1789-1815 Vom Bastillesturm zum Wiener Kongress

Kurzchronik

von Henning Ristau

NAPOLEONS AUFSTIEG

1789

In diesem Jahr beginnt die Französische Revolution. Von 1789 bis 1799 wird das alte feudale Regime, das Ancien Régime, gewaltsam beseitigt. Die politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse in Frankreich werden neu geordnet. Am Ende der Entwicklung steht die Herrschaft Napoleon Bonapartes. Die Gründe für den einsetzenden revolutionären Prozess sind vielschichtig, allgemein gesprochen ist die Unfähigkeit des Ancien Régime, auf die sozialen und politischen Probleme des 18. Jahrhunderts Antworten zu finden, der Ausgangspunkt für den revolutionären Wandel. Die Ablehnung von Reformen sowie der Staatsbankrott Ludwigs XVI., herbeigeführt durch die Expansionspolitik Ludwigs XIV., führen zu sozialen Spannungen und letztlich zur Aufhebung des alten Feudalsystems. Die aus der Revolution hervorgegangene verfassungsgebende Nationalversammlung verkündet unter anderem die Menschen- und Bürgerrechte sowie die Beseitigung der feudalen Standesrechte.

1791 - 1792

Die neue Verfassung Frankreichs tritt in Kraft; in ihr sind Volkssouveränität und Gewaltenteilung verankert. Der nach allgemeinem Wahlrecht gewählte Nationalkonvent schafft das Königtum ab und verurteilt Ludwig XVI. letztlich zum Tode.

1792 - 1797

Der erste Koalitionskrieg findet zwischen Österreich und Preußen einerseits und dem revolutionären Frankreich auf der anderen Seite statt. Nichtsdestotrotz erfährt die Französische Revolution auch auf Seiten des Gegners bei den Intellektuellen breite Zustimmung. Das Verhalten der Franzosen während ihrer Kriege und die terroristischen Folgen der Revolution in Frankreich lassen viele deutsche Befürworter jedoch bald Abstand zur ihr gewinnen. Dennoch befördert die Französische Revolution in der Folge die deutsche Nationalstaatsidee.

1794

In den Wirren nach der Hinrichtung Ludwigs XVI. wird die Diktatur Robespierres errichtet. Obwohl selbst eine herausragende Figur dieses Terrorregimes, welches innerhalb kürzester Zeit Tausende Opfer fordert, wird Robespierre hingerichtet. Wenige Jahre später kann Napoleon das entstandene Machtvakuum für sich nutzen.

1797

Napoleon zeichnet sich als herausragender Feldherr aus, erobert im ersten Koalitionskrieg große Teile Mittelitaliens und zwingt Österreich zum Frieden. Belgien, die Lombardei und die deutschen Gebiete links des Rheins fallen an Frankreich.

1799

Am 9. November, dem 18. Brumaire des französischen Revolutionskalenders, kommt Napoleon durch einen Staatsstreich an die Macht. Er hat in Ägypten gegen England gekämpft und kann sich nun mit militärischen Mitteln an die Macht putschen. Er wird als erster von drei Konsuln an die Spitze der Regierung gewählt und erklärt die Revolution als auf ihre Grundzüge zurückgeführt und für beendet. In seiner Position als erster Konsul ist er mit umfangreichen Machtbefugnissen ausgestattet.

1802

Napoleon lässt sich nach einem Plebiszit zum Konsul auf Lebenszeit wählen, somit hat er das herrschende allgemeine Wahlrecht ausgehebelt und kann ein kaiserliches Regime installieren.

1804

Als "Napoleon I." wird Napoleon zum Kaiser gekrönt. Im Wechselspiel von Diplomatie und militärischen Erfolgen gelingt es ihm, die Hegemonie über Europa zu erreichen. Er erlässt den "Code civil", später auch "Code Napoléon" genannt, der das bürgerliche Recht in Frankreich bis heute bestimmt und die europäische Rechtsentwicklung entscheidend beeinflusst.

1806

Unter dem Protektorat Napoleons wird der Rheinbund errichtet. Bis 1811 schließen sich ihm alle deutschen Staaten außer Preußen, Österreich, Braunschweig und Kurhessen an. Schon 1804 hat Kaiser Franz II. auf ein Ultimatum Napoleons hin die Kaiserkrone niedergelegt. Damit ist auch das formale Ende des "Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation" gekommen. Preußen hingegen fordert den Abzug der französischen Truppen rechts des Rheins und die Auflösung des Rheinbundes. Der einsetzende "vierte Koalitionskrieg" endet mit Preußens Niederlage in der Doppelschlacht bei Jena und Auerstedt. Napoleon befindet sich für die nächsten 5 Jahre auf dem Gipfel seiner Macht.

