Mitglieder der GST üben im Jahre 1974 am Schießstand
Mitglieder der GST 1974 am Schießstand in einem GST-Lager in Eckartsberga Bildrechte: dpa

GST - "Schule des Soldaten von morgen"

Die "Gesellschaft für Sport und Technik" war gegründet worden, um DDR-Jugendlichen technische Fertigkeiten zu vermitteln. Doch schon bald verschob sich der Focus. Die GST wurde zu einer "sozialistischen Wehrorganisation", deren Aufgabe es war, künftige Soldaten heranzubilden.

Mitglieder der GST üben im Jahre 1974 am Schießstand
Mitglieder der GST 1974 am Schießstand in einem GST-Lager in Eckartsberga Bildrechte: dpa

Wenn in den Schulen der DDR für den Beitritt zur "Gesellschaft für Sport und Technik" (GST) geworben wurde, dann war es nur selbstverständlich, das zunächst das Militärische romantisiert und überdies an die Pflicht eines jeden Bürgers erinnert wurde, das sozialistische Vaterland im Falle eines Falles auch "mit der Waffe in der Hand" verteidigen zu können. Mit dieser Ausbildung könne nun einmal nicht früh genug begonnen werden. Diese Passagen konnten freilich kaum einen Jugendlichen vom Stuhl reißen. Munter wurden sie allerdings, wenn wie nebenbei erwähnt wurde, dass man bei der GST den Moped-Schein und sogar die Fahrerlaubnis für PKW und LKW erwerben könne. Und kosten würde das fast nichts. Dieses Argument zog enorm. Und so jedenfalls kam es, dass ganze Generationen von DDR-Jugendlichen den Aufnahmeantrag unterschrieben und Mopedschein und Fahrerlaubnis bei der GST machten.

Segelfliegen und Tauchsport

GST-Mitglieder (Gesellschaft für Sport- und Technik) beim Segelfliegen
GST-Mitglieder der Sektion Segelfliegen Bildrechte: IMAGO

Nun war die GST natürlich nicht gegründet worden, um Jugendlichen kostengünstig zum Mopedschein zu verhelfen. Ursprünglich sollte die am 7. August 1952 gegründete Organisation - wie es der Name auch sagt - die technischen Fähigkeiten und Kenntnisse von Jugendlichen entwickeln und überdies sportliche Angebote unterbreiten - so wurden etwa Kurse in diversen Sportarten angeboten, die einzig und allein Sache der GST waren: Segelfliegen, Fallschirmspringen, Tauchen, Schießen, Motorfliegen und Motorsport. Das Segel- und Motorfliegen ebenso wie der Tauchsport und das Fallschirmspringen galten den Oberen der DDR nämlich als Sportarten, mit deren Hilfe sich möglicherweise eine Republikflucht hätte bewerkstelligen lassen können. Diese Sportarten durften daher ausschließlich im Rahmen der GST betrieben werden, unter der gewissenhaften Aufsicht geschulter und wachsamer Kader.

"Schule des Soldaten von morgen"

Durchaus dem Biathlon vergleichbar ist der militärische Mehrkampf der GST im Winter - hier Teilnehmer eines Wettkampfes am 14.01.1977 in Friedrichsbrunn im Ostharz am Schießstand.
Militärischer Mehrkampf der GST 1977 in Friedrichsbrunn im Harz Bildrechte: dpa

Doch schon nach wenigen Jahren änderte sich die Ausrichtung der GST gründlich. Nach der Gründung der Nationalen Volksarmee (NVA) 1956 sollte die GST als deren "Keimzelle" dienen und sah sich dabei selbst "als besten Freund der NVA". 1962 formulierte Verteidigungsminister Heinz Hoffmann schließlich die neuen Aufgaben der GST: Die GST habe die "Schule des Soldaten von morgen zu sein". Die GST habe "politisch bewusste, disziplinierte und standhafte" Soldaten zu formen, die später bei der NVA "vorbildliche Soldaten" abgäben. Dieser Richtungswechsel zeigte sich auch im äußeren Erscheinungsbild: Für die Mitglieder gab es Uniformen mit entsprechenden Dienstgraden und die hauptamtlichen Posten waren ausschließlich mit ehemaligen Offizieren der NVA besetzt. 1968 wurde die GST, die von ihrer Gründung an dem Ministerium des Innern unterstanden hatte, dem Ministerium für Nationale Verteidigung unterstellt.

Vormilitärische Ausbildung

Kunststudenten der HGB Leipzig während einer Manövers auf dem GST-Gelände in Tambach im Jahr 1967
Studenten der Leipziger "Hochschule für Graphik und Buchkunst" bei einem Marsch im Rahmen der vormilitärischen Ausbildung Bildrechte: IMAGO

Ab 1969 ergab sich für die GST ein weiteres Wirkungsfeld: Nachdem die vormilitärische Ausbildung von Lehrlingen und Studenten Pflichtfach während der Ausbildung bzw. des Studiums geworden war, kümmerte sich die GST um die zumeist zweiwöchige militärische Grundausbildung. In speziellen Wehrausbildungslagern wurden die Lehrlinge und Studenten militärisch gedrillt. Es wurden Märsche, wehrsportliche Wettkämpfe und Schießübungen durchgeführt, abends gab es ideologische Schulungen. "Unser Wehr-Dienst für den Frieden" oder "Wir behalten den Feind im Griff" waren beliebte Themen, ausgeführt von einstigen Offizieren der NVA.

Die "ungedienten Reservisten" der NVA, das heißt Wehrpflichtige, die auf ihre Einberufung zum aktiven Wehrdienst warteten, hatten sich vom Jahr 1987 an bei der GST zu melden, um sich ihre "Wehrfähigkeit" zu erhalten. Sie wurden verpflichtet, an wehrsportlichen Veranstaltungen der GST teilzunehmen.

Aufgelöst als nicht mehr zeitgemäß

Die Gesellschaft für Sport und Technik, die sich selbst als "sozialistische Wehrorganisation der DDR" bezeichnete, hatte 1989 noch mehr als 650.000 Mitglieder. Die revolutionären Veränderungen in der DDR 1989 machten aber auch vor der GST nicht halt. Nur noch wenige Jugendliche waren gewillt, der GST beizutreten, Mopedschein hin oder her. Im Frühjahr 1990 wurde die "Gesellschaft für Sport und Technik" als unzeitgemäß aufgelöst.

Mitglieder der GST messen im Jahre 1974 in Köllme im heutigen Saalkreis bei einem Wettkampf im Patrouille-Fahren ihre Fertigkeiten beim Umgang mit dem Motorrad im Gelände
Mitglieder der GST bei einem Wettkampf im Patrouille-Fahren 1974 in Köllme Bildrechte: dpa

Über dieses Thema berichtete der MDR im TV auch in "Geschichte Mitteldeutschlands" 11.06.2013 | 21.15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 14. September 2017, 10:16 Uhr