Der ausgebrannte Dachstuhl eines Hauses in Bautzen, von oben.
Bildrechte: MDR/Christian Essler

Bautzen Asylunterkunft in Brand gesteckt - Schaulustige jubeln

Sonntagfrüh 3:30 Uhr in Bautzen: Der Dachstuhl des ehemaligen Hotels "Husarenhof" brennt in voller Ausdehnung. Davor stehen Betrunkene, johlen und klatschen. Einige behindern sogar die Löscharbeiten der Feuerwehr. Das Haus ist eine neue Asylunterkunft und sollte im März belegt werden. Das für extremistische Straftaten in Sachsen zuständige Operative Abwehrzentrum ermittelt. Die Kriminalisten gehen von Brandstiftung aus. Sie fanden Spuren von Brandbeschleuniger im Gebäude. Bautzens Oberbürgermeister Ahrens kündigt Widerstand gegen tätliche wie geistige Brandstifter an und entsetzte Bürger gehen auf die Straße.

Der ausgebrannte Dachstuhl eines Hauses in Bautzen, von oben.
Bildrechte: MDR/Christian Essler

In Bautzen ist am frühen Sonntagmorgen eine geplante Unterkunft für Flüchtlinge in Flammen aufgegangen. Wie Polizeisprecher Thomas Knaup MDR SACHSEN bestätigte, handelt es sich um das ehemalige Hotel "Husarenhof" am Rande der Innenstadt nahe dem Bahnhof der Stadt. In dem Haus und in einem benachbarten Bürogebäude sollten ab März bis zu 300 Flüchtlinge untergebracht werden. 70 Feuerwehrleute von sechs Wehren aus Bautzen und dem Umland waren vor Ort, um den Brand zu löschen. Sie konnten ein Übergreifen der Flammen auf angrenzende Wohnhäuser und Supermärkte verhindern. Die durch böigen Wind erschwerten Löscharbeiten dauerten bis in den Vormittag hinein.

Brandbeschleuniger entdeckt, Operatives Abwehrzentrum ermittelt

Das Feuer war nach den bisherigen Erkenntnissen gegen 3:30 Uhr ausgebrochen. Als Polizei und Feuerwehr eintrafen, stand der Dachstuhl schon komplett in Flammen. Nachdem sich die Polizei anfangs zurückhaltend zur Brandursache äußerte, geht sie inzwischen von Brandstiftung aus. Grund sind Spuren von Brandbeschleuniger, die mit Hilfe eines Spürhundes im Gebäude entdeckt wurden. Neben der Kriminalpolizei ermittelt auch das Operative Abwehrzentrum der sächsischen Polizei. Das OAZ ist im Freistaat für Straftaten mit extremistischem Hintergrund zuständig. Der Leiter der Einrichtung, Leipzigs Polizeipräsident Bernd Merbitz, war noch am Sonntagvormittag persönlich in Bautzen, um sich über den aktuellen Ermittlungsstand zu informieren. Nach seinen Angaben gibt es bisher noch keinen konkreten Tatverdacht. Es werde in jede Richtung ermittelt.

Schadenfreude bei einigen Schaulustigen

Die Beamten erfassten die Personalien mehrerer teils betrunkener Schaulustiger. Nach Aussage des Polizeisprechers hatten sie den Brand mit abfälligen Bemerkungen und unverhohlener Freude kommentiert. Drei alkoholisierte Männer im Alter von 19 und 20 Jahren erhielten demnach Platzverweise, weil sie die Arbeit der Feuerwehr massiv behinderten. Zwei von ihnen wurden vorübergehend in Gewahrsam genommen, weil sie den Brandort nicht verlassen wollten. Die Männer wurden als Zeugen zu dem Brand befragt und am Vormittag wieder auf freien Fuß gesetzt. Gegen beide wird wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte ermittelt.

Ex-Besitzer schockiert

Der ehemalige Besitzer zeigte sich schockiert über die Vorgänge. Er sagte dem Online-Portal "MOPO 24", er sei von der Polizei informiert worden und frühzeitig vor Ort gewesen, um seinen am Gebäude geparkten Transporter in Sicherheit zu bringen. Dabei habe er beobachtet, wie die Schaulustigen den Brand bejubelten. "Die haben dort gefeiert, während das Gebäude in Flammen aufging. Schrecklich", sagte Pfützner "MOPO 24". Er glaube nicht an einen technischen Defekt als Brandursache. Alle Gasleitungen und die meisten Stromanschlüsse seien abgestellt gewesen.

Oberbürgermeister wütend

OB Stadt Bautzen, Alexander Ahrens
OB Ahrens informierte sich am Morgen am Brandort. Bildrechte: Stadtverwaltung Bautzen

Der Oberbürgermeister von Bautzen, Alexander Ahrens, schließt einen fremdenfeindlichen Hintergrund für Brandstiftung nicht aus. Der parteilose Kommunalpolitiker sagte bei einem Vor-Ort-Termin, er sei schockiert, dass so etwas in Bautzen möglich sei. Besonders wütend mache ihn, dass die Feuerwehrleute von Schaulustigen verbal attackiert und teilweise sogar an ihrer Arbeit gehindert wurden, erklärte Ahrens: "Ein solches Verhalten finde ich einfach nur widerlich!" Am Tag danach kündigte er im ARD-Morgenmagazin eine "Jetzt-erst-Recht-Reaktion" an: "Wir lassen uns das nicht gefallen. Wir lassen uns von ein paar Hohlköpfen nicht die Stadt kaputt machen." Auch geistiger Brandstiftung, wie der von Sachsens AfD-Vorsitzender Frauke Petry, müsse stärker entgegen getreten werden, forderte Ahrens. Auch viele Einwohner von Bautzen waren über die Tat und das Verhalten der Schaulustigen entsetzt. Mehrere Bautzner brachten dies auf einer Spontandemonstration zum Ausdruck. Unterschiedlichen Quellen zufolge beteiligten sich zwischen 70 und 150 Menschen.

In den letzten Monaten wurde die Diskussion um die Unterbringung von Asylbewerbern fast ausnahmslos sachlich geführt. Was hier und heute geschehen ist, macht mich sehr wütend.

Andreas Ahrens, Oberbürgermeister von Bautzen

Zuletzt aktualisiert: 22. Februar 2016, 11:19 Uhr

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697 Kommentare

24.02.2016 02:57 Christoph 697

689. Hubert: Ob ich mich gerade lächerlich mache, weiß ich nicht. Aber, wenn man in der DDR vor 1989 in einem Beruf etwa 700 Mark verdiente und in der BRD in einem vergleichbaren Beruf etwa 2000 Mark verdiente, und man sich letztenendes etwa gleich viel leisten konnte, spricht dass nicht gerade dafür, dass die Mark der DDR inflationiert und die Mark der BRD hart war. Das ist nicht vermittelbar. Mit diesem falschen Umtauschkurs, als erstem destruktiven Schritt, wurde die
Vernichtung vieler Existenzen in der DDR eingeleitet, mit all seinen Folgen. Bereits ein Politiker hatte vor der Währungsunion gewarnt, dass es bei einem zu schlechten Umtauschkurs zu
umfangreichen sozialen Verwerfungen kommen wird. Und es kam so. Und es ist nur einer der Gründe für umfangreiche soziale Verwerfungen. Und umfangreiche soziale Verwerfungen waren schon immer Zündstoff. Wobei wir wieder bei dem Thema zurück wären.

23.02.2016 23:16 Christoph 696

686. Hübi 54: Dass es unendlich mehr gab, als man es heute noch immer propagiert, ist natürlich subjektiv. Daher habe ich vorsichtshalber keine absolute Aussage getroffen. Und unendlich ist natürlich als Metapher zu verstehen. Fest steht, es gab bedeutend mehr, als man es propagiert hat oder heute noch propagiert. Ich schrieb doch, die Regale waren voll, mit Gütern die auch gekauft wurden. Das jedoch wird heute ständig anders dargestellt. Aber das ist ja im Endeffekt nicht das Thema.

23.02.2016 23:05 Hubert 695

@Horst 23.02.2016 18:45 - Teil 2 - Das war der Hilferuf eines Dichters, damit sich die vielen Kleinstaaten endlich zu einem Deutschland vereinen. So wie ich heute Europa über Deutschland stelle. Und was haben die Nazis aus dieser Strophe gemacht? Pfui Deibel...
Und nu hör auf zu jaulen wegen zweier Großbuchstaben. Das was Du da draus machst, nenne ich Übertreibung. Ich renne doch auch nicht gleich zum Staatanwalt, nur weil sich ein User "GestreckterArm88" nennt. Riecht zwar ein bißchen steng...

23.02.2016 22:51 Wessi 694

@ 692 Hubert, Danke nochmals.Ich habe mir in den 70er Jahren von Klassenkameraden schon anhören müssen: "na, dann geh' doch nach Israel". Das waren Mitglieder der JU, Leute , die heute (das weiß ich) in der CDU sind. Ich war auf einer Schule mit 68er-Lehrern, nachden ich bei einem Kollegium der Jahrgänge 1906-1923 gescheitert war.Ich selber bin kein Konservativer, aber durchaus Traditionalist, integriert in kommunale Vorgänge.Ohne ein gewisses politisches "standing" gäbe ich hier auch nicht so viele Details aus meinem Leben preis.Für mich ist Antifaschismus nicht einfach ANTIFA, sondern die sehr wertvolle, in Europa integrierte Demokratie, weltoffen und zukunftsgewandt.Solche bedauernswerte, aber gefährliche Denke wie "Horst" entspringt der kleinbürgerlich-braunen Suppe, die Adolf Irre an die Macht gebracht haben.Das wünsche ich, pardon, unserem Vaterland nie wieder.Die Folgen waren traumatisch...für beide Seiten.

