Damals im Osten

Lexikon : DSF - Gesellschaft für Deutsch-Sowjetische Freundschaft

Die DSF, im Juni 1947 zunächst als "Gesellschaft zum Studium der Kultur der Sowjetunion" gegründet (die Umbenennung erfolgte auf dem 2. Kongress im Juli 1949 in "Gesellschaft für Deutsch-Sowjetische Freundschaft"), sollte zunächst vor allem durch Kulturarbeit die antisowjetische Haltung in der Bevölkerung der SBZ beseitigen helfen. Zentren der politischen wie kulturellen Arbeit waren die Häuser der DSF, die zunächst im weitesten Sinne als Kulturhäuser eingerichtet und betrieben wurden.

Vorträge, Dia-Abende, Chorgesang und Folklore-Tänze

Diese Häuser boten Vortragsveranstaltungen, Konzerte von deutschen wie sowjetischen Musikern, Literaturabende, Filmvorführungen, Ausstellungen, Märchennachmittage, Tanzveranstaltungen etc. an. Arbeitsgruppen und Zirkel beschäftigten sich u.a. mit russischer Sprache, Malerei, Graphik, plastischem Gestalten, Volkskunst, Chorgesang und folkloristischen Tänzen. Außerdem fanden sich in ihnen oftmals Arbeiter- und Puppentheater und eine Bibliothek.

1989 gab es in allen Bezirksstädten und andernorts noch 25 solche Häuser; neben diesen bestanden in Betrieben und anderen Einrichtungen ca. 1600 "Kabinette der Freundschaft".
Die Mitgliedschaft in der DSF (in Grundorganisationen in Betrieben organisiert) galt als Mindestnachweis gesellschaftlicher Aktivität und war außerdem ausgesprochen billig: Je nach Einkommen bezahlte man 10 Pfennig bis 1,50 Mark monatlich.

Verordnete Freundschaft

Die Aktivität in den Grundeinheiten konzentrierte sich auf Erlebnisberichte und Dia-Vorträge von SU-Reisen, Buchbesprechungen von Werken sowjetischer Autoren sowie gemeinsame Besuche sowjetischer Filme und Ausstellungen. Konnte man sowjetische Gäste begrüßen, wurde nach den unvermeidlichen Ansprachen bei russischem Tee und Konfekt vor allem ausgiebig mit ihnen gefeiert. Das alles zusammengezählt, weitergemeldet und auf dem Weg nach oben auf wundersame Weise vermehrt, erbrachte stolze Erfolgsbilanzen für die DSF-Führung und verleitete viele Funktionäre zu der Feststellung:

"Die Freundschaft zur SU ist Herzenssache aller DDR-Bürger."

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Mit der Wahl von Michail Gorbatschow zum Generalsekretär der Bruderpartei geriet die DSF in ein eigenartiges Spannungsfeld. Viele Menschen interessierten sich für die Vorgänge in der Sowjetunion. Manche hofften auf eine Übernahme von Perestroika und Glasnost durch die SED. Der Slogan "Von der Sowjetunion lernen, heißt siegen lernen" bekam einen systemkritischen Beigeschmack. Seit 1988 wurde natürlich viel nach der verbotenen Zeitschrift "Sputnik" gefragt, die aber dort auch nicht erhältlich war. Lesungen sowjetischer Schriftsteller, Aufführung von Filmen oder Kunstausstellungen erregten das Misstrauen der SED-Obrigkeit. So war die Wirksamkeit der DSF auch gegen den Willen mancher Funktionäre in der Endphase der DDR durchaus positiv.

Zuletzt aktualisiert: 29. Januar 2010, 14:37 Uhr

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