Damals im Osten

Motorsport

Leipziger Stadtparkrennen "Rund ums Scheibenholz"

Wer heute durch Leipzigs beschauliche Nonnenstraße fährt, kann sich kaum vorstellen, dass hier einst Rennfahrer mit durchgedrücktem Gaspedal um Sekunden fuhren...

Programm Stadtparkrennen Scheibenholz
1. Programmheft des Leipziger Stadtparkrennens. Bildrechte: MDR/Peter Leichsenring
Programm Stadtparkrennen Scheibenholz
1. Programmheft des Leipziger Stadtparkrennens. Bildrechte: MDR/Peter Leichsenring
Leipziger Stadtparkrennen
Die Route beim Leipziger Stadtparkrennen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Richard Trenkel 1955 Stadtparkrennen Leipzig
Richard Trenkel, 1955. Zuschauer im Sonntagsstaat säumen jede Kurve. Bildrechte: Peter Leichsenring
Max Neuber 1955 Stadtparkrennen LE
1955: Rennfahrer Max Neuber. Bildrechte: MDR/Joachim Hering
Sepp Liebl 1956 Stadtparkrennen Leipzig
Sepp Liebl 1956 beim Leipziger Stadtparkrennen. Bildrechte: Peter Leichsenring
Neußner-Schneider - Strauß 1956 Stadtparkrennen Leipzig
Das Rennfahrer-Duo Neußner-Schneider/Strauß 1956. Bildrechte: MDR/Peter Leichsenring
Heinz Melkus 1957 Stadtparkrennen LE
Heinz Melkus 1957 beim Leipziger Stadtparkrennen. Bildrechte: MDR/Joachim Hering
Siegfried Lohmann 1958 Stadtparkrennen Leipzig
Siegfried Lohmann, 1958. Bildrechte: MDR/Peter Leichsenring
Alle (8) Bilder anzeigen

Der Katastrophenwinter 1978/79 Ein Land versinkt im Schnee

Zum Jahreswechsel 1978/79 fielen die Temperaturen plötzlich um fast 30 Grad Celsius und das Land versank im Schnee. Der Verkehr brach zusammen, die Insel Rügen war von der Außenwelt abgeschnitten. Momentaufnahmen.

