Exakt exklusiv | 09.11.2016 Mehr Straftaten gegen Ausländer in Sachsen und Sachsen-Anhalt

Die fremdenfeindliche Stimmung in Deutschland bewegt sich auch in diesem Jahr auf einem hohen Niveau. In Thüringen etwa wurden im ersten Halbjahr 63 politisch motivierte Straftaten gegen Flüchtlinge und Asylbewerber begangen, wie ein Sprecher des Landeskriminalamtes dem MDR-Magazin Exakt mitteilte.

In Sachsen-Anhalt sind seit Januar 182 politisch motivierte Straftaten gegen Ausländer verübt worden, darunter 116 gegen Flüchtlinge und Asylbewerber. Das entspricht LKA-Angaben zufolge einem Anstieg von 65 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

In Sachsen haben sich fremdenfeindliche Übergriffe auf Flüchtlingsunterkünfte im ersten Halbjahr im Vergleich zum Vorjahreszeitraum mehr als verdoppelt. Wurden zwischen Januar und Juni 2015 noch 25 politisch motivierte Straftaten gegen Unterkünfte registriert, waren es ein Jahr später bereits 70, wie ein LKA-Sprecher mitteilte. "Die asylfeindliche, sich radikalisierende und letztlich Gewalt fördernde Stimmung in Teilen der Gesellschaft spiegelt sich insbesondere in Straftaten gegen Asylunterkünfte wieder."

Bereits am Freitag hatte das Bundeskriminalamt mitgeteilt, dass es in diesem Jahr bundesweit mehr als 800 Straftaten gegen Asylunterkünfte und mehr als 1.800 Straftaten gegen Asylbewerber und Flüchtlinge gab. Zwar seien die Fallzahlen bundesweit seit Februar deutlich zurückgegangen, dennoch bewegten sie sich noch immer auf hohem Niveau.

Der Soziologe und Rechtsextremismusforscher Matthias Quent vom Institut für Demokratie und Zivilgesellschaft Jena spricht von einer Bankrotterklärung gegenüber dem Grundgesetz. Er kritisiert, dass die Steigerung des Gewaltpotentials in der Gesellschaft nicht wahrgenommen wird: "Man hat sich tatsächlich in der öffentlichen Debatte daran gewöhnt. Dieser Prozess der Normalisierung ist fast noch bedenklicher als die Zunahme der Gewalt."

Zuletzt aktualisiert: 16. November 2016, 20