Damals im Osten

Bildergalerie : Ostdeutsche in der "Hall of Fame" des deutschen Sports

Mit hervorragenden Plazierungen meldete sich die Oberhoferin Antje Harvey beim Biathlon-Weltcup in Ruhpolding (13. bis 16.01.1994) nach längerer Verletzungspause in der Weltspitze zurück und qualifizierte sich auf Anhieb für die XVII. Olympischen Winterspiele vom 12. bis 27. Februar 1994 im norwegischen Lillehammer. Rechte: dpa

Antje Harey

Auch Antje Harvey-Misersky wird in diesem Jahr, wie ihr Vater Henrich, in der Kategorie "Besondere Biografie durch das Thema Doping" in die "Hall of Fame" des deutschen Sports aufgenommen. Mit 14 war die gebürtige Magdeburgerin in die Kinder- und Jugend-Sportschule (KJS) Oberhof aufgenommen worden. Im November 1984 wurde die damals 16-Jährige bei einem Trainingscamp im schwedischen Kiruna erstmals von einem Teamarzt zur Einnahme von Dopingmitteln aufgefordert. Nach Rücksprache mit ihrem Vater und ihrer Großmutter, die Ärztin war, weigerte sie sich, die Pillen zu nehmen. Als ihr daraufhin gedroht wurde, sie würde aus den Leistungskadern fliegen, täuschte sie jeweils die Einnahme der Steroide vor. Nachdem ihr Vater, der Ski-Langlauftrainer Henrich Misersky, wegen der Weigerung, seinen jungen Athleten Dopingmitteln zu verabreichen, entlassen wurde, zog auch Antje Misersky sich aus dem Leistungssport zurück. Erst 1989 erklärte sie sich wieder bereit, in den Leistungssport zurückzukehren - und zwar für eine Frauen-Biathlon-Mannschaft der DDR. Ihre Bedingung: keine Einnahme von Dopingmitteln. Ab Juni 1989 stieg sie beim ASC Oberhof wieder voll ins Training ein. Nach der Wende trainierte sie mit ihrem Vater weiter. 1991 gewann sie bei der WM im finnischen Lahti mit der Mannschaft Staffelgold. Ein Jahr später bei den Olympischen Spielen von Albertville gewann sie Silber mit der Staffel und im Sprint, schließlich eine Goldmedaille im 15-km-Rennen. Legendär das anschließende Fernsehinterview, das sie zusammen mit ihrem Vater Henrich nutzte, um einer breiten Öffentlichkeit detailliert die Dopinggeschichte der DDR aus ihrer eigenen Erfahrung zu schildern und den Deutschen Skiverband massiv wegen mangelnder Aufklärung und der Weiterbeschäftigung belasteter Trainer zu kritisieren.

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