Verkündigungssendung Das Wort zum Tag

Täglich hören Sie das Wort zum Tag. Montags bis freitags gegen 5:45 Uhr und 8:50 Uhr, am Sonnabend gegen 8:50 Uhr, sonntags 7:45 Uhr. Das Wort zum Tag spricht in dieser Woche Pfarrer Andreas Martin.

Sonntag, 26.02.2017: Die Macht der Worte

Ich muss zugeben: Ich bin nicht der geborene Handwerker. Schon oft habe ich meine fehlende Begabung unter Beweis gestellt. Löcher, die ich in die Wand bohre, fallen leider fast immer größer aus, als sie sollen. Besonders die Arbeit mit Kleinteilen, die viel Geschick, Ruhe und Geduld erfordern, treibt mich immer wieder in den Wahnsinn. Wenn die Dinge dann nicht so hinhauen, wie ich mir das gedacht habe, werde ich ungehalten und würde am liebsten alles hinschmeißen. Schon oft habe ich Arbeiten nicht zu Ende geführt, weil ich frustriert war. In solchen Situationen ärgere ich mich über mich selbst. Ich stoße an meine Grenzen. Immer wieder habe ich in meiner Ungeduld wütend über mich selbst ausgesprochen: „Du bist einfach zu dumm!“ „Du kannst das halt nicht.“

Aber stimmt das denn? Mir ist aufgefallen, dass ich mit diesen Aussagen Dinge in mein Leben hineingesprochen habe, die mich festlegen. Ich habe mir letztlich selbst geglaubt. Das hat mich davon abgehalten, Neues zu lernen und zu entdecken, dass ich eigentlich doch nicht so dumm bin, wie ich dachte.

Dass mehr in mir steckt, habe ich im letzten Jahr entdeckt. Nachdem ich mir immer wieder selbst eingeredet hatte, dass ich keine handwerklichen Fähigkeiten habe, kam dann der Moment, als unsere Waschmaschine den Geist aufgab. Für eine neue wollte ich kein Geld ausgeben. So wagte ich das Abenteuer und machte mich daran, die Maschine selbst zu reparieren. Mit telefonischer Unterstützung durch meinen Vater legte ich los. Es war herausfordernd, aber am Ende hatte ich ein Erfolgserlebnis. Die Maschine lief wieder. Ich war so stolz auf mich selbst. Ich habe mir selbst bewiesen, dass die Worte, die ich immer wieder über mich ausgesprochen hatte, eben nicht das letzte Wort hatten. Ich konnte über mich hinauswachsen und einen Erfolg feiern, den ich vorher nicht für möglich gehalten hatte.

Diese Erfahrung hat mich beflügelt; so sehr, dass ich in der Folge mutiger wurde. Mittlerweile habe ich mich sogar an die Reparatur meines Smartphones gewagt. Das wurde nur möglich, weil ich es nicht zulassen wollte, dass mich meine Aussage „Ich bin einfach zu blöd dafür.“ einengt und bestimmt.

Worte haben Macht. Deshalb ist es so wichtig, wie wir mit ihnen umgehen. Vielleicht haben Sie selbst auch schon Aussprüche gebraucht, wie „Ich habe immer nur Pech.“ oder “Ich werde niemals glücklich sein.“ Viel zu leichtfertig werden solche Worte ausgesprochen. Über uns oder von uns.

Die bekannte Redewendung: „Man erntet, was man sät.“ trifft auch auf unsere Worte zu. Was wir sagen, beeinflusst nicht nur andere, sondern auch uns selbst. Wenn wir gute Worte mit Bedacht wählen, sind sie etwas Wunderbares. Sie können denjenigen, der sie hört, ermutigen und verändern oder ihm auch Zuversicht geben. Ein rechtes Wort zur rechten Zeit kann lebensverändernd sein.

Wir können unsere Freude buchstäblich vergrößern, wenn wir Gutes aussprechen. Wir können uns aber auch selbst entmutigen, indem wir ständig über Probleme reden. Worte können trösten oder tief verletzen, manche hängen einem tage- oder gar jahrelang nach. Es gibt Menschen, die über Jahrzehnte die Worte, die über sie ausgesprochen wurden, nicht vergessen können. Mir hat einmal eine Person berichtet, wie sie ein verletzendes Wort über dreißig Jahre nicht vergessen konnte, das jemand in ihr Leben gesprochen hatte. Das Dramatische dabei: Während sie regelrecht gefangen war von diesen Worten, konnte sich die schuldige Person kaum noch an die Worte erinnern.

Worte haben eine offensichtliche Wirkung. Worte prägen unser Denken und Handeln. Wer also unachtsam mit seinen Worten[1] umgeht, schadet nicht nur anderen, sondern letztlich auch sich selbst, denn wertvolle Beziehungen können dadurch gefährdet werden.

