moskau den Bau mehrerer Wasserkraftwerke entlang der mächtigen sibirischen Ströme Angara und Jenissei. Wissenschaftler hatten nämlich errechnet, dass in Sibirien, wo Flüsse mitunter zehn Kilometer breit sind, Wasserkraft für mehr als 1,4 Billionen Kilowattstunden Elektrizität schlummere. Energie, die das kommunistische Riesenreich unbedingt brauchte. Eines dieser geplanten Kraftwerke sollte in der Nähe von Bratsk entstehen und das größte der Welt sein -  ein Symbol für den Aufbau des Kommunismus in der Sowjetunion und der Bestätigung einer der zentralen These Lenins aus den Tagen der Oktoberrevolution: "Kommunismus = Sowjetmacht + Elektrifizierung".

Strafgefangene und Komsomolzen

Dreizehn Jahre lang bauten zehntausende Menschen an dem gigantischen Koloss in der sibirischen Wildnis. Zunächst waren es vor allem Strafgefangene aus dem Gulag, die den Wald rodeten, ein Betonwerk errichteten und das Fundament des Staudamms aus dem Boden stampften. Später kamen neben regulären Arbeitern Armeepioniere und vor allem Tausende Komsomolzen aus allen Teilen der UdSSR hinzu, die hier mehr oder weniger freiwillig in den Semesterferien arbeiteten.

264 Dörfer versanken im Stausee

Als das Bratsker Kraftwerk schließlich Mitte der sechziger Jahre eingeweiht wurde, war es mit einer Leistung von 4,1 Millionen Kilowatt  tatsächlich das größte der Welt. Die Staumauer war fünf Kilometer lang und 127 Meter hoch, der Stausee dahinter gigantisch und immerhin noch der drittgrößte Stausee der Welt. In seinen Fluten waren insgesamt 264 Dörfer versunken. Die Einwohner hatten zum Teil von Soldaten der Roten Armee aus ihren Häusern vertrieben werden müssen. 

"Abschied von Matjora"

Der Dichter Jewgenij Jewtuschenko schrieb über die Errichtung des gigantischen Bauwerks damals sogar ein Poem mit dem allerdings eher nüchternen Titel: "Das Wasserkraftwerk von Bratsk". "Dein Antlitz, Mutter Russland, hast du mir in Bratsk gezeigt", heißt es in der ansonsten aber doch recht pathetischen Dichtung.

Viele Jahre später, 1976, veröffentlichte der Schriftsteller Valentin Rasputin einen Roman, der ihn weltberühmt machen sollte. In ihm schildert Rasputin das Versinken seines sibirischen Heimatdorfes im Bratsker Stausee. "Abschied von Matjora", heißt der Roman, in dem erstmals in der Sowjetunion nach dem Preis gefragt wurde, den der sogenannte "Fortschritt" fordert.

Zuletzt aktualisiert: 06. Februar 2017, 16:52 Uhr