Zwei Polizeiwagen stehen in der Nacht auf dem leipziger Ring.
Bildrechte: TelenewsNetwork

Exakt vom 17.06.2015 Ohne politische Motivation - Linksextreme Gewalt in Leipzig

Zwei Polizeiwagen stehen in der Nacht auf dem leipziger Ring.
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"Haltet den Blick immer auf die Dunkelheit - der Aufstand wird kommen" - mit dieser Drohung endet das Bekennerschreiben, das sich an die Spitzen der Stadt Leipzig richtet. Schon seit Wochen ist die Messestadt Zentrum linksautonomer Gewalt. Vermummte randalieren in der Innenstadt, zerstören Autos, besudeln Fassaden und greifen Polizisten an. Die linksextremen Gewaltexzesse in Leipzig haben mittlerweile ein Ausmaß angenommen, das den Verfassungsschutz auf den Plan ruft.

Freitag vor zwei Wochen. Am Rand der Leipziger Innenstadt randalieren 100 vermummte Linksautonome - angeblich wegen des G-7-Gipfels in Bayern. Das Ergebnis: Teure Scherben. Teerbeutel und Steine fliegen gegen Polizisten, die das US-Konsulat bewachen - zwei Beamte werden leicht verletzt. Seit Monaten häufen sich in Leipzig sorgfältig vorbereitete Blitzaktionen von Linksextremisten. Dieses Jahr wurden bereits 95 Gewaltdelikte gezählt - die meisten in Verbindung mit Demonstrationen des Leipziger Pegida-Ablegers Legida. Doch mittlerweile stehen im Fadenkreuz der Linksautonomen vor allem staatliche Einrichtungen und Polizeibeamte.

Im Januar attackierten 30 Vermummte aus dem Nichts den  Polizeiposten in Connewitz. 70 Steine knallten gegen die Fenster - Spuren zeigen noch heute, dass einige Angreifer versuchten, die Tür aufzuhebeln. Die beiden Beamten erlitten einen Schock. Der Angriff auf die Polizeistation hat bei den Polizisten Spuren hinterlassen, die bis heute nachwirken.

Wir wissen nicht, wie wir reagieren sollen, wenn dort mal wieder was passiert. Was machst Du, wenn Du drin sitzt als Mensch und dann kommen so hundert vermummte Typen auf dich zu. Würdest Du schießen? Pfefferspray? Versuchst Du noch, in einen Streifenwagen zu flüchten, dass Du abhauen kannst? Nach mir die Sintflut, ich will da nicht drinsitzen wie die Ratte, die gefangen ist.

Polizist

Um sich zu schützen, trägt der Beamte keine Uniform mehr, wenn er zur Arbeit oder nach Hause fährt. Schon länger registriert die Polizei, dass Linksextremisten vor der Privatsphäre keinen Halt machen. Nach den Krawallen vor zwei Wochen hat das sächsische Innenministerium den Verfassungsschutz öffentlich aufgefordert, mehr und bessere Informationen über die Leipziger Szene zu liefern. Verfassungsschutzchef Gordian Meyer-Plath warnt vor einer Radikalisierung.

Die Anzahl und die Frequenz der Straftaten hat zugenommen und auch nachdem 2014 insbesondere Rechtsextremisten oder vermeintliche Rechtsextremisten im Fokus dieser Gruppierungen standen, ist es nun der gesamte demokratische Rechtsstaat. So auch die Bekennerschreiben, die sich ganz klar aufgefächert haben in die Richtung, wir greifen die Institutionen des Staates an.

Gordian Meyer-Plath, Verfassungsschutzchef Sachsen

Doch wie tickt die linksextreme Szene? Wie werden Blitzaktionen wie vor zwei Wochen organisiert? Mittels einer verschlüsselten Nachricht, luden Leipziger Linksautonome bundesweit Gleichgesinnte zu den jüngsten Randalen nach Sachsen ein. Exakt konnte das Schreiben einsehen. Ziel der ganzen Aktion sei dabei aber natürlich möglichst hoher Sachschaden an den genannten Objekten, das geht aus dem Aufruf der Linksextremen hervor. Als Ziele der gewalttätigen Übergriffe werden Staatsanwaltschaft, Polizeidirektion und Rathaus definiert. Ein Insider erklärt Selbstverständnis und Motive der Leipziger Szene.

Das Ziel möglichst hoher Sachschaden steht stellvertretend für eine Situation, wo man nicht agieren kann. Wenn alles so abgeschirmt wird, kann man nicht nach Elmau fahren und dort politische Botschaften transportieren. Dann machen wir eben in unserer Stadt was, da kennen wir uns aus. Warum man gegen einzelne Schutzpolizisten vorgeht? In dem Moment, wo die Polizei sich in den Weg stellt, zeigt man seine Entschlossenheit auch darüber, dass man die Fahrzeuge und die Polizisten angreift.

Insider

Doch wie kann man mit ungehemmten Gewaltaktionen gegen staatliche Einrichtungen und Polizisten seine politischen Ziele durchsetzen? Für den Leipziger Gewaltforscher Alexander Leistner haben der Hass und die Angriffe wenig mit Politik zu tun.

Irritierend war, dass sie ohne politische Forderung auskamen, dass es eine stumme Gewalt war, die sich nicht die intellektuelle Mühe macht, sich zu erklären. Gründe noch einmal zu plausibilisieren, Motive noch einmal offenzulegen. Gepaart mit dem "Es kotzt uns an"-Gestus, mit dem Schweigen über politische Forderungen, der legt es nahe, dass man sehr zugespitzt von Wutautonomen sprechen kann, fast. Wo Wut nicht mehr der Auslöser und das Motiv ist, sich politisch zu engagieren, sondern wo Wut selber zur Aktionsform wird und offenbar zum Selbstzweck.

Alexander Leistner, Gewaltforscher, Deutsches Jugendinstitut Halle

Also doch nur Gewalt und Zerstörungswut zum Selbstzweck? - Juliane Nagel ist bei politischen Gegnern umstritten, aber überall in der linken Leipziger Szene respektiert. Sie würde vermitteln. Bisher scheitere das an der Polizei, vor allem aber an den Wutautonomen. Die Linke Politikerin kann aber auch keine Dialogbereitschaft bei den Linksautonomen erkennen.

Ich denke, dass die Gruppierungen, die Gewalt jetzt auch ausüben, ganz direkt sich einer Diskussion entziehen und dass für sich behauptet wird, dass die eigene Aktionsform nur die Richtige ist und niemand darüber zu richten hat, selbst nicht in einer linken Szene, dass das gut oder schlecht wäre.

Juliane Nagel, Landtagsabgeordnete Sachsen, Linke

Mittlerweile haben die Randalierer ein Bekennerschreiben nachgeschoben. Sie kündigen weitere Attacken auf die "Schweine" von Staat und Polizei an.

Zuletzt aktualisiert: 17. Juni 2015, 23:25 Uhr

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1 Kommentar

19.06.2015 23:03 Matzel 1

Die linke Szene,gerade die jetzt agierende Antifa, werden von amerikanischen Geheimdiensten finanziell unterstützt. Ziel ist Chaos zu verbreiten um von wirklichen Problemen abzulenken. Also links gegen rechts und rechts gegen links. Wir lassen uns dabei ja auch prima verarschen. Hier müsste man tiefer und neutral recherchieren. Steht alles im Internet und lest mehr Bücher. Der Ferndseher bleibt aus. Da werden wir sowieso nur verarscht.