Connected Cars Wenn das Auto zum Roboter wird

Stellen Sie sich vor, Sie rufen per Handy Ihr Fahrzeug, es rollt vor, Sie steigen ein und das Auto fährt los - völlig autonom, ohne Fahrer. Klingt wie Science Fiction? Ist es aber nicht. Industrie und Wissenschaft bewegen sich mit großen Schritten in diese Richtung. Bereits heute können Fahrzeuge allein die Spur oder den Mindestabstand zum Vordermann halten mit Hilfe von Fahrassistenzsystemen. Experten in Dresden und Chemnitz arbeiten mit Hochdruck am völlig autonomen Fahren.

Fahrassistenzsystem eines Autos
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die Hände vom Lenkrad nehmen und sich entspannt im Sitz zurücklehnen. In wenigen Jahren soll das Realität sein. Noch aber muss der Fahrer jederzeit die Kontrolle über den Wagen wieder übernehmen können. Experten sprechen von teilautomatisiertem Fahren, nur eine Etappe auf dem Weg zum autonomen oder auch fahrerlosen PKW. Udo Wehner vom Chemnitzer Autotechnikentwickler IAV ist überzeugt: "Es wird verschiedene Anwendungsfälle geben wie Flughafen- und Hotelzubringer, Shuttle auf Messegeländen oder ähnliche Fahrzeuge. Diese wird es auch in naher Zukunft schon autonom geben."

Was ist was auf dem Weg zum autonomen Fahren?

  • Assistiertes Fahren:
  • Hände sind am Lenkrad, das Auto hält die Spur und den Abstand zum Vordermann
  • Teilautomatisiertes Fahren:
  • Fahrer kann Lenkrad loslassen, muss aber jederzeit wieder übernehmen können
  • Hochautomatisiertes Fahren:
  • Fahrer lässt Lenkrad los, Autopilot erkennt seine Grenzen selbst und fordert Fahrer rechtzeitig zur Rückübernahme auf
  • Autonomes Fahren:
  • Fahrer ist nur noch Passagier, Fahrzeug übernimmt alle Funktionen


Im bayerischen Bad Birnbach und auch in Berlin rollen bereits kleine fahrerlose Shuttlebusse auf einer festgelegten Route im Testbetrieb. Genau wie sie sind auch die Testwagen der IAV GmbH aus Chemnitz mit einer ganzen Reihe Sensoren und Kameras ausgerüstet. Sie scannen die Umgebung und geben die Daten an das Fahrzeug weiter. Mit Hilfe eines speziellen W-LAN-Routers tauschen die PKW dann diese Informationen mit anderen Fahrzeugen und der Infrastruktur wie Ampeln aus, damit könnten dann Grün-Phasen besser ausgenutzt werden, so Experten. Das Ziel: den Fahrer entlasten, Staus und vor allem Unfälle verhindern, denn die selbstfahrenden Autos sollen sich auch vor Hindernissen rechtzeitig warnen können.

Es sollte nicht dazu führen, dass man über die Datensammlung auf das Verhalten des einzelnen Bürgers Rückschlüsse ziehen kann.

Barbara Klepsch
Barbara Klepsch Sächsische Staatsministerin für Soziales und Verbraucherschutz
Barbara Klepsch, Sächsische Staatsministerin für Soziales und Verbraucherschutz. Bildrechte: MEDIEN360G/Mitteldeutscher Rundfunk

Im Spiel sind riesige Datenmengen. Persönliche Bewegungsprofile vom Fahrer zu erstellen, kein Problem. Verbraucherschützer sind alarmiert. Die Staatsministerin für Soziales und Verbraucherschutz in Sachsen Barbara Klepsch warnt: "Es sollte nicht dazu führen, dass man über die Datensammlung auf das Verhalten des einzelnen Bürgers Rückschlüsse, Auswertungen ziehen kann, die dann später vielleicht einmal weiter verwendet werden." Auch Hackerangriffe auf die computergesteuerten Fahrzeuge sind möglich. Andreas Festag vom Fraunhofer-Institut für Verkehrs- und Infrastruktursysteme in Dresden sagt: "Das Bild des Hackers, der auf einer Autobahnbrücke steht und dort Unfälle provoziert, das ist ein Horrorszenario. Um das zu verhindern, gibt es ein Sicherheitssystem, was auf kryptographischen Verfahren, auf digitalen Signaturen und Zertifikaten basiert. Jede Nachricht, die übertragen wird, wird signiert und zertifiziert und der Empfänger kann dann überprüfen, ob diese Nachricht von einem Absender kommt, der dazu berechtigt war und die entsprechende Autorisierung dazu hatte."

Das Fahrzeug wird die Spur nicht verlassen.

Udo Wehner
Udo Wehner
Udo Wehner, IAV GmbH Bildrechte: Christian Bierwagen/IAV


Die Politik versucht mit der rasanten technischen Entwicklung Schritt zu halten. Der Bundestag hat Ende März die Straßenverkehrsordnung geändert und Regeln zum automatisierten Fahren aufgenommen. Und eine Ethikkommission der Bundesregierung hat sich eigens mit ethischen Fragen rund um das autonome Fahren beschäftigt. Wie entscheidet das Auto in Extremsituationen? Für die Kommission steht fest, es müsse stets gewährleistet sein, dass der Bordcomputer nicht Menschenleben qualifizieren darf, also nicht so programmiert ist, dass das Auto im Zweifel lieber einen alten Menschen umfährt als ein Kind, lieber einen Mann als eine Frau. Experte Udo Wehner von der Entwicklungsfirma IAV hält diese Diskussion für wenig relevant. "Das Beispiel, fährt ein Fahrzeug nach links, überfährt es eine Großmutter, fährt es nach rechts, ein Kind halte ich für nicht relevant. Ich gehe davon aus, dass das Fahrzeug immer so schnell wie möglich in der eigenen Fahrspur anhalten wird, wenn ihm etwas im Weg steht. Es wird nicht ausweichen, es kann sein, dass es sich in seiner Fahrspur anders positionieren wird, aber das Fahrzeug wird die Spur nicht verlassen."

Wirklich autonomes Fahren in allen Fahrsituationen ist noch in der fernen Zukunft.

Andreas Festag
Andreas Festag vom Fraunhofer-Institut für Verkehrs- und Infrastruktursysteme
Andreas Festag vom Fraunhofer-Institut für Verkehrs- und Infrastruktursysteme Bildrechte: MEDIEN360G/Mitteldeutscher Rundfunk


Doch bis das Auto sich völlig selbständig durch den Verkehr bewegt, wird es dauern. "Wirklich autonomes Fahren in allen Fahrsituationen ist noch in der fernen Zukunft", sagt Andreas Festag vom Dresdner Fraunhofer-Institut. Sensoren und Kameras an den Fahrzeugen müssen verbessert werden, damit sie auch bei jedem Wetter funktionieren. Udo Wehner von der IAV GmbH sieht die Herausforderung in der komplexen Umfeldwahrnehmung, die das Fahrzeug leisten muss. "Es muss in jeder Situation vernünftig reagieren, das geht nicht von heute auf morgen. Wir können viel simulieren, aber die Komplexität einer Umweltszene zu simulieren, ist dann doch noch mal sehr spannend."

Zuletzt aktualisiert: 24. Juli 2017, 19:08 Uhr