Programm

MDR 1 RADIO SACHSEN | 15.04.2014 | 10:17 Uhr : Expertenrat: Mütterrente und abschlagsfreie Rente

Studiogast: Christian Lindner, unabhängiger Rentenberater

Die große Koalition in Berlin hat sich festgelegt: Die Mütterrente und die abschlagsfreie Rente mit 63 kommen. Unser Expertenrat beschäftigt sich mit den vielen offenen Fragen, die diese Reform der gesetzlichen Rente mit sich bringt.

Rentenbescheid

Die CDU/SPD-Koalition in Berlin hat sich festgelegt: Frauen, deren Kinder vor 1992 zur Welt kamen, sollen Kindererziehungszeiten besser honoriert bekommen: Sie erhalten im Westen brutto 28,14 Euro monatlich mehr pro Kind, im Osten 25,74 Euro und damit doppelt so viel wie bisher. Begünstigt werden damit jetzt etwa 9,5 Millionen Rentnerinnen. Auch Väter bekommen die Mütterrente: Bei rund 150.000 Männern wurden 2012 bei der Rente auch Leistungen für die Kindererziehung berücksichtigt. Die Mütterrente soll zum 1. Juli eingeführt werden und automatisch ausgezahlt werden, muss also nicht beantragt werden. Die Auszahlung könnte sich aus technischen Gründen jedoch verzögern, dann wird aber rückwirkend gezahlt.

Abschlagfreie Rente mit 63

Wer mindestens 45 Jahre in die Rentenversicherung eingezahlt hat, soll schon mit 63 Jahren ohne Abschlag in Rente gehen können. Begünstigt sind Angehörige der Geburtsjahrgänge bis 1952. Für danach Geborene mit langen Beitragszeiten erhöht sich das abschlagfreie Renten-Zugangsalter stufenweise auf 65 Jahre. Ab dem Geburtsjahrgang 1963 gilt dann nur noch diese Marke. Phasen kurzzeitiger Arbeitslosigkeit werden mit angerechnet, ebenso Zeiten der Kindererziehung, der Pflege von Familienangehörigen oder Zeiten mit Bezug von Insolvenzgeld. Für Langzeitarbeitslose, die Arbeitslosenhilfe oder Hartz IV bekommen haben, gilt das nicht.

Kritik und offene Fragen

Kritik und offene Fragen gibt es sowohl zur Mütterrente, als auch zur abschlagsfreien Rente mit 63. So wird kritisiert, dass die Mütterrente wenig im Kampf gegen Altersarmut hilft: Der Aufschlag wird pauschal gezahlt – also auch an die Zahnarztgattin, die darauf eher nicht angewiesen ist. Mütter mit Kleinstrenten bekommen nichts, bei ihnen wird die Mütterrente mit dem Aufstockungsbetrag verrechnet.

Bei der abschlagsfreien Rente sind viele Arbeitnehmer von den Verbesserungen ausgeschlossen. Die Rente ab 63 Jahren begünstigt vor allem männliche Facharbeiter - aber nur jene, die vor 1963 geboren wurden. Sie werden von der stufenweisen Heraufsetzung des Renteneintrittsalters auf 67 Jahre ausgenommen. Die Deutsche Rentenversicherung erwartet zudem viele technische Probleme bei der Umsetzung der Reform.

Wenn Sie Fragen zur gesetzlichen Rentenversicherung und zu den aktuellen Reformen haben, dann stellen Sie diese während der Sendung unter der Nummer 0800 - 637 72 72 oder nutzen Sie unser Mailformular.


Expertenrat: Rückblick auf vergangene Sendungen

Stellen Sie Ihre Fragen und rufen Sie uns an!

Telefon: 0800 - 637 72 72
(kostenfrei aus dem Festnetz der Deutschen Telekom, Mobilfunk max. 42 Cent pro Minute)

© 2014 MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK