Eisverpackungen
Bildrechte: Volker Queck/MDR

Russisches Eis - cremig und kultig

Vor allem wer in der DDR gelebt hat, kennt es noch: Moskauer Eis. Herrlich cremig mit einem Fettgehalt jenseits von Gut und Böse. Auch heute findet man es hierzulande noch. Allerdings oft deutlich fettreduziert. In Russland ist einheimisches Eis ohnehin ein Nationalgericht mit Kultcharakter.

Eisverpackungen
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Eis, genauer Speiseeis, rangiert bei den Russen unter den beliebtesten Dingen, die sich verzehren lassen, ganz weit oben. Ob das damit zu tun hat, dass es in dem riesigen Lande an vielen Orten so viele Tage im Jahr so furchtbar kalt ist, wie hin und wieder in Artikeln und Reportagen über Russland behauptet wird, wer weiß ...?

Herrlich cremig mit Suchtpotential

Fest steht, russisches Eis hat Suchtpotenzial und findet seine "Opfer" bei Weitem nicht nur in Russland. Vor allem, wer in der DDR gelebt hat, weiß, wovon hier die Rede ist, auch wenn das Eis aus sowjetischer Produktion nicht immer in den Kühltruhen von Kosum und HO lagen. Verehrt und geliebt wird die russischen Eiscreme offenbar sogar im Reich der Mitte. Russlands Präsident Putin, so heißt es, habe dem chinesischen Staatsoberhaupt Xi Jinping auf dem G-20-Gipfel 2016 ein Eispräsent überreicht und damit höchste Glücksgefühle beim Gastgeber ausgelöst.

Osteuropa

Junge blonde Frau mit einem Eis
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"Opium fürs Volk": Eiscreme mit Reinheitsgebot

Eiscreme wurde in der Sowjetunion ab 1938 in Massenproduktion hergestellt. Ob es das Volk in der Zeit des "Großen Terrors" ruhig stellen sollte, soll an dieser Stelle unbeantwortet bleiben. Angesichts der großen Armut im Lande brachte das leckere Speiseeis ganz sicher einen Hauch von Luxus in den Alltag der Menschen. Wie es heißt, wurde sowjetische Eiscreme nach strengen Standards hergestellt. Konservierungsstoffe waren angeblich Tabu . Eine Prüfstelle überwachte die Einhaltung des "Reinheitsgebotes".

Zurück in die Vergangenheit

Nach dem Ende der UdSSR kamen neue Eissorten in den Handel. Doch schon bald wollten die Russen ihr sowjetisches Eis zurück. Das Retro-Eis ist bis heute ein Verkaufsschlager. Auch bei jungen Russen. In Deutschland sieht es dagegen ganz anders aus. Eine Umfrage unserer Redaktion in Leipzig offenbarte: Viele junge Menschen haben keine Ahnung, was sich hinter "Moskauer Eis" verbirgt. Ob sie ahnen, was ihnen entgeht ...?

Osteuropa

Speiseeis aus Russland

Eisverpackungen
Russisches Eis – auch hierzulande beliebt. Doch kein Vergleich zu seinem Status in Russland. Dort gilt es als Nationalspeise. Bildrechte: Volker Queck/MDR
Eisverpackungen
Russisches Eis – auch hierzulande beliebt. Doch kein Vergleich zu seinem Status in Russland. Dort gilt es als Nationalspeise. Bildrechte: Volker Queck/MDR
Menschen kaufen Eis.
Seinen Siegeszug trat das Eis in der Sowjetunion 1938 an – damals sorgte Anastas Mikojan, Minister für Lebensmittelindustrie dafür, dass Eis in Massenproduktion hergestellt wurde. Typisch waren die Frauen in hygienisch weißen Kitteln, die Eis aus kleinen Wägelchen auf der Straße verkauften. Bildrechte: DRA
Ein Junge und eine junge Frau mit Eis in der Hand.
Angeblich wurde das sowjetische Eis ohne Konservierungsstoffe und chemische Zusätze, nur aus natürlichen Zutaten hergestellt. Über die Zusammensetzung wachte die zentrale Prüfstelle der Sowjetunion, die GOST. Es gab nur wenige Sorten – eine davon war das "Eskimo"- Eis – in der Regel Vanilleeis mit Schokoladenhülle am Stiel. Bildrechte: DRA
Werbeplakat für Plombir-Eis
Sehr beliebt war auch die Sorte Plombir – ein sehr fettreiches Eis, es musste zwischen 12 und 20 Prozent Fettanteil und mindestens 14 Prozent Zucker enthalten. Das Wort Plombir ist französischen Ursprungs. Das Glace plombière aus Eiern, crème fraîche, Vanille und kandierten Früchten wurde dort zu Napoleons Zeiten entwickelt. Bildrechte: imago/ITAR-TASS
Nixon-Gattin isst Plombir
Das Eis Plombir gab es oft als sogenannte "Stakanschiki", meist Vanille- oder Schokoeis in einem Waffelbecher. Auch die Gattin des amerikanischen Präsidenten Nixon bekam sie serviert, als das amerikanische Präsidentenpaar zu einem Staatsbesuch 1972 in Moskau weilte. Bildrechte: IMAGO
Im GUM in Moskau, um 1969
Manche Eissorten gab es nur in Moskau wie die Sorte "Lakomka" (Leckermaul) – eine Rolle aus Schokoladencreme und Vanilleeis. Das Moskauer Kaufhaus GUM war im ganzen Land für sein besonders gutes Eis bekannt. Bildrechte: IMAGO
Frauen in Eisfabrik
Nach der Wende kamen westliche Konkurrenzprodukte auf den russischen Markt, aber die Russen blieben ihrem Eis treu. Die russische Eisproduktion konnte sich halten, Stakanschiki werden weiter produziert, wie hier in einer Eisfabrik in Moskau. Bildrechte: imago stock&people
Nackte Männer mit Eis
Übrigens eine weitere nationale Besonderheit: Damals wie heute wird in Russland nicht nur im Sommer, sondern auch im Winter bei Schneegestöber und Minusgraden draußen Eis gegessen. Bildrechte: dpa
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Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im Radio: MDR | 14.01.2016 | 11:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 19. Juni 2017, 16:03 Uhr