23.02.2016 22:23 Hubert 693

@Horst 23.02.2016 18:45 Horst, meine Mutter war, gelinde gesagt, sehr impulsiv. Irgendwann hat mein Bruder ihre Geschreie auf Tonband aufgenommen und Tage später das Tonband in entsprechender Lautstärke abgespielt. Sofort hat meine Mutter gefordert: Stell das Ding da ab, so ne Schreierei (meine Mutter wusste damals nicht was ein Tonband ist). So, angesichts dieser Anekdote, blätter mal zurück und lies nochmal deine Kommentare. "Die alten Bundesländer sind der DDR beigetreten, die ABL waren pleite, mit dem Pleitegeld wurde wurde die DDR gekauft, usw." Und dann deine völkische Ansichten... Deutschland als Nation gibt es noch keine 150 Jahre, davon 40 Jahre DDR. Bleib mir fern mit diesem völkisch, nationalistischen, rassistischen Gequatsche. Du kennst doch sicherlich die dritte Strophe des Deutschlandliedes mit "Deutschland, Deutschland über alles". Kennst du auch die Bedeutung? Nee, da bin ich mir sicher. Ich will dich schlau machen, nicht dass du noch dumm stirbst. Das war der Hilferuf

23.02.2016 22:21 Hubert 692

@Wessi 23.02.2016 18:48 - Wessi, ich habe eben nochmal zurückgeblättert, auch wegen deines Disputes mit Horst. Hätte ich deinen Familienhintergrund, säße ich hier schon auf einer Büßerbank. Als Jugendlicher habe ich mir die Geschichten dieser alten Kriegsstrategen anhören müssen. Ich war aber zu feige und auch noch nicht so "trittfest". Aber das änderte sich rasch. In dieser Richtung bin ich sehr hellhörig. Wehret den Änfängen und nie wieder!

23.02.2016 22:05 Wessi 691

@ 687 Horst, ich habe Sie nicht als SS-Mitglied bezeichnet, aber alles was, rechts ist, empfinde ich als dem nahe.Sie wüten im Übrigen derart gegen mich, daß ich Angst um Ihre Gesundheit bekomme.Sie hätten seit 1989 Zeit gehabt zu lernen.Das haben Sie verabsäumt.Es ist schon schlimm, daß andere User mich darauf hinweisen müssen, daß ich mich nicht rechtzufertigen brauche. Menschen zu soetwas hinzutreiben ist die üble Masche der Diktatur von Adolf Irre zur SED. Ich stehe, gegen Sie ,zu Demokratie und Offenheit.In Feindschaft.(Nicht etwa,weil Sie aus dem Osten kommen)

23.02.2016 21:13 Christoph 690

680. waldler: Durch Ihre und andere Beispiele kann ich so langsam nachvollziehen, weshalb man im Westen so oft und kräftig auf den Osten schimpft. Ja, auch der Westen wurde ausgeblutet. Und ja, die Städte und Straßen im Osten glitzern und flimmern des öfteren. Die geflossenen Billionen jedoch, haben vielen Menschen eben nicht geholfen. Viel Geld wurde zum Teil irrsinnig verplämpert. Und ohne Zweifel gab es einen Niedergang auch im Westen. Die Frage ist doch
die der Stärke des Niederganges in den jeweiligen Regionen. Es ist doch ein Unterschied, ob man von 10.000 Metern auf 5.000 Meter absackt, oder sich 10 Meter tief in die Erde bohrt. Kurios ist, der Westen hat viel verloren, der Osten hat viel verloren, mathematisch gesehen stellt sich die Frage nach dem Dritten, dem Gewinner oder den Gewinnern. Ich denke, dass sind die wirklichen Brandstifter!!!

23.02.2016 20:34 Hubert 689

@685. Christoph: Wir kommen vom eigentlichen Thema ab. Christoph, Du machst Dich lächerlich. Ökonomisch war zwischen der "BRD" und der DDR nicht nur ein Graben, sondern eine Schlucht! Nur ein paar Reizworte: Straßenbau, Bitterfeld, Braunkohleheizung, Kaffee, Fahrzeugbau, Robotron. Du kannst jeden Bundesbürger kostenfrei ernähren und mit einem kostenfreien Urlaub auf Malle versorgen, belegst dann einfach jedes Auto, jeden Rechner usw. mit einem Abgabesatz von 100 %. Ich glaube zu erahnen, was Du mir sagen willst: DDR-Bürger waren in sich zufriedener. Aber komme mir nicht mit der Ökonomie. Über den Zaun z.B, so widerlich wie er war, kann man streiten. Aber nicht über den maschinellen und manuellen Schußwaffengebrauch. Ein absolutes NoGo!

23.02.2016 18:48 Wessi 688

@ 684 Hubert Danke, Du hast ja Recht.Vielleicht bin ich familiär bedingt zu dünnhäutig.