Damals im Osten

Bandmitglieder und ihre Geschichten : "Klaus Renft Combo" - 1967 bis 1975

Klaus "Jenni" Renft

Bandleader Klaus (Renft) Jentzsch 1975 mit Bassgitarre auf der Bühne

"Er spielt nicht gut Bass und wurde doch zu einem der größten Rockstars der DDR. Er ist nicht sexy und kann sich vor Weibern kaum retten. Er interessiert sich nicht für Politik und wurde zum Staatsfeind", sagte eine von Klaus Renfts Lebensgefährtinnen 1998 dem "Spiegel". Und tatsächlich: Es gab bessere Bassisten als den 1942 in Jena geborenen Klaus Renft, dessen Combo Anfang der 1970er-Jahre hunderttausende Platten verkaufte und der von seinen Fans als "der liebe Gott" verehrt wurde. Und dass sich Renft mehr für Frauen interessierte als für Politik, konstatierte damals auch die Staatsicherheit: "Wechselnde Mädchenbekanntschaften, minimales politisches Interesse."

Kulturbürokraten wollen Renft-Songs verbieten

Renft sagte 1998: "Wir waren keine politische Band, dazu wurden wir von den Bonzen gemacht." Aber Klaus Renft war charismatisch, hatte Ideen und konnte die besten Musiker und Texter für sich gewinnen. Seine erste Band hatte Klaus Renft 1958 gegründet, die "Butlers". 1965 war sie verboten worden und Renft musste sich als Notenverkäufer in einem Leipziger Musikgeschäft durchschlagen. 1967 bekam er eine neue Lizenz und gründete die "Klaus Renft Combo". Die Combo spielte Songs von Led Zeppelin und Pink Floyd und avancierte zur populärsten Untergrund-Band der DDR. Von 1970 an produzierte Renft – nach Texten von Kurt Demmler und Gerulf Pannach - eigene und höchst erfolgreiche Songs: "Wer die Rose ehrt", "Nach der Schlacht", "Ketten werden knapper", "Die Rockballade vom kleinen Otto" … 1975 schließlich wollten sich die SED-Kulturbürokraten die Renft-Songs, in denen stets auch Tabuthemen berührt wurden, nicht mehr bieten lassen – die Combo wurde als "nicht mehr existent" eingestuft.        

Die Wiederbelebung Renft Combo

Klaus Renft, der von der DDR "die Schnauze voll hatte", durfte ein halbes Jahr später nach West-Berlin ausreisen. Fortan führte der Rocker ein bürgerliches Leben: Er arbeitete als gutbezahlter Tonmeister im Renaissance-Theater, fuhr Mercedes, residierte in einer feudalen Schöneberger Altbauwohnung und machte dreimal im Jahr Urlaub im Süden. Dennoch fühlte er sich wie  "in einem Transitraum". "Der Westen war schlimmer als die DDR", sagte er 1998. "Die war wenigstens noch ein Abenteuerspielplatz." Als die Mauer fiel, kehrte Renft in den Osten zurück und war überrascht, dass die Renft Combo noch nicht vergessen war. Er trommelte seine Jungs zusammen und schon 1990 ging die wiederbelebte Renft Combo auf erste große Ost-Tournee ... 

Klaus "Jenni" Renft starb 2006 an Lymphdrüsenkrebs.

© 2014 MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK