Exakt vom 09.03.2016 Geschädigte Eigentümer warten immer noch auf Zahlungen der Versicherung

Auch knapp ein Jahr nach dem Brandanschlag auf eine geplante Asylunterkunft im sachsen-anhaltischen Tröglitz wartet der Besitzer der betroffenen Immobilie noch immer auf Zahlungen der Versicherung. Bisher konnte er das Gebäude nicht sanieren. Im „exakt“-Interview äußerte sich der Eigentümer Volker Bückmann jetzt zum ersten Mal öffentlich nach dem Brand: „Ich hatte zu dem Zeitpunkt nicht einmal den Eindruck, dass ich mit der Versicherung einen so langen Weg vor mir haben werde, wie ich ihn jetzt habe.“, erklärt Bückmann. Er fühle sich mit seinem Brandschaden im Stich gelassen: „Das ist eine Belastung und das wäre weitaus einfacher zu ertragen, wenn sie zumindest wirtschaftlich wüssten, dass sie die entsprechende Unterstützung der Versicherung haben.“

Der Schaden an seinem Haus in Tröglitz geht in den mittleren sechsstelligen Bereich. Bisher habe er aber nur ein Drittel der Summe erhalten. Die Versicherung wollte sich auf Anfrage von „exakt“ nicht zu dem Fall äußern.

Kurz nach der Wende hat Volker Bückmann das Mehrfamilienhaus als Altersvorsorge gekauft. Ende 2014 kam der Landkreis auf ihn zu und wollte seine Wohnungen für Flüchtlinge anmieten. Es folgten Demonstrationen. Bald darauf brannte das Haus. Es war einer der ersten großen Brandanschläge auf eine geplante Asylunterkunft in Deutschland in der aktuellen Flüchtlingskrise. Laut Staatsanwaltschaft Halle dauern die Ermittlungen in dem Fall immer noch an.

Auch im sächsischen Dippoldiswalde kämpft ein Geschädigter um eine Schadensregulierung mit der Versicherung. Unternehmer Hendrik Schwarz wollte 68 Wohncontainer an den Landkreis zur Unterbringung von Flüchtlingen verkaufen. Diese wurden jedoch in der Nacht vom 31.10.2015 von Unbekannten niedergebrannt.

Der Schaden belaufe sich auf mindestens 200.000 Euro, so Schwarz. Gezahlt habe die Versicherung aber erst etwa 1/7 der Versicherungssumme, 30.000 Euro, so der Unternehmer im Interview mit dem MDR-Magazin. Hendrik Schwarz ist ernüchtert: „Im Nachgang kann man nur sagen, man kann es keinem empfehlen. Man kann das Land auch nicht unterstützen. […] Weil es einfach so ist, die Möglichkeiten, die man dort stellt, die werden randaliert, abgebrannt und zerstört und im Nachgang hat man noch den großen Schaden an der Backe.“

Die zuständige Versicherung erklärte auf „exakt“-Anfrage: „Im Falle von Brandstiftung warten wir grundsätzlich das Ergebnis der polizeilichen Ermittlungen ab. Diese sind bisher nicht abgeschlossen.“ Das Operative Abwehrzentrum der Polizei bestätigte dem MDR-Magazin, dass die Suche nach den Schuldigen noch andauert.

Wie das Bundeskriminalamt „exakt“ mitteilte, gab es in diesem Jahr bereits 26 Brandstiftungen gegen Asylunterkünfte (Stand 7.3.2016). Im gesamten letzten Jahr waren es 94. Noch im Jahr 2014 zählte man lediglich 6 Brandstiftungen gegen Asylunterkünfte.

Zuletzt aktualisiert: 10. März 2016, 13:57 Uhr

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10 Kommentare

10.03.2016 00:26 Stefan Roth 10

Ihr Mitleid mit den Hauseigentümern ist in materieller Hinsicht nicht ganz sinnig: Das erhöhte Risiko bei Vermietung an Zuwanderer ist bekannt, aber dem entspricht, dass pro Nacht und (Doppelstock)Bett zwischen 25 € und 50 € erlöst werden.