1812

Napoleon marschiert mit der Hilfe von Österreich und Preußen nach Russland ein. Das russisch-französische Verhältnis hatte sich verschlechtert, da Russland ökonomisch unter der von Napoleon verhängten so genannten "Kontinentalsperre" litt, die englischen Waren den Zugang zum kontinentalen Europa versperrte. Eine Hauptstreitmacht von 400.000 Soldaten - die "Grande Armée" - überquert die Weichsel in Richtung Osten. Nach dem für Napoleon desaströsen Feldzug kehrt er mit nur noch 30.000 Soldaten aus Russland zurück. Mit der "Konvention von Tauroggen" leitet der preußische General Yorck im Dezember die russisch-preußische Allianz ein.

1813

16. März

Preußen erklärt an der Seite Russlands dem militärisch schwer angeschlagenen Napoleon den Krieg. Diese Kriegserklärung verursacht eine regelrechte Welle des Patriotismus und löst große Hoffnungen auf eine Befreiung von Frankreich aus. Daher erhalten die Kriege von 1813 und 1814 auch den Namen "Befreiungskriege". Viele Freiwillige melden sich zum Kampf gegen Napoleon. Die Farben des Lützowsches Freikorps - schwarze Uniform, rote Kragen, goldene Knöpfe - werden später die deutschen Nationalfarben bilden.

12. August

Österreich und Schweden treten dem preußisch-russischen Bündnis gegen Napoleon bei. England unterstützt dieses in erster Linie materiell. Nach langen Verhandlungen einigen sich die Verbündeten darauf, drei Armeen in der Region um Leipzig aufzustellen - die Nordarmee, im Osten die Schlesische Armee sowie im Süden die Hauptarmee.

August/September

Während des Herbstfeldzuges 1813 gelingt es der Nordarmee am 23. August bei Großbeeren, die französische Armee bei deren Vorstoß auf Berlin zu schlagen. Auch in der Schlacht an der Katzbach können die Verbündeten der französischen Armee eine Niederlage zufügen. Napoleon hingegen entscheidet die Gefechte um Dresden, gegen die Hauptarmee der Verbündeten, für sich. Nach weiteren Niederlagen der Franzosen wird der Ring um Napoleon enger, er zieht sich zurück und gibt seine Expansionspläne auf. Die Verbündeten drängen, trotz anfänglichen Zögerns, auf eine Entscheidungsschlacht gegen Napoleon.

DIE VÖLKERSCHLACHT BEI LEIPZIG

14. Oktober

General Schwarzenberg, der Oberbefehlshaber der Verbündeten, rückt bei Liebertwolkwitz gegen Napoleon vor, um die Stellung und die Stärke des Gegners zu erkunden und um die Entschlossenheit zu testen, mit der die napoleonische Armee den Raum südlich von Leipzig verteidigt. Aus der Erkundung entwickelt sich das größte Reitergefecht der Befreiungskriege, in dem etwa 15.000 Reiter gegeneinander kämpfen. Obwohl keine der beiden Seiten einen entscheidenden Vorteil erringen kann, ist nun klar, dass beide Seiten die Entscheidungsschlacht wollen.

16. Oktober

Napoleon konzentriert seine Truppen in den Vororten von Leipzig. Die Völkerschlacht beginnt. Angehörige von etwa 30 Völkern nehmen an den Kampfhandlungen teil. Unmittelbar vor der Schlacht stehen den Verbündeten rund 205.000 einsetzbare Soldaten zur Verfügung. Napoleon verfügt seinerseits über rund 200.000 Mann, die er vor allem südlich und südöstlich von Leipzig konzentriert. Nach einigen Vorgefechten beginnen die Schlachten von Wachau im Süden und Möckern im Norden. Obwohl es Napoleon zunächst gelingt, den Angriff auf seine Stellungen in Wachau abzuwehren, kann er diesen Vorteil nicht zum Gegenschlag nutzen, da die aus dem Norden erwartete Verstärkung nicht eintrifft. Ohne die zusätzlichen Truppen kann sich der französische Gegenangriff, den Napoleon befiehlt, nur schlecht entfalten. Als am Abend die Schlacht von Wachau endet, hat keine der beiden Seiten im Süden Leipzigs eindeutige Vorteile erreicht. Dagegen kann auf Seiten der Verbündeten Feldmarschall Blücher die Schlacht bei Möckern mithilfe des preußischen Generals Yorck für sich entscheiden. Dadurch, dass Napoleon im Süden diese Truppen fehlen, kann er dort nicht das gegnerische Zentrum schlagen, um so die Gesamtschlacht für sich entscheiden.

17. Oktober

An diesem Sonntag ruhen die Kämpfe. Die Verbündeten erhalten weitere preußische und österreichische Verstärkungen und befinden sich nun in der Übermacht.

18. Oktober

Napoleon zieht seine Truppen enger um Leipzig zusammen und ergreift Maßnahmen, um den Rückzug zu sichern. Ihre Hauptkräfte setzen die Verbündeten wieder im Südosten ein. Obgleich sich die napoleonischen Truppen erbittert verteidigen, gelingt es den Verbündeten, den Sieg über Napoleon zu erringen. Seine Hauptstellungen in Connewitz, Probstheida und Stötteritz kann er zwar halten, aber um seine Armee nicht vollends aufzureiben, befiehlt Napoleon am Nachmittag den Abmarsch großer Teile seiner Truppen über Lindenau.

