Damals im Osten

Architekt Manfred Prasser : "Darüber muss die Welt staunen"

Der 1932 in Chemnitz geborene Manfred Prasser galt als einer der Stararchitekten in der DDR. Eine seiner bedeutendsten Schöpfungen ist der damals auch international viel beachtete „Große Saal“ im Palast der Republik.

"Der große Saal ist die Perle des Hauses"

Trotz knapper Zeitvorgabe gelingt Architekt Prasser ein großer Wurf.

15.03.2011, 21:15 Uhr | 09:01 min

Die Arbeiten am Palast der Republik waren schon seit einem halben Jahr in vollem Gange, als Manfred Prasser vom Chefarchitekten Erhardt Gißke gefragt wurde, ob er den "Großen Saal" gestalten könne. Prasser sah sich die ursprünglichen Entwürfe für den "Großen Saal" an und befand: "Was für eine langweilige Scheiße! Der 'Große Saal' ist die Perle des Hauses, da müssen wir etwas machen, was es noch nirgendwo gibt. Darüber muss die Welt staunen!" Gißke sagte: "Na, dann mach mal was" und gab Prasser 14 Tage Zeit ...

"Honecker sagte: Einwandfrei!"

Honeckers Urteil zum Saal lässt den Architekten aufatmen.

15.03.2011, 20:45 Uhr | 03:03 min

Manfred Prassers sensationelle Entwürfe für den "Großen Saal" musste Chefarchitekt Erhardt Gißke auch Erich Honecker vorlegen, der sich für jedes Detail seines Palastes interessierte. Gißke hatte gewisse Sorgen, ob Honecker mit der ungewöhnlichen Architektur überhaupt etwas anfangen könne. Aber der SED-Chef sagte: "Na, soll er bauen!" Später, als es einmal arge Probleme mit den schwenkbaren Bühnen gab und das ganze Projekt auf der Kippe stand, erschien Honecker selbst auf der Baustelle und ließ sich von Prasser durch den "Großen Saal" führen. Honecker war begeistert: "Einwandfrei!", sagte er. "Sonst wäre mein Projekt tot gewesen", erinnert sich der Architekt.

"Zauberhaft diszipliniert"

Die Geometrie des Saals begeistert Manfred Prasser bis heute.

15.03.2011, 21:15 Uhr | 04:02 min

Für seinen "Großen Saal" bekam Manfred Prasser 1976 die bedeutendste staatliche Auszeichnung der DDR, den "Nationalpreis", verliehen. Und auch international sorgte der sechseckige Saal, der sich variabel gestalten ließ, für Aufsehen. Prasser, der später unter anderem den "Friedrichstadtpalast" und das "Grand Hotel" an der Friedrichstraße gestaltete, schwärmt noch heute von seinem Saal, den er für "zauberhaft diszipliniert" hält: "Einmalig auf der Welt. Gibt's bis heute nichts Vergleichbares ..."

Zuletzt aktualisiert: 11. März 2011, 10:39 Uhr

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