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Russland

Geheime Verschlusssache Der tödlichste See der Welt

Auf dem Karatschai-See scheint ein Fluch zu lasten. Erst wurde an seinem Ufer eine Plutonium-Fabrik errichtet, dann gab es eine Atomexplosion. Obwohl mittlerweile mit Beton verfüllt, gilt er als tödlichster Ort der Welt.

Karatschai Luftbild
Der Karatschai-See, im südlichen Ural gelegen und knapp 130.000 Quadratmeter groß, gilt als einer der gefährlichsten Orte der Welt: Wer sich länger als eine Stunde an seinen Ufern aufhält, stirbt. Bereits fünf Minuten reichen aus, um eine lebensbedrohliche Strahlendosis abzubekommen. Bildrechte: BING Maps
Karatschai Luftbild
Der Karatschai-See, im südlichen Ural gelegen und knapp 130.000 Quadratmeter groß, gilt als einer der gefährlichsten Orte der Welt: Wer sich länger als eine Stunde an seinen Ufern aufhält, stirbt. Bereits fünf Minuten reichen aus, um eine lebensbedrohliche Strahlendosis abzubekommen. Bildrechte: BING Maps
Radioaktiv verstrahlter Karatschai-See in Russland
Auf dem Karatschai-See scheint ein gewaltiger Fluch zu lasten: 1948 wurde an seinem Ufer eine Fabrik errichtet, die Plutonium für die sowjetische Atombombe herstellen sollte. Die hochradioaktiven Abfälle wurden einfach in den vor den Toren der Fabrik gelegenen See geleitet. Bildrechte: IMAGO
Tetscha-Fluss
Von dort flossen sie weiter in die Flüsse der Umgebung, etwa in den Tetscha-Fluss. Die Bauern tranken das Wasser des Flusses und fingen Fische. Bald erkrankten sie an für sie rätselhaften Krankheiten: Ihr Blut wechselte die Farbe und wurde weiß, es wuchsen Geschwüre in ihrem Körper und die Kinder kamen zuweilen mit zwei Köpfen oder ohne Gliedmaßen zur Welt. Viele Menschen starben. Bildrechte: dpa
Eine verfallene Haltestelle.
Die Plutonium-Produktion in der Fabrik "Majak" war streng geheim. Der gesamte Ort Osjorsk trug einen Tarnnamen (Tscheljabinsk-40) und war auf keiner Landkarte zu finden. In der geheimen Stadt am Ufer des Karatschai-Sees lebten und arbeiteten an die 20.000 Menschen. Heute ist die Stadt nicht mehr geheim, für Ausländer aber immer noch gesperrt. Bildrechte: dpa
Gedenken an die Opfer des Kyshtym Unglücks im ehemaligen Kernreaktor der Chemiefabrik Majak.
Am 29. September 1957 ereignete sich in dieser Fabrik ein fürchterliches Unglück: Ein Stahltank, voll befüllt mit 80 Tonnen einer hoch radioaktiven Flüssigkeit, explodierte. (Auf dem Bild: Gedenkveranstaltung am Ort des Unglücks in der Fabrik "Majak".) Bildrechte: IMAGO
Warnhinweis vor Radioaktivität in Muslumovo
Die Detonation war noch in mehreren Hundert Kilometern sichtbar gewesen - der Himmel leuchtete bläulich. In sowjetischen Zeitungen stand später, es habe sich um Polarlichter und Wetterleuchten gehandelt. Der wahre Ursache wurde geheim gehalten. Im Westen erfuhr man nichts von der Katastrophe, bei der mehr Radioaktivität freisesetzt worden war als bei der Reaktorkatastrophe in Tschernobyl dreißig Jahre später. Ein Südwestwind trieb die Strahlung vom Westen weg. Der radioaktive Niederschlag verblieb im Ural, an der Tetscha und dem Karatschai-See. (Im Bild: Ein steinernes Dreieck, dass vor der Radioaktivität rund um den Karatschai-See warnt.) Bildrechte: dpa
Verfallene Häuser im Dorf Mitlino
Eine Woche nach der Katastrophe wurden etwa 1.000 Menschen evakuiert, die 25 Kilometer von der Unglücksstelle entfernt wohnten. In den folgenden Jahren mussten weitere 10.000 Menschen ihre Dörfer verlassen. Die Häuser wurden anschließend zerstört, um die Menschen von einer späteren Rückkehr abzuhalten. Nur die Gotteshäuser ließ man stehen. Bildrechte: dpa
Der Friedhof von Muslumovo
Zehn Jahre später wurde der Karatschai-See Ausgangspunkt für eine nächste Tragödie. Der See trocknete in diesem besonders heißen Sommer fast bis auf den Grund aus. Heiße Sommerwinde wirbelten den freigelegten radioaktiven Staub auf und trugen ihn quer durch den Ural. Bildrechte: dpa
Eine Frau hängt vor einem Haus Wäsche auf eine Leine.
Mehr als eine halbe Million Menschen wurden einer Radioaktivität ausgesetzt, die so hoch gewesen sein soll, wie die nach dem Atombombenabwurf in Hiroshima. Natürlich erfuhren sie nichts davon. Noch heute leben die Menschen in dieser radioaktiv verseuchten Gegend. Bildrechte: dpa
Kyschtyn Denkmal
Die Explosion in Tscheljabinks-40 war in der UdSSR mehr als 30 Jahre lang ein streng gehütetes Staatsgeheimnis. Erst 1990 erfuhr die Öffentlichkeit von dem Unfall in der Plutoniumfabrik "Majak". Wie viele Menschen bei der Explosion selbst und an den Spätfolgen starben, ist nicht bekannt und wird wohl nie mehr herauszufinden sein. Bildrechte: IMAGO
Ein Mann steht neben einem LKW auf dem Radioaktiv verstrahlten Karatschai-See in Russland.
Der Karatschai-See, der sich nach und nach wieder mit Wasser füllte, galt als der gefährlichste Ort der Welt. In den 1990er-Jahren wurde damit begonnen, den See mit einer meterdicken Betonschicht zu verschließen. Bildrechte: IMAGO
Ein Mann mit Mundschutz
Die Arbeiter trugen Schutzkleidung und durften nur jeweils kurze Zeit am See arbeiten. Die Strahlung - absolut tödlich. Bildrechte: IMAGO
Männer im Inneren eines gepanzerten LKW fahren über den radioaktiv verstrahlten Karatschai-See in Russland.
An den Kabinen der LKW waren Bleiplatten befestigt worden, die die Fahrer vor der tödlichen Strahlung schützen sollten. Bildrechte: IMAGO
Der radioaktiv verstrahlte Karatschai-See in Russland
Mittlerweile bröckelt die Betondecke und Wasser tritt hervor. Wissenschaftler befürchten, dass die Radioaktivität des Karatschai-Sees über das Grundwasser ins arktische Meer gelangen könnte. Bislang gibt es dazu aber keine Erkenntnisse. Die Radioaktivität im See wird jedenfalls noch einige Tausend Jahre anhalten. Und der See auch weiterhin als das tödlichste Gewässer der Welt gelten... Bildrechte: IMAGO
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Polen