19. Oktober

Unbemerkt lässt Napoleon in der Nacht die Dörfer im Südosten Leipzigs räumen. 30.000 Soldaten schickt er zur Deckung des Rückzugs in Richtung Westen. Am späten Morgen greifen die Verbündeten Leipzig an. Mittags dringen die ersten Einheiten in die Stadt ein. Die siegreichen Monarchen Zar Alexander, König Friedrich Wilhelm III. von Preußen und der Kronprinz von Schweden feiern ihren Sieg auf dem Marktplatz, während noch die letzten Kampfhandlungen in der Stadt zu hören sind.

Gegen Mittag laufen die sächsischen und badischen Rheinbund-Truppen zu den Verbündeten über. Durch die vorzeitige Sprengung der Elsterbrücke wird Zehntausenden napoleonischer Soldaten der Rückzug abgeschnitten. Bei der Überquerung der vom heftigen Regen angeschwollenen Elster findet Fürst Josef Poniatowski, der Oberbefehlshaber der polnischen Truppen, den Tod.

Nach der Völkerschlacht bei Leipzig zieht sich Napoleon auf französischen Boden zurück. Bis zum Jahresende löst sich der Rheinbund auf.

Sachsen zählt zu den Verlierern der Völkerschlacht und wird zu umfangreichen Gebietsabtretungen gezwungen. In der Folge verliert es rund 58 Prozent seines Staatsgebietes mit rund 42 Prozent seiner Einwohner hauptsächlich an Preußen. Diese Gebiete werden in der neu gegründeten preußischen Provinz Sachsen zusammengefasst - Preußen ist damit endgültig Großmacht.

FOLGEN DER SCHLACHT

1814

Die Verbündeten ziehen siegreich in Paris ein. Napoleon wird abgesetzt und als souveräner Fürst auf die Mittelmeerinsel Elba geschickt. Auf dem Wiener Kongress verhandeln die europäischen Fürsten ab November über die Neuordnung Europas. Dabei wird weitgehend das politische System von 1792 wieder installiert. In Frankreich, das ebenfalls am Kongress teilnimmt, wird Ludwig XVIII. von Bourbon als König eingesetzt.

1815

Napoleon kehrt aus dem Exil zurück und marschiert auf Paris. Die Verbündeten nehmen den Kampf gegen ihn wieder auf. Am 18. Juni wird er bei Waterloo endgültig besiegt und auf die britische Atlantikinsel St. Helena verbannt.

Mit der Wiener Kongressakte wird der "Deutsche Bund" gegründet. Er besteht aus 37 souveränen Fürstentümern sowie vier freien Städten und wird als Gegenpart zur national-liberal-konstitutionellen Bewegung in Deutschland gegründet. Zwischen diesen beiden Richtungen erwächst die Spannung in der deutschen Frage für die nächsten Jahrzehnte. Vertreter der deutschen Nationalbewegung sehen ihre Hoffnung auf ein einiges Deutschland enttäuscht, für das sie gegen Napoleon gekämpft hatten. Noch 1815 wird in Jena die (Ur-)Burschenschaft gegründet, die die Farben Schwarz-Rot-Gold trägt und die nationale Einigung Deutschlands unter liberalen Vorzeichen erreichen will.

Russland, Preußen und Österreich schließen die so genannte "Heilige Allianz". Beinahe alle europäischen Staaten treten ihr bei. Sie wird wegen ihrer Verteidigung des sozial-konservativen Systems unter Metternich zum Inbegriff der Restauration.

Wiener Kongress Sachsen zählt zu den Verlierern der Völkerschlacht, wird damit zu umfangreichen Gebietsabtretungen gezwungen und verliert rund 58 Prozent seines Staatsgebietes mit rund 42 Prozent seiner Einwohner hauptsächlich an Preußen. Diese Gebiete werden in der neu gegründeten preußischen Provinz Sachsen zusammengefasst. Preußen ist endgültig Großmacht.



Das Herzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach wird zum Großherzogtum erhoben und gewinnt mehrere bis dato sächsische Territorien hinzu. Vom heutigen thüringischen Gebiet gehören nach dem Wiener Kongress rund 22 Prozent zu Preußen. Das Königreich Sachsen besitzt keinen Anteil an Thüringen mehr. Sachsen kompensiert diese Verluste durch den verstärkten Ausbau des Landes in wirtschaftlicher und kultureller Hinsicht. Durch die verstärkt einsetzende Industrialisierung kann Sachsen zwar die wirtschaftlichen Verluste ausgleichen, wird jedoch auch stärker mit sozialen Problemen konfrontiert, welche die Entwicklung der Arbeiterbewegung fördern.

Zuletzt aktualisiert: 26. Oktober 2010, 20:00 Uhr