Schneefräseneinsatz auf Rügen im Januar 1979
Die sowjetische "Zil"-Schneefräsmaschine, die 1.000 Tonnen Schnee in der Stunde wegräumen konnte, beim Einsatz auf der Insel Rügen. Bildrechte: MDR/Heinz Mittelbach
Schneefräseneinsatz auf Rügen im Januar 1979
Die sowjetische "Zil"-Schneefräsmaschine, die 1.000 Tonnen Schnee in der Stunde wegräumen konnte, beim Einsatz auf der Insel Rügen. Bildrechte: MDR/Heinz Mittelbach
Schneefräseneinsatz auf Rügen im Januar 1979
Meterhohe Schneewehen auf Rügen. Bildrechte: MDR/Heinz Mittelbach
Schneefräseneinsatz auf Rügen im Januar 1979
Die Zil-Schneefräse in Aktion. Bildrechte: MDR/Heinz Mittelbach
Schneefräseneinsatz auf Rügen im Januar 1979
Soldaten der NVA und Einsätzkräfte des Winterdienstes beim Einsatz auf Rügen. Rechts im Bild Heinz Mittelbach aus Stollberg im Erzgebirge, der mit seiner Zil-Fräse den Rügendamm freipflügte. Bildrechte: MDR/Heinz Mittelbach
WD10
Der Rostocker Hafen in Eisstarre. Bildrechte: Deutsches Rundfunkarchiv
WD09
Soldaten der NVA im Rostocker Hafen ... Bildrechte: Deutsches Rundfunkarchiv
WD08
... versuchen die Hafenbahn vom Schnee zu befreien. Bildrechte: Deutsches Rundfunkarchiv
Ein W50 von der Spedition "Ostseetrans" mit angebautem Schneepflug in Rostock.
Ein W50 von der Spedition "Ostseetrans" mit angebautem Schneepflug in Rostock. Bildrechte: Deutsches Rundfunkarchiv
Von der Fernautobahn Berlin-Rostock ist nur noch das Straßenschild zu sehen.
Von der Fernautobahn Berlin-Rostock ist nur noch das Straßenschild zu sehen. Bildrechte: Deutsches Rundfunkarchiv
Schneefräsen sind pausenlos im Einsatz ...
Schneefräsen sind pausenlos im Einsatz ... Bildrechte: Deutsches Rundfunkarchiv
Rückansicht Schneefräse, rechts meterhohe Schneewand.
... um wenigstens eine Fahrspur vom Schnee zu befreien. Bildrechte: Deutsches Rundfunkarchiv
von vorne aufgenommen: Pkw überholt Räumfahrzeug
Ein Fahrstreifen ist endlich wieder befahrbar. Am linken Bildrand ein Räumfahrzeug aus Halle, das zum Schneeräumen an die Küste beordert worden war. Bildrechte: Deutsches Rundfunkarchiv
von vorne aufgenommen: Traktor, beim Schneeräumen
Selbst Traktoren von landwirtschaftliche Betrieben müssen beim Schneeräumen halfen. Bildrechte: Deutsches Rundfunkarchiv
Stadtaufnahme aus Rostock - in einer Straßenflucht liegt Schnee meterhoch
"Schnee unter" in Rostock. Bildrechte: Deutsches Rundfunkarchiv
Soldaten der NVA beim Schneeräumen auf Rügen.
Soldaten der NVA beim Schneeräumen auf Rügen. Bildrechte: Deutsches Rundfunkarchiv
Schweres Räumgeraät der NVA im Einsatz im Tagebau Jänschwalde.
Schweres Räumgeraät der NVA im Einsatz im Tagebau Jänschwalde. Bildrechte: Deutsches Rundfunkarchiv
Alle (21) Bilder anzeigen

Seefahrt

Stasi-Unterlagen-Behörde

Bürgerrechtler und ihre Akten

Als die Stasi-Akten geöffnet wurden, offenbarte sich für viele Unglaubliches: Hier spitzelten Familienmitglieder, da überwachten 40 IM eine einzige Person jahrelang rund um die Uhr.