Osteuropa

Antideutsche Titelblätter haben in Polen Tradition

Polnische Medien sind nicht gerade zimperlich, wenn es um schockierende Vergleiche mit der Nazi-Zeit geht. Immer wieder werden deutsche und einheimische Politiker so in Misskredit gebracht - zuletzt Donald Tusk.

Cover eines polnischen Magazins mit verschiedenen Politikern, einige in Wehrmachtsuniform.
Als Donald Tusk gegen den erbitterten Widerstand der polnischen Regierung erneut zum EU-Kommissionspräsidenten gewählt wurde, wurde die Niederlage der PiS-Regierung prompt zu einem Erfolg umgedeutet - Tusk habe nur deshalb gewonnen, weil er ein Kandidat von Angela Merkel war, und Polen habe als einziges EU-Land den Mumm gehabt, sich dem deutschen Diktat zu widersetzen. Regierungsnahe Medien starteten eine Kampagne, die Tusk als deutsche Marionette in Misskredit bringen soll. Die rechtskonservative "Gazeta Polska" zeigt Tusk in einer Wehrmachtsuniform vor einer Straßenbahn "Nur für Deutsche". Solche Straßenbahnen verkehrten während der deutschen Besatzung in Warschau. Bildrechte: IMAGO
Cover eines polnischen Magazins mit verschiedenen Politikern, einige in Wehrmachtsuniform.
Als Donald Tusk gegen den erbitterten Widerstand der polnischen Regierung erneut zum EU-Kommissionspräsidenten gewählt wurde, wurde die Niederlage der PiS-Regierung prompt zu einem Erfolg umgedeutet - Tusk habe nur deshalb gewonnen, weil er ein Kandidat von Angela Merkel war, und Polen habe als einziges EU-Land den Mumm gehabt, sich dem deutschen Diktat zu widersetzen. Regierungsnahe Medien starteten eine Kampagne, die Tusk als deutsche Marionette in Misskredit bringen soll. Die rechtskonservative "Gazeta Polska" zeigt Tusk in einer Wehrmachtsuniform vor einer Straßenbahn "Nur für Deutsche". Solche Straßenbahnen verkehrten während der deutschen Besatzung in Warschau. Bildrechte: IMAGO
Titelseite Polnische Tageszeitung
"Die Deutschen greifen wieder an", titelte eine Tageszeitung aus dem gleichen Verlag im Januar 2016. Auf dem dazugehörigen Bild sehen wir Angela Merkel, Martin Schulz und Günther Oettinger, wie sie in Wehrmachtsuniformen einen Schlagbaum an der polnischen Grenze zu Fall bringen. Mit dieser Fotomontage verwahrte sich die "Gazeta Polska Codziennie" gegen deutsche Kritik an der PiS-Regierung. Oettinger hatte damals ein Rechtsstaatlichkeitsverfahren der EU-Kommussion gegen Polen ins Gespräch gebracht, das wenig später tatsächlich eingeleitet wurde. Schulz hatte von einem Staatsstreich der PiS-Partei in Polen gesprochen. Als Vorlage der Fotomontage dienten deutsche Propagandaaufnahmen vom September 1939, die deutsche Soldaten beim Passieren eines Grenzübergangs zeigen. Bildrechte: Gazeta Polska Codziennie
Mann in SS Uniform auf Titelblatt eines polnischen Magazines.
Auch missliebige Landsleute wurden von der nationalkonservativen Presse mit Hilfe von Nazi-Requisiten in Misskredit gebracht. Im Oktober 2013 wurde der Journalist Tomasz Lis mit dem Reichspropagandaminister Joseph Goebbels verglichen. Eine Mütze mit dem Totenkopf der SS durfte natürlich nicht fehlen. Lis ist einer der bekanntesten polnischen Journalisten. Wegen seiner vehementen Kritik an der PiS-Partei ist er deren Anhängern seit längerem verhasst. Lis hat gegen das Blatt wegen Ehrverletzung geklagt und bekam Recht. Bildrechte: IMAGO
