Damals im Osten

Bildergalerie : Ostdeutsche in der "Hall of Fame" des deutschen Sports

Schon in früher Jugend galt der am 18. Dezember 1952 in Chemnitz geborene Wolfgang Lötzsch als eines der größten Radsport-Talente der DDR. Rechte: dpa

Wolfgang Lötzsch

Manche halten den gebürtigen Chemnitzer Wolfgang Lötzsch für den "größten deutschen Renner aller Zeiten" (Die Zeit). Zumindest kann man ihn als das größte Radsporttalent bezeichnen, das die DDR hatte. Allerdings verlief seine Karriere tragisch. Denn er durfte nie an Olympischen Spielen oder Weltmeisterschaften teilnehmen, trotz herausragender Leistungen. Sein Cousin war 1964 in den Westen geflohen, Lötzsch unterstellte man, Gleiches vorzuhaben. Seine Weigerung, in die SED einzutreten, führte zusätzlich dazu, dass er 1972 aus dem SC Karl-Marx-Stadt (Chemnitz) "ausgegliedert" wurde und nicht an den Olympischen Spielen von München teilnehmen durfte. Das bedeutete, er durfte fortan nur Amateurrennen fahren. Er startete für verschiedene Betriebssportgemeinschaften (BSG) in "offenen" DDR-Rennen. 1973 und 1974 wurde er DDR-Meister in der 4.000-Meter-Bahnverfolgung. Aber auch bei anderen Rennen ließ er regelmäßig die gesamte Radelite der DDR hinter sich. Als er 1976 beim Ausscheid für die Olympischen Spiele von Montreal einmal mehr den kompletten Nationalkader besiegte, wurden die Regeln einfach geändert, so dass keine BSG-Sportler mehr an solchen Ausscheiden teilnehmen konnten. Nachdem er sich im selben Jahr bei einem Polterabend zu freizügig geäußert hatte, wurde er von der Stasi verhaftet und wanderte wegen "Staatsverleumdung" für zehn Monate ins Gefängnis. Bis 1979 wurde er für alle Rennen gesperrt. Drei Mal stellte er einen Ausreiseantrag, alle drei wurden abgelehnt. Lötzsch wird in diesem Jahr in die "Hall of Fame" aufgenommen. Geehrt wird seine "besondere Biografie durch die Teilung Deutschlands".

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