Frisch saniert leuchtet das Völkerschlachtdenkmal in der Abendsonne in Leipzig (Sachsen).
Bildrechte: dpa

Völkerschlachtdenkmal Der Koloss von Leipzig

300.000 Tonnen schwer und über 90 Meter hoch ist Deutschlands größtes Denkmal. Das Völkerschlachtdenkmal zu Leipzig überragt den Südosten der Stadt wie ein steinerner Riese. Zu verdanken haben wir es einer Privatinitiative, dem Deutschen Patriotenbund. Und der mochte es monumental. Mit dem Bauwerk versuchte er zu einer "germanischen Architektur" zurückzufinden.

Frisch saniert leuchtet das Völkerschlachtdenkmal in der Abendsonne in Leipzig (Sachsen).
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"So muss es groß und herrlich sein, wie ein Koloss, eine Pyramide, ein Dom zu Köln", diese Vision vom Völkerschlachtdenkmal stammt schon aus dem Jahre 1814 vom patriotischen Schriftsteller Ernst Moritz Arndt. Zwar verwirklicht sich diese Vorstellung, aber der Urheber der Denkmalsidee sollte es nicht mehr erleben: verzögert durch Kleinstaaterei und Geldmangel wird es erst einhundert Jahre nach der Schlacht, am 18. Oktober 1913, am Vorabend des ersten Weltkriegs, eingeweiht.

Ein "übergroßer Altar"

Zeitgenössischen französischen Beobachtern fällt das Denkmal auf als "übergroßer Altar" und "gewaltige Zwingburg", das auf einem wackeligen historischen Fundament gebaut wurde: Schließlich liefen die Sachsen erst kurz vor Ende einer für Napoleon aussichtslosen Schlacht zu den Siegermächten über. Auch aus heutiger Sicht mutet das Denkmal in seiner Größe und strengen Geometrie mit den finster dreinblickenden Wächterfiguren fremd und abweisend an. Wie kam das Memorial zu seiner Form?

Suche nach der "germanischen Architektur"

Leipzigs bekanntestes Wahrzeichen geht auf eine Initiative des Deutschen Patriotenbundes (DPB) zurück. Der 1894 gegründete Bund zur Errichtung des Denkmals unter Architekt Clemens Thieme verfolgte ein übergeordnetes Ziel: Natürlich ging es auch darum, an eine sieg- und opferreiche Schlacht zu erinnern, aber die Idee, die junge deutsche Nation künstlerisch zu repräsentieren, schwebte über allem. In diesen Jahren, der sogenannten Gründerzeit, musste sich Deutschland nach innen festigen. Ein "germanisches Urvolk" sollte dabei helfen, gemeinsame Wurzeln zu definieren und ein völkisches Zusammengehörigkeitsgefühl zu schaffen. Die Erbauer sahen in ihrem Denkmal ein "Wahrzeichen für die gewaltige Erhebung des deutschen Volkes" und "ein Dankeszeichen für den Allmächtigen, der die Waffen der Verbündeten segnete".

Eine Lotterie für das Denkmal

Auch im praktischen Sinne sollte durch den Bau eines gigantischen Denkmals, das nicht den Kaiser in den Mittelpunkt stellte, sondern das Volk selbst, den Deutschen eine einigende Aufgabe gestellt werden. Eine eigens aufgelegte Lotterie fand großen Zuspruch, fast 3,5 Millionen Mark kamen dabei zusammen.

Die Vorstellungen des DPB zur äußeren Gestalt des Denkmals waren anfangs vage. Sicher war man sich nur darüber, dass es "germanisch" sein sollte, ohne wiederum genau zu wissen, was das bedeutete. Wie sollte diese neu zu entwickelnde Stilrichtung aussehen? Das Völkerschlachtdenkmal war ein Experimentierfeld dafür. Eins war aber klar: der "germanische" Stil musste sich abgrenzen vom griechisch-römischen und dem darauf aufbauenden europäischen Erbe.