Bundeskanzlerin Angela Merkel (GER/CDU) nährt Präsident Lech Kaczynski (POL) und Ministerpräsident Jaroslaw Kaczynski (POL) als - Stiefmutter Europa - an ihrem Busen
Und auch als die PiS-Partei in den Jahren 2005-2007 zum ersten Mal das Land regierte, wurden deutsche Ressentiments bedient. Aus dieser Zeit stammt die Titelseite der polnischen Illustrierten "Wprost", die Angela Merkel als barbusige "Stiefmutter Europas" mit den Brüdern Kaczyński als Säuglingen zeigt. Damals stritt Premierminister Kaczyński erbittert um eine vorteilhaftere Stimmgewichtung in der EU, wollte mehr Einfluss, als Polen eigentlich nach Einwohnerzahl zustand. Und weil die Deutschen nicht einfach so einknicken wollten, warf das Blatt ihnen "postkoloniales Gehabe" vor. Die deutsche Öffentlichkeit war empört. Die Kanzlerin selbst schwieg. Bildrechte: IMAGO
Das Titelbild des polnischen Magazins "Wprost" zeigt eine Fotomontage des damaligen Bundeskanzlers Gerhard Schröder auf Knien, und auf seinem Rücken sitzend in NS-Uniform die Präsidentin des Bundes der Vertriebenen, Erika Steinbach(Archivfoto vom 18.09.2003).
Auch die in Deutschland verhältnismäßig unbekannte Bundestagsabgeordnete Erika Steinbach hat es auf ein polnisches Titelblatt geschafft. Die damalige Chefin des Bundes der Vertriebenen trägt, wie könnte es anders sein, eine SS-Uniform und reitet auf dem Rücken des damaligen Bundeskanzlers Gerhard Schröder in Polen ein. "Deutschlands trojanisches Pferd" lesen wir dazu in großen Lettern. 2003 gingen polnische Journalisten gegen ein geplantes "Zentrum gegen Vertreibungen" auf die Barrikaden. Viele Polen hatten damals befürchtet, dass es das Thema zu einseitig darstellen wird. Das Zentrum ist übrigens bis heute nicht entstanden. Bildrechte: dpa
Im August 2016 sorgte das gleiche Blatt mit einem Foto für Aufsehen, das jüdische Kinder hinter Stacheldraht im Konzentrationslager Auschwitz zeigt. Es ging jedoch nicht um ein historisches Thema, sondern um eine umstrittene Entscheidung eines deutschen Jugendamtes. Die deutschen Beamten hatten einer Polin, die in Baden-Württemberg lebte, drei Tage nach der Geburt ihr Töchterchen weggenommen - weil die Mutter angeblich nicht in der Lage war, das Kind großzuziehen. Diese Entscheidung hatte in Polen für Empörung gesorgt. Aber nur die rechtsnationale "Gazeta Polska Codziennie" kam auf die Idee, ihren Bericht in Verbindung mit Nazi-Verbrechen zu bringen. Das Foto wurde im Januar 1945 von Rotarmisten bei der Befreiung von Auschwitz gemacht und zeigt jüdische Überlebende. Bildrechte: Gazeta Polska Codziennie
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Russland

Ein weißer Lada Kombi
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Eine Frau
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Web-Clips

Junge Menschen sitzen in einem neuen Büro und arbeiten an Computern
Bildrechte: Vilnius Tech Park
Model präsentiert islamische Mode von Aishat Kadyrow
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Soldaten
Bildrechte: MDR/Katrin Materna
Russische Revolution - Lenin
Bildrechte: dpa
Junge Menschen sitzen in einem neuen Büro und arbeiten an Computern
Bildrechte: Vilnius Tech Park
Model präsentiert islamische Mode von Aishat Kadyrow
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Soldaten
Bildrechte: MDR/Katrin Materna
Russische Revolution - Lenin
Bildrechte: dpa