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Hintergrund : Der Krankenhauskeim MRSA

Zu den häufigsten Infektionserregern im Krankenhaus zählen die sogenannten Methicillin-resistenten Staphylococcus aureus-Stämme (MRSA). Zu typischen Erkrankungen, die sie hervorrufen, zählen Wundinfektionen, schwere Lungenentzündungen oder Blutvergiftung (Sepsis). Staphylococcus aureus ist ein Bakterium, das üblicherweise bei rund 30 Prozent aller Menschen auf der Haut oder in den oberen Atemwegen vorkommt. Im Normalfall löst es keine Krankheiten aus. Hat das Bakterium aber Resistenzen gegen mehrere wichtige Antibiotika gebildet, sich als zum MRSA-Keim entwickelt, ist es schwer zu bekämpfen. Im Krankenhaus kann sich der Keim besonders gut einnisten, denn in vielen Fällen ist das Immunsystem der Patienten geschwächt.

Deutschland im Kampf gegen den Keim nur Mittelmaß

Erstmals beschrieben wurde MRSA in den 1960er-Jahren in Großbritannien. Bis in die 1990-er Jahre tauchte der Erreger nahezu ausschließlich in Krankenhäusern auf, später auch außerhalb und bei Nutztieren. Hochrechnungen für Erkrankungen in deutschen Krankenhäusern basieren auf Daten des Krankenhaus-Infektions-Surveillance-Systems (KISS). In Deutschland traten demnach 2008 132.000 MRSA-Infektionen in Krankenhäusern auf. In rund 30.000 Fällen tauchte der MRSA-Erreger erstmals im Krankenhaus auf. 2010 berechnen sich aus den Daten ca. 181.000 MRSA-Infektionen in Krankenhäusern, davon 28.000, die erstmals im Krankenhaus auftraten.

Das "European Centre for Desease Prevention and Control" führt ebenfalls eine Statistik über resistente Keime. Laut des aktuellen Reports gehörte Deutschland unter insgesamt 28 europäischen Staaten zu den vier Ländern, die 2010 eine deutlich steigende Zahl von MRSA-Fällen aufwies. Insgesamt bewegt sich Deutschland in der Statistik im Mittelfeld. Die wenigsten MRSA-Fälle treten in den Skandinavischen Ländern auf. Sehr gute Zahlen kommen auch vom deutschen Nachbarn, den Niederlanden. Im Durchschnitt 1,2 Prozent der Staphylococcus aureus-Stämme sind hier MRSA-Keime.

Verbreitung von MRSA-Keimen in Europa 2010

Händewaschen rettet Menschenleben

Hauptüberträger von MRSA-Keimen sind im Krankenhaus meist Ärzte und Pflegepersonal. Wichtigste Maßnahme ist daher die Händedesinfektion. So drastisch es klingt: Händewaschen kann Menschenleben retten, nur so werden Keime nicht von Patient zu Patient getragen. Da in Deutschland nicht jeder Patient auf resistente Keime untersucht wird, wissen Pfleger und Ärzte oft nicht, von welchen Patienten eine besondere Gefahr ausgeht.

Ganz anders in den Niederlanden. Der Staat gilt als Vorbild im Kampf gegen resistente Krankenhauskeime. Jeder Patient wird dort vor der Aufnahme in ein Krankenhaus auf MRSA untersucht. Patienten, die den Keim am Körper tragen kommen auf isolierte Stationen. Ärzte und Mediziner tragen Schutzkleidung bei der Behandlung, Hygienefachärzte überwachen die Standards in den Kliniken. In Deutschland verfügen dagegen nur fünf Prozent der Kliniken über einen Hygienearzt.

Falscher Umgang mit Antibiotika fördert Resistenzbildung

Um resistente Keime einzudämmen, fordern Ärzte und Wissenschaftler auch den besonneneren Umgang mit Antibiotika. Bakterien sind gewissermaßen lernfähig und haben Methoden entwickelt, sich gegen das Antibiotikum zu wehren, so dass es seine Wirkung nicht entfalten kann. Studien zeigen: Je mehr in einem Land Antibiotika verordnet weden, desto größer ist die Ausbreitung von MRSA.

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Zuletzt aktualisiert: 28. Mai 2013, 07:26 Uhr

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