Handy hilft Flüchtlingen Mit dem Smartphone in ein neues Leben

Die Geräte unterstützen den langen Weg aus den Krisengebieten in sichere Länder, ermöglichen eine Vernetzung und Austausch mit anderen Flüchtlingen und überbrücken Sprachbarrieren.

Smartphones als Hilfestellung für Flüchtlinge
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Do 24.08.2017 14:09Uhr 04:40 min

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Sina Arnold vom Institut für Migrationsforschung
Sina Arnold vom Institut für Migrationsforschung. Bildrechte: MEDIEN360G

"Wie können die sich so teure Handys leisten? Die sind doch gar nicht so arm dran!" - Solche Kommentare über Flüchtlinge hört man immer wieder. Dabei ist das Smartphone oft das Einzige, was den Menschen nach der Flucht aus ihrer Heimat geblieben ist. "Die Flucht wäre ohne Telefon kaum möglich gewesen. Es wird genutzt, um zu navigieren, um Notrufe auszusenden, um Kontakt zu Familie und Freunden im Herkunftsland aufrecht zu erhalten", sagt Sina Arnold vom Institut für Integrations-und Migrationsforschung in Berlin. Arnold hat gemeinsam mit anderen Wissenschaftlern eine Studie zur Handynutzung bei Flüchtlingen herausgebracht. Eine Geflüchtete habe ihr berichtet, dass bei ihrer Flucht über das Mittelmeer die Motoren des Schlauchboots, in dem sie mit anderen zusammen saß, plötzlich versagten und über ihr Handy hielt sie Kontakt mit ihren Eltern in Syrien, die ihr Mut machten. Die Flüchtlinge informierten sich gegenseitig über die richtige Route Richtung Europa, über geschlossene Grenzen oder andere Gefahren. Der Syrer Mahmoud Ramok Baki erzählt, dass es eines der größten Probleme gewesen sei, den Handy Akku unterwegs aufzuladen. Deshalb nutzten sie in der Gruppe immer nur ein Telefon, die anderen blieben aus.

Ich kann nicht auf mein Handy verzichten. Ich benutze es für alles.

Zwei Männer sitzen auf einem Stein auf einer Grünfläche und halten ihre Smartphones in der Hand
Der Syrer Juma Assal und seine Freunde nutzen ihre Smartphones seit ihrer erfolgreichen Flucht um mit der Familie in der Heimat in Kontakt zu bleiben, aber auch um sich in der neuen Umgebung zurecht zu finden. Bildrechte: MEDIEN360G

Nach der Ankunft in Ländern wie Deutschland nutzen sie ihre Smartphones vor allem, um die Sprache zu lernen und um sich in der neuen Welt zurechtzufinden. Syrer, die inzwischen in Erfurt leben, erzählen, dass sie täglich Übersetzungs-Apps brauchen. Durch Youtube-Videos, die von Migranten für Migranten gemacht wurden, hätten sie viel über die neue Heimat gelernt. "Ich habe erfahren, wie und was man in Deutschland isst, wie man grüßt und dass man pünktlich sein muss", sagt der Syrer mit einem Lächeln. "Das Smartphone hilft zu verstehen, wie Institutionen und die Gesellschaft hier funktionieren", bestätigt Sina Arnold. Facebookgruppen von Flüchtlingen, mit denen sie sich gegenseitig Hilfe leisten, seien dabei oft nützlicher als viele Integrationsapps. "Einige von denen vermitteln ein eher kritisch zu sehendes Konzept von deutscher Leitkultur", so Arnold. So wichtig wie die Integration in die neue Welt, so bedeutend sind aber auch die Erinnerungen an ihre Heimat. Die Flüchtlinge haben alte Fotos auf ihren Smartphones gespeichert, Schnappschüsse und Videos aus der neuen Heimat werden über Whatsapp regelmäßig an Familie und Freunde geschickt. Zeugnisse und Urkunden sind ebenso in den Handys gespeichert. Zusammen mit der Sprache sind sie oft der Start in ein neues Leben.

Zuletzt aktualisiert: 24. August 2017, 18:42 Uhr