Der Apostel Paulus hat bereits um diese Zusammenhänge gewusst. In einem seiner Briefe fordert er seine Leser deshalb auf: „Segnet und flucht nicht!“ Segnen bedeutet hier nichts anderes als Gutes aussprechen. Diesen Rat zu beherzigen kann unser Leben positiv beeinflussen.

Vor einiger Zeit begegnete ich in der Straßenbahn einer Frau, die in einer Lautstärke telefonierte, die nicht zu überhören war. Ich muss zugeben, ich fühlte mich durch das Telefonat belästigt. Nicht nur die Lautstärke, sondern auch ihre Ausdrucksweise war unerträglich. Die Frau feuerte eine ganze Salve von Schimpfwörtern ab. Zu Beginn war es für uns übrige Fahrgäste noch amüsant, doch nach einer Weile schien sich der Wagen förmlich mit den Schimpfwörtern zu füllen. Die Atmosphäre wurde immer unerträglicher. Ich wünschte mir nur noch, dass das Telefonat endlich zu Ende geht. Doch das tat es nicht. Es war die Hölle. Als wir uns endlich der Station näherten, an der ich aussteigen musste, war ich froh, die Bahn zu verlassen. So konnte ich die dicke Luft hinter mir lassen und durchatmen.

Im Juni 2016 veröffentlichte der Bayrische Lehrer- und Lehrerinnen-Verband ein Manifest, in dem sie[2] auf den Umgang mit Worten aufmerksam macht. „Wir Lehrerinnen und Lehrer und viele Pädagogen“, so heißt es dort, „beobachten mit größter Sorge, wie sich die Stimmung, die Kommunikation in den sozialen Netzwerken und die alltäglichen Umgangsformen in unserer Gesellschaft verändern. Wir erleben eine Aggressivität, eine Sprache des Hasses, der Geringschätzung und Diskriminierung, persönliche Beleidigungen, bewusste Kränkungen und Ausgrenzungen in Wort und Handeln.“

Leider trifft diese Einschätzung wohl zu. In der Anonymität des Internets haben Menschen wohl[3] keine Hemmungen, Worte auszusprechen, die man in einem persönlichen Gespräch nur zögerlich verwenden würde. So hat sich die „schwarze Rhetorik“, wie Prof. Emmer von der TU Berlin es nennt, seid Aristoteles nicht geändert. Die sozialen Medien haben diesen Worten nur ein größeres Publikum gegeben.

Kann man der Verrohung der Sprache entgegentreten? Politische Appelle allein scheinen an dieser Stelle keine große Durchschlagskraft zu besitzen. Könnte es sein, dass eine Veränderung bei uns persönlich beginnen muss?

Jesus Christus analysiert die Spannung, die wir mit unseren Worten hervorbringen, sehr treffend. Er stellt fest: „Wie der Mensch in seinem Herzen denkt, so redet er.“ Jesus weist darauf hin, dass das Problem viel tiefer liegt. Die Worte, die wir sprechen sind Ausdruck unseres Herzens. Die eigentliche Herausforderung liegt also in uns selbst. „Wie solltet ihr auch Gutes reden können, wo ihr doch böse seid?“, so formuliert es Jesus weiter. Zugegeben, das klingt sehr herausfordernd. Wir kann Jesus uns als böse bezeichnen? Werden wir da nicht alle als Verbrecher abgestempelt?

Doch Jesus will damit sagen, dass unsere Herzen in einem schlechten Zustand sind. Wir wurden beraubt. Wir haben Vertrauen verloren, weil wir von Menschen enttäuscht wurden. Wir haben Freude verloren, weil die Umstände in unserem Leben nicht so sind, wie wir es uns immer gewünscht haben. Wir haben uns schuldig gemacht, weil wir andere mit unseren Worten verletzen. Wir haben Hoffnung verloren, weil wir zu viele Niederlagen erlebt haben.

Wissenschaftler haben herausgefunden, dass die Art, wie wir auf eine gegebene Situation reagieren, die neuronale Struktur unseres Gehirns verändert. Wer ständig nörgelt und jammert, sorgt dafür, dass er in Zukunft noch mehr Schwierigkeiten erlebt. Jedes Mal, wenn wir mit negativen Gefühlen auf eine Situation reagieren, trainieren wir unsere Wahrnehmung dazu, Situationen in Zukunft noch stärker als stress- oder angstbelastet zu erleben und weniger Glück zu empfinden.