Gerd Poppe, 1992
Gerd Poppe Der Bürgerrechtler Gerd Poppe, der mit Robert Havemann und Wolf Biermann befreundet gewesen war, der für Untergrund-Zeitschriften geschrieben und in seiner Wohnung im Berliner Prenzlauer Berg legendär gewordene Lesungen verbotener Autoren veranstaltet hatte, musste nach einer ersten Einsicht in seine Stasi-Akten im Januar 1992 feststellen, dass ihn seit 1970 mehr als 40 Stasi-Spitzel quasi rund um die Uhr überwacht hatten. Bildrechte: dpa
Die Lyrikerin Sarah Kirsch, 1993
Sarah Kirsch Die Dichterin Sarah Kirsch, die 1977 die DDR in Richtung Westberlin verlassen hatte und auf die mehrere Dutzend Spitzel angesetzt waren, sagte nach dem Einblick in ihre Stasiakten am 2. Januar 1992 aufgebracht: "Ein IM von mir ist Hölderlin. Und welches Schwein sich hinter Hölderlin verbirgt, das möchte ich wissen!" Bildrechte: dpa
Lutz Rathenow, 1995
Lutz Rathenow Zu den ersten, die ihre Stasiakten einsehen durfte, gehörte auch Lutz Rathenow, Dichter vom Prenzlauer Berg: "Es finden sich ganz viele Dinge, die auf mein Leben, das Leben meiner Frau Einfluss nehmen sollen, so etwa ein Hinweis Anfang der achtziger Jahre, ob man nicht überprüfen könnte, uns den Kindergartenplatz wegzunehmen, damit wir nicht so viel Zeit für politische Aufgaben haben. Da sind schon ganz schöne Unverschämtheiten dabei." Bildrechte: dpa
Wolf Biermann
Wolf Biermann Am 15. Januar 1992 fuhr der Liedermacher Wolf Biermann nach Berlin, um seine Stasi-Akten einzusehen. "Unter den Aktendeckeln fanden sich alle wieder: die halben Helden und die ganzen Schweinehunde, die fast Guten, die fast Schlechten, die stillstarken Charaktere und die großmäuligen Schwächlinge, kleine Zuträger und Großkopferte aus dem Politbüro der SED", schrieb er kurze Zeit später im "SPIEGEL" (5/1992). "Es wimmelte von Freunden und Feinden, Tätern und Opfern. Alte Lieben, verblasste Kumpel …" Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Gerd Poppe, 1992
Gerd Poppe Der Bürgerrechtler Gerd Poppe, der mit Robert Havemann und Wolf Biermann befreundet gewesen war, der für Untergrund-Zeitschriften geschrieben und in seiner Wohnung im Berliner Prenzlauer Berg legendär gewordene Lesungen verbotener Autoren veranstaltet hatte, musste nach einer ersten Einsicht in seine Stasi-Akten im Januar 1992 feststellen, dass ihn seit 1970 mehr als 40 Stasi-Spitzel quasi rund um die Uhr überwacht hatten. Bildrechte: dpa
Vera Wollenberg, 1990
Vera Wollenberg Dass ihr eigener Mann sie unter dem Decknamen "Donald" jahrelang bespitzelt hatte, wusste die Bürgerrechtlerin Vera Wollenberger schon, als sie am 2. Januar 1992 ihre Stasi-Akten einsehen durfte. Ihr Mann hatte es ihr bereits gestanden. Hinweise auf dessen Spitzel-Tätigkeit gab es in den Akten nur wenige, aber "ich habe was gefunden", sagte Wollenberger. "Und das bedeutet vor allen Dingen, dass kein IM sich sicher sein darf, dass es keine Hinweise auf ihn geben wird." Bildrechte: dpa
Ulrike Poppe, 1994
Ulrike Poppe "Mich erschreckt die Detailtreue und auch die Engagiertheit in manch einem IM-Bericht. Es gibt auch Berichte, die diskreditierende Wertungen enthalten und wenn ich das vorfinde, von Freunden geschrieben, von denen ich annahm, sie sind meine Freunde, dann ist das sehr verletzend", sagte die Bürgerrechtlerin Ulrike Poppe am 2. Januar 1992. "Es tut richtig weh, weil es häufig gar kein politischer Schaden ist, sondern das missbrauchte Vertrauen ist das Schlimmere." Bildrechte: dpa
Jürgen Fuchs, 1994
Jürgen Fuchs In seinen Stasiaktenlas der Schriftsteller Jürgen Fuchs (1950-1999), der 1977 die DDR verlassen musste, unter anderem, dass der Stasioffizier, der die Idee entwickelt hatte, ihn mittels eines Autounfalls umzubringen, später frustriert feststellte: Der mit dem Fall beauftragte IM hätte rein gar nichts getaugt, denn die "Zielperson" lebe schließlich noch... Bildrechte: dpa
Bärbel Bohley, 1992
Bärbel Bohley Die Bürgerrechtlerin Bärbel Bohley sagte am 2. Januar 1992: "Im Grunde versucht man immer, den Decknamen aufzuschlüsseln. Wer war es? ..." Bildrechte: dpa
Alle (8) Bilder anzeigen

Geheimdienste im Osten: Wo sie residierten

Ihre Macht sollte sichtbar sein: Die Geheimdienste im Osten hatten ihre Zentralen meist in protzigen Gebäuden. Von dort aus bespitzelten sie die Menschen und hielten sie in Schach.

Das Archivbild vom 07.11.1990 zeigt das Denkmal von Felix Dserschinski, des Gründers des berüchtigten sowjetischen Geheimdienstes und KGB-Vorläufers Tscheka, vor einem großformatigen Leninporträt in Moskau.
UdSSR/Russland Die "Lubjanka" in Moskau, berüchtigter Sitz des KGB, ist bis heute Sitz des russischen Inland-Geheimdienstes FSB. Dort lagert auch ein Großteil der Akten, die der Geheimdienst seit 1917 angelegt hat. Viele Mitglieder der Regierung, aber auch wichtige Kräfte in Wirtschaft, Medien und öffentlichen Organisationen sind ehemalige Geheimdienstmitarbeiter. Auch der russische Präsident Putin ist ein ehemaliger KGB-Funktionär. Bildrechte: dpa
Das Archivbild vom 07.11.1990 zeigt das Denkmal von Felix Dserschinski, des Gründers des berüchtigten sowjetischen Geheimdienstes und KGB-Vorläufers Tscheka, vor einem großformatigen Leninporträt in Moskau.
UdSSR/Russland Die "Lubjanka" in Moskau, berüchtigter Sitz des KGB, ist bis heute Sitz des russischen Inland-Geheimdienstes FSB. Dort lagert auch ein Großteil der Akten, die der Geheimdienst seit 1917 angelegt hat. Viele Mitglieder der Regierung, aber auch wichtige Kräfte in Wirtschaft, Medien und öffentlichen Organisationen sind ehemalige Geheimdienstmitarbeiter. Auch der russische Präsident Putin ist ein ehemaliger KGB-Funktionär. Bildrechte: dpa
Die Zentrale des russischen Geheimdienstes FSB (davor KGB) am Lubjanka-Platz im Zentrum von Moskau.
An einer Aufarbeitung von Verbrechen des KGB ist der russische Machtapparat nicht interessiert. Doch auch in der Sowjetunion und dann in Russland gab es Ende der 1980er-, Anfang der 1990er-Jahre unter Gorbatschow und Jelzin Bestrebungen, die Macht des Geheimdienstes zu schwächen und die Archive teilweise der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Doch seit Putin Präsident ist, sind die Archivzugänge wieder deutlich beschnitten worden. Bildrechte: IMAGO
Innenhof des ehemaligen Ministeriums für Staatssicherheit, seit 1990 Forschungs- und Gedenkstätte Normannenstraße - Foto, 1991.
DDR/Deutschland Die Staatssicherheit der DDR hatte Ende der 1980er-Jahre 91.000 hauptamtliche und 174.000 informelle Mitarbeiter. Hauptsitz der Stasi war das Gebäude in der Normannenstraße in Berlin. Bildrechte: dpa
Berlin Lichtenberg, ehemalige Zentrale des DDR Ministerium für Staatssicherheit MfS.
In der DDR gab es in der Umbruchzeit heftige Debatten darum, ob die Akten zu vernichten oder zu veröffentlichen seien – im Einigungsvertrag war eigentlich die Vernichtung vorgesehen. DDR-Bürgerrechtler entschieden die Sache in einer beispielhaften Aktion jedoch in ihrem Sinne: Sie besetzten im September 1990 das Gebäude in der Normannenstraße und blieben so lange dort, bis ein Gesetz über die Gründung der Behörde des "Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR" in den Einigungsvertrag aufgenommen wurde. Seit Januar 1992 sind die Akten tatsächlich für die Öffentlichkeit zugänglich. Bildrechte: IMAGO
Bukarest
Rumänien Im alten Teil dieses Hauses saß die 5. Direktion der Securitate. Ihre einstige Aufgabe: der Schutz von hochrangigen Funktionsträgern der Partei, allen voran des Ceausescu-Diktatorenpaares. Das Haus wurde in den Revolutionstagen im Dezember 1989 fast vollständig zerstört und beherbergt heute den rumänischen Architektenverband.
Die Securitate, der rumänische Geheimdienst, hatte Ende der 1980er Jahre ca. 40.000 offizielle und 400.000 inoffizielle Mitarbeiter und gilt als einer der brutalsten des ehemaligen Ostblocks. 1989 wurde die kommunistische Diktatur blutig beendet. Mehr als 1.200 Menschen starben, viele wurden damals von Mitarbeitern der Securitate erschossen.
Bildrechte: MDR/Annett Müller
Bukarest
Am Hauptsitz der Securitate in Bukarest, heute ist hier der Landesverband der Beamten untergebracht, erinnert nichts an die Vergangenheit des Hauses. Die Aufarbeitung der Securitate-Verbrechen begann in Rumänien schleppend. 1999 wurde die Behörde "Nationaler Rat zum Studium der Securitate-Archive" gegründet. Von 2013 an wurden einigen früheren Securitate-Mitarbeiter der Prozess gemacht. 2012 änderte das rumänische Parlament die Strafgesetzgebung ab: Seitdem können Verbrechen gegen die Menschlichkeit nicht mehr verjähren. Doch trotz aller Aufarbeitung bestimmen ehemalige Securitate-Mitarbeiter oder ihre Kinder noch heute oft die Geschicke des Landes. Bildrechte: MDR/Annett Müller
Bukarest
Auch im einstigen Zentralkomitee der Kommunistischen Partei Rumäniens in der Innenstadt von Bukarest soll die Securitate vor 1989 Räume für Verhöre gehabt haben. Heute residiert im Haus das Innenministerium. Bildrechte: MDR/Annett Müller
Hinterhof
Albanien "Haus der Blätter" wird dieses Haus in der albanischen Hauptstadt Tirana genannt. Die ehemalige Abhörzentrale des Geheimdienstes des kommunistischen Landes soll im Januar 2016 als Museum zur Erinnerung an die Schrecken des Sigurimi eröffnet werden. Der albanische Geheimdienst Sigurimi war das am besten organisierte und funktionierende Instrument der Diktatur. Ende der 1980er Jahre hatte er 110.000 Mitarbeiter. Man schätzt, dass rund ein Drittel der Bevölkerung Spitzel waren. Nach zähem Ringen verabschiedete das albanische Parlament im April 2015 ein Gesetz, dass den öffentlichen Zugang zu den Akten ermöglichen soll und nun eine Aufarbeitung möglich macht. Doch viele Akten sind schon vernichtet worden, teils von Funktionären, teils bei den Unruhen in Albanien 1997. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Ernennungszeremonie für Offiziere vor dem Mostowski-Palast in Warschau, dem heutigen Sitz des Warschauer Polizeipräsidiums.
Polen Palac Mostowskich, heute Polizeipräsidium in Warschau, war Sitz des polnischen Geheimdienstes. Seit 1956 arbeitete der polnische Inlandsnachrichtendienst Służba Bezpieczeństwa als Teil des Innenministeriums an der Überwachung und Bespitzelung seiner Bürger. 1989 waren 24.300 feste Funktionäre und 90.000 inoffizielle Mitarbeiter dort beschäftigt.

