Babys in einer Kinderkrippe, 1971
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Vornamen aus der DDR: "Oh Mandy!"

Eins gleich vorweg: Nein, nicht alle Kinder in der DDR hießen René oder Mandy. Tatsächlich waren im Osten um 1970 bei den Mädchen Namen wie An(n)ett oder Kat(h)rin beliebt, bei den Jungs Jens oder T(h)orsten. Mandy tauchte trotzdem auf - ab 1974 erklommm der Name die Top Ten-Liste der beliebtesten Mädchennamen in der DDR, 1980 war er auf Platz sechs. Auch die Liste der Vorurteile gegen diese Namen ist lang. Aber was ist da dran? Wir haben drei Mandys getroffen.

Babys in einer Kinderkrippe, 1971
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Der Name "Mandy" und die gängigen Vorurteile

Wenn man in der Fußgängerzone Passanten nach dem fragt, was sie mit dem Namen "Mandy" verbinden, haben manche feste Vorstellungen davon, wie so eine Mandy aussieht und was sie tut. Sie ist klein, vielleicht etwas dicklich, auf keinen Fall richtig erfolgreich, sie hat eher einen Hauptschul- oder Realschulabschluss statt Abitur.

Unser Realitäts-Check mit drei Mandys


Mandy Gehrt, Jahrgang 1977, Künstlerin und sitzt im Leipziger Stadtrat. Als sie neu war in diesem Gremium, hat sie sich oftmals verloren und nicht besonders ernstgenommen gefühlt - daran ist aber kaum ihr Name schuld, mit dem kann sie gut leben. Sie erklärt sich Klischees in den Köpfen damit, dass irgendwann Name und Herkunft verschmolzen sind.

Auch Mandy Hauser, die gerade an ihrer Promotion schreibt, kennt die üblichen Klischees und spielt mit ihnen. Wenn sie Freunden schreibt, dann unterschreibt sie oft mit "Mendi" - ein Augenzwinkern, dass sie bis heute durchgehalten hat. Wenn sie mit Menschen aus alten Bundesländern zusammenkomme, dann seien die oft überrascht.

Oft ist es so, wenn ich mit Menschen aus den alten Bundesländern zusammenkomme oder mit Leuten aus dem deutschsprachigen internationalen Raum, dass sie überrascht sind und das explizit zum Thema machen: 'Das ist schön, mal 'ne Mandy kennenzulernen und dieses Negativbild oder dieses Klischee nicht bestätigt zu bekommen.'

Mandy Hauser, Wissenschaftlerin

Fitnesstrainerin Mandy Heymann meint, dass sie noch nie über ihren Namen nachgedacht hätte.

Ich finde den Namen Mandy schön, ich mag ihn. Er ist recht kurz, man kann ihn nicht irgendwie verpimpeln. Ob der mich jetzt geprägt hat? Nicht im Sinne der Klischees, die man so kennt.

Mandy Heymann, Fitnesstrainerin

Ein Ergebnis unserer Feldforschung: Es gibt Mandys und es gibt Klischees. Aber warum kommt der Name "Mandy" besonders oft im Osten Deutschlands vor?

Die Expertin über DDR-Vornamen

Gabriele Rodriguez arbeitet in der Namenberatungsstelle des "Namenkundlichen Zentrums" an der Universität Leipzig. Seit drei Jahrzenten beschäftigt sie sich mit Vornamen, ihrer Herkunft und Verbreitung.

Sie gibt unentschlossenen Eltern Tipps, welche Vornamen möglich sind und sie kommt ins Spiel, wenn Standesämter sich nicht sicher sind, ob sie einen Namen zulassen können.

Ihr Befund ist eindeutig: Der Osten ist eine Art Biotop für Mandys, Mikes und Peggys. Der andere Klang, die Sehnsucht nach dem etwas, das jenseits deutscher Traditionen und jenseits der DDR lag - all das spiegelte sich wieder in den englischen Namen. Auch Popkultur spielte dabei eine Rolle.

Es war übrigens zu DDR-Zeiten ein häufiger Grund, der genannt wurde, dass der Name in einem Lied zu hören war oder bekannte Sportler so hießen oder bekannte Persönlichkeiten.

Gabriele Rodriguez, Namensforscherin

Die Geschichte der DDR-Vornamen ist eben auch ein Wechselspiel zwischen Tradition und Trends. Als in den 1980ern "Dallas" über den Bildschirm flimmerte, wollten die Sachsen mehr als "Cindy" oder "Mandy". Es gab Anfragen von Eltern, die ihre Kinder Pamela oder - eher sächsisch geprägt - "Bämela" nennen wollten. So lässt sich zwar jeder Namenstrend zählen, aber vielleicht nicht jeder verstehen. Am Ende zählt der eigene Geschmack.