Unser Denken wird also von unseren Erfahrungen geprägt, und unsere Worte spiegeln wieder, in welchem Zustand unser Innerstes ist. Jesus Christus bietet uns deshalb nicht nur eine Diagnose, sondern auch Hilfe an. „Gib mir dein Herz“, so lautet sein Angebot. Er will uns das Vertrauen, die Freude und die Hoffnung, die uns geraubt wurde, wiedergeben. Er spricht uns Vergebung zu, wo wir schuldig geworden sind.

„Ein Wort gleicht der Biene. Es hat Honig und Stachel.“ Diese Worte aus dem Talmud beschreiben, welche Macht in unseren Worten liegt. Wir können Menschen ermutigen und aufrichten. Wir können mit ihnen aber auch zerstören und viel Schaden anrichten.

Der weise Salomo drückte es so aus: „Tod und Leben stehen in der Gewalt der Zunge; wer sie liebt, wird von ihrer Frucht essen.“ Wenn wir begreifen, welche Macht in unseren Worten steckt, und wenn wir mit Gottes Hilfe anfangen, selbst darüber zu bestimmen, was wir denken und sagen, dann kann unser Leben verändert werden.

„Du wirst es nicht glauben“- Mit diesen Worten kam eine Frau auf mich zu. Sie ist eine regelmäßige Besucherin unserer Gottesdienste. Lange hat sie für ihren Mann gebetet, der vom Glauben eigentlich nichts wissen wollte. Oft war es schwer für sie. Ihr Mann war ein sehr hitziger Typ, der viel und oft über alle möglichen Dinge schimpfte. Umso mehr er sich aufregte, desto mehr betete sie. Dann geschah das Unglaubliche. Ihr Mann kam mit in den Gottesdienst. Er hörte zu. Etwas begann in ihm zu arbeiten, und er öffnete sich. „Mein Mann hat sich verändert. Er schimpft nicht mehr so, wie er es sonst getan hat.“ So berichtete sie mir und war glücklich dabei. Das war nicht nur ein Segen für die Frau, sondern für die ganze Familie. Mit Jesus ist Frieden in diesen Mann eingezogen. Dieser Friede hat nicht nur sein Inneres berührt, sondern auch seine Art zu sprechen verändert. „Wenn jemand an mich glaubt, werden aus seinem Inneren, Ströme von lebendigem Wasser fließen.“ Mit diesen Worten beschreibt Jesus selbst, was diese Familie erlebt hat. Von diesem Mann ging nun etwas aus, dass so viel angenehmer war als all das Gemecker.

Wir haben es also in der Hand. Wir können uns Jesus Christus zuwenden. Wir können uns heute entscheiden, unsere Worte mit Bedacht zu wählen, bewusst Gutes über Menschen auszusprechen. Meine Entscheidung keine negativen Worte über mein Leben zu stellen, haben mich weitergebracht, mein Leben bereichert und mir Mut verliehen. Solch eine Veränderung von innen heraus, ist auch für sie, liebe Hörerinnen und Hörer, erfahrbar.

[1] Auch wenn es in Deinem Beitrag um “Worte“ geht, ist hier eine Worthäufung, die ich durch Synonyme o.ä. auflockern würde. Z.B. hier: „Während sie regelrecht gefangen war von diesen Worten, konnte sich die schuldige Person kaum noch an diese erinnern.“ Oder hier: „Worte haben eine offensichtliche Wirkung. Sie prägen unser …“ Mit diesen beiden kleinen Änderungen, die nichts vom Inhalt schmälern oder unklar machen, hättest Du den Text erheblich schöner gemacht.

[2] Muss „er“ heißen, der Lehrer- und Lehrerinnen-Verband.

[3] Das zweite „wohl“ würde ich durch z.B. „scheinbar“ oder „offensichtlich“ ersetzen.

Kurzbiografie Pfarrer Dr. Andreas Martin

Pfarrer Dr. Andreas Martin

geboren am 2. Juli 1957 in Greiz | erlernter Beruf: Bautischler | Studium "Mathematische Methoden und Datenverarbeitung in der Wirtschaft" | 1985 Abschluss als Diplomwirtschafter | 1998 Magisterstudium "Katholische und evangelische Theologie und Philosophie | von 2004-2006 Mitarbeiter im "St. Benno Verlag" | parallel Dissertation an der TU Dresden, Religionsphilosophie | ab Oktober 2006 Diplomstudien-Tagung Katholische Theologie und Dissertation im Fach Theologie an der Universität Erfurt | 2009 Diakonweihe und Dienst in Radebeul | 2010 Promotion zum Dr. theol. | seit 3. Juni 2010 Pfarrer in Altenburg/Thüringen

Verantwortlich für Verkündigungssendungen im öffentlich-rechtlichen Rundfunk wie das Wort zum Tag ...

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... sind die Senderbeauftragten der evangelischen Landeskirchen, der evangelischen Freikirchen bzw. der römisch-katholischen Kirche.