1989 war Polen das erste Land des Ostblocks, in dem schon im Sommer teilweise demokratische Wahlen stattfanden. Danach regierten Opposition und Alt-Kommunisten gemeinsam das Land. Im Chaos der Neuorientierung konnten die alten Funktionäre der polnischen Staatssicherheit jedoch viele Akten vernichten. Etwa 30 Prozent der Unterlagen könnten zerstört sein, schätzt man heute.
Erst zehn Jahre nach der Wende wurde in Polen ein Gesetz verabschiedet, durch das die Akten öffentlich zugänglich gemacht werden wurden. Seit dem Jahr 2000 kümmert sich das neu gegründete Institut für Nationales Gedenken um das Erbe des Geheimdienstes. Seitdem überprüften die Mitarbeiter des Instituts rund 300.000 Polen, vor allem Personen des öffentlichen Lebens, auf ihre Kontakte zum Służba Bezpieczeństwa.
Bildrechte: IMAGO
Polizeigebäude in Prag
ČSSR/Tschechien Der tschechische Geheimdienst Státní bezpečnost, kurz StB beschäftigte Ende der 1980er Jahre etwa 18.000 hauptamtliche Mitarbeiter. Das ehemalige Kloster in der Bartolomejska wurde als Gefängnis genutzt. Auch Vaclav Havel saß dort in einer Zelle. Heute ist ein Teil des Gebäudes Hotel. Bildrechte: dpa
Hoch über den Dächern von Prag hat der Turm der St.-Nikolaus-Kirche.
Hoch über den Dächern von Prag bietet der Turm der St.-Nikolaus-Kirche einen schönen Ausblick. Das fand auch der StB und beobachtete die Lage von dort aus.
Nach der Auflösung des Geheimdienstes 1990 blieben die Akten noch mehrere Jahre geschlossen. Ab 1996 wurden mehrere Gesetze erlassen, die der Öffentlichkeit den Zugang zu den Akten ermöglichen sollten. 2007 nahm dann das "Institut für das Studium totalitärer Regime" seine Arbeit auf. Das Gegenstück zur deutschen Stasiunterlagen-Behörde sorgt dafür, dass die Akten tatsächlich von allen eingesehen werden können. Das Institut hat begonnen, die Unterlagen zu digitalisieren und im Internet für alle lesbar zu machen.