10.03.2016 14:52 Ichich 9

@Lohsa. "Für diesen Menschen-Hass gibt es keine Entschuldigung." Absolut ! Und deshalb warte ich darauf, daß bei dem Dutzend Körperverletzungen und zwei Dutzend Brandanschlägen allein in Leipzig in den letzten 15 Monaten endlich Fahndungsergebnisse vorgezeigt werden können.

10.03.2016 13:37 Lohsa 8

Das Jahr ist mal gerade erst 10 Wochen alt - und es gab schon 26 Brandstiftungen gegen Asylunterkünfte. Hier sind Verbrecher am Werk, die eine Gefahr für die Öffentlichkeit darstellen. Ich möchte nicht mit Landsleuten zusammen leben, die anderen das Dach über dem Kopf anzuzünden. Für diesen Menschen-Hass gibt es keine Entschuldigung. Hoffentlich werden möglichst viele der Gangster gefasst. In Meißen und Salzhemmendorf konnten die rechtsradikalen Brandstifter ja schon ermittelt werden. Diese Typen haben sich nun das Leben versaut und dürfen für ihre menschenverachtende Brandstiftung die Verantwortung übernehmen. Viel Spaß dabei.

10.03.2016 12:56 ReiTew-Morske. 7

@Erna: Bei jedem Verbrechen dieser Größenordnung untersucht die Polizei auch das Umfeld der Opfer. Das ist nichts besonderes, es ist ganz normal. Die Versicherungen kennen das, es ist ja deren Beruf. Das gibt der Versicherung nichts "zu denken". Sie schreiben selber ja: "Herr Bückmann war zeitweise Teil der Ermittlungen.". Richtig. Er war. Das ist Routine-Arbeit der Polizei. Es liegt hier aber nichts gegen ihn vor. Die Ermittlungen haben nichts gegen ihn ergeben. Er ist das Opfer. Feige Verbrecher haben ihm das Haus angezündet und zerstört.

10.03.2016 11:52 mattotaupa 6

@#3: "Sind das nicht ein bisschen viel ungeklärte Brände für eine Person?" nur wenn sie der deutschen sprache nicht mächtig sind und "Volker Bückmann" für aussieht wie "Hendrik Schwarz" oder sie annehmen "Asylunterkünfte" mit 6 (2014), 94 (2015) oder 26 (1.1. - 7.3.16) bränden werdne alle von einer einzigen person gestellt/angezündet oder sie den kommentierten artikel einfach nicht gelesen haben. was wollen sie als nächstes loswerden/unterstellen?

10.03.2016 08:41 Erna 5

Herr Bückmann war selber zeitweise Teil der Ermittlungen. Warum steht dazu nichts im Beitrag? Denn diese Tatsache gibt natürlich einer Versicherung zu denken, davor ein Schaden reguliert wird. Da man von Brandstiftung ausgeht ist es auch vollkommen normal, dass eine Versicherung vor einer vollständigen Schadensregulierung die Ermittlungen der Polizei/Staatanwaltschaft abwartet.

10.03.2016 08:11 martin 4

Gibt es abschließende Ermittlungsergebnisse zu dem oder die TäterInnen?

10.03.2016 07:59 Paul 3

Sind das nicht ein bisschen viel ungeklärte Brände für eine Person?

09.03.2016 00:27 Querdenker 2

Das die Versicherung erst mit Abschluss der Ermittlungen zahlt ist verständlich. Je nach Ausgang der Ermittlungen muss die Versicherung nicht zahlen. Nicht zu verstehen ist die Bundesregierung. Denn die will ja offenbar auch nicht (übergangsweise) unterstützen? Die könnte ja erst mal etwas Geld auslegen. Es ist eigentlich genau so wie ich befürchtet hatte. Wer Räumlichkeiten zur Verfügung stellt, hat wenn was passiert den Ärger. Als Hausbesitzer würde ich mich nur darauf einlassen, wenn ein Vertrag für solche Fälle gemacht wird.

09.03.2016 23:11 Hans 1

Ich wußte gar nicht, daß bei Brandstiftung die Versicherung bezahlt.