Die russische Flagge mit einem Fussball
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Im Glanz einstiger Erfolge: Fußball in Russland

von Denis Kliewer

Die russische Flagge mit einem Fussball
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In der Sowjetunion galt Fußball, trotz einer Erst- (1960) und mehrerer Zweitplatzierungen (1964, 1972, 1988) bei Europameisterschaften nicht gerade als das Maß aller sportlichen Dinge - das war eindeutig Eishockey. Hier konnten sowohl die Auswahlmannschaft, die Sbornaja, und mit ihr auch die Kommunistische Partei Erfolge feiern. Die stärksten Gegner waren neben Kanada und der CSSR die USA - umso wertvoller waren hier die Siege. Und da umgekehrt im Fußball die Nordamerikaner zweitklassig waren, interessierte dieser Sport international auch weniger.

Allerdings war Fußball unter der Bevölkerung durchaus beliebt und konnte gut für den "inneren Gebrauch" genutzt werden. Die Spiele boten ein Ventil für Leidenschaften und die Klubs eine gute Identifikationsfläche. Zumal fast jeder Klub einer Institution oder einem Produktionsbetrieb angegliedert war: Dynamo Moskau etwa war ein Polizeiklub, ZSKA gehörte zur Armee. Diese Klubs mussten auch nicht auf dem "Transfermarkt" um interessante Spieler buhlen, sie konnten sie einfach dienstverpflichten. Spartak Moskau dagegen war einer der wenigen "freien" Klubs, hatte auch die meisten Fans – und den leisen Ruch der Opposition.

Wildes Jahrzehnt

In den 1990er-Jahren veränderte sich alles. In Russland war gerade das wilde Jahrzehnt angebrochen, auch der Fußball musste sich nun den Gesetzen des Kapitalismus unterwerfen. In den allermeisten Fällen bedeutete das, den Gürtel enger zu schnallen. Klubs konnten teilweise keine Gehälter zahlen, von heutigen Summen waren die Spieler damals sowieso Lichtjahre entfernt. Gehälter von mehreren Tausend Dollar galten schon als riesig.

Die Mannschaft der Sowjetunion aufgenommen vor dem Spiel bei der Fußball-WM 1966
Die russische Nationalelf vor einem WM-Spiel gegen Deutschland 1966. Russland zählte damals zu den besten Teams der Welt, ihr Torhüter Lew Jaschin galt als fast unbezwingbar. Deutschland gewann dennoch - mit 2:1. Bildrechte: dpa

Auch das Niveau der Sbornaja sank. Die Sowjetunion zerbrach und mit ihr auch die sowjetische Nationalmannschaft. 1992 wurde als deren Nachfolgerin die Sbornaja der Russischen Föderation neu gegründet. Die Erfolge der 1960er-Jahre lagen weit zurück. Die Situation verbesserte sich lediglich in den 2000ern und erreichte ihren vorläufigen Höhepunkt, als Russland unter Guus Hiddink die Niederlande schlug und das Halbfinale der EM 2008 erreichte. Dort schied die Mannschaft gegen den späteren Europameister Spanien aus.

Fußball und Politik

Unter Putin wurde der Fußball für politische Ziele wiederentdeckt. Der weltweit populäre Sport ist bestens geeignet, um Imagepflege zu betreiben, auf Großereignisse wie Champions League oder internationale Turnieren blickt die Welt. 2005 übernahm die staatlich kontrollierte Gazprom die Mehrheit an Zenit St. Petersburg, dem Lieblingsklub von Putin und Medwedew; heute zählt Gazprom außerdem Schalke 04, den serbischen Rekord-Meister Roter Stern Belgrad, Chelsea London und die Champions League zu seinen Partnern.

Größter Coup Putins ist die Vergabe der WM 2018 an Russland: Im Lichte des FIFA-Korruptionsskandals gilt diese Wahl zwar als umstritten, doch es scheint höchst unwahrscheinlich, dass Russland die Ausrichtung streitig gemacht werden wird. Gerade vor diesem Hintergrund soll die russische Nationalelf glänzen und Erfolge einfahren. Nach Möglichkeit schon bei der Europameisterschaft in Franktreich, für die sich die Sbornaja allerdings nur als zweite hinter Österreich qualifizierte.

Zuletzt aktualisiert: 16. Juni 2016, 17:03 Uhr