In Tschechien wurden seit Anfang der 1990er Jahre mehrere Listen mit den Namen zehntausender angeblicher Geheimdienstmitarbeiter veröffentlicht. Das führte zu einer kontroversen Diskussion, weil auf den Listen auch die Namen von Geheimdienstopfern auftauchten, etliche überführte IMs dagegen nicht erwähnt wurden.
Bildrechte: IMAGO
Haus des Terrors - Mahn- und Gedenkstätte für die Terror-Opfer der jüngeren Geschichte Ungarns.
Ungarn Das repräsentative Haus in der vornehmen Budapester Andrássy útca war 1944/45 Hauptquartier der ungarischen Nazipartei, der "Pfeilkreuzler". Im Winter 1945 wurde hier dann die Zentrale des Geheimdienstes des sozialistischen Ungarns, des Államvédelmi Hatóság (AVH), eingerichtet. Als 1949 auch in Ungarn die Revolution begann, ihre Kinder zu fressen, wurden in den Kellern Hunderte Kommunisten eingesperrt und gefoltert, um ihnen die aberwitzigsten Geständnisse für die stalinistischen Schauprozesse abzutrotzen. Auch Todesurteile wurden hier vollstreckt.
Nach der Niederschlagung des Volksaufstandes 1956 wurde der Geheimdienst AVH im Zuge der Entstalinisierung aufgelöst und ein Staatssicherheitsdienst beim Innenministerium installiert.
In die Andrássy útca 60 zog nun das Außenhandelsministerium ein und einige Jahre später der kommunistischen Jugendverband, der in den einstigen Folterkellern einen Klub eröffnete.
Seit 2002 ist das Gebäude ein Museum: Das "Haus des Terrors". Es beherbergt eine ständige Ausstellung, in der sowohl an die Opfer der "Pfeilkreuzler" als auch an die des Stalinismus erinnert wird.
Bildrechte: IMAGO
Alle (12) Bilder anzeigen
Berlin Lichtenberg, ehemalige Zentrale des DDR Ministerium für Staatssicherheit MfS.
In der DDR gab es in der Umbruchzeit heftige Debatten darum, ob die Akten zu vernichten oder zu veröffentlichen seien – im Einigungsvertrag war eigentlich die Vernichtung vorgesehen. DDR-Bürgerrechtler entschieden die Sache in einer beispielhaften Aktion jedoch in ihrem Sinne: Sie besetzten im September 1990 das Gebäude in der Normannenstraße und blieben so lange dort, bis ein Gesetz über die Gründung der Behörde des "Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR" in den Einigungsvertrag aufgenommen wurde. Seit Januar 1992 sind die Akten tatsächlich für die Öffentlichkeit zugänglich. Bildrechte: IMAGO

Spezial-Tipps

Hand an einer Maus
Bildrechte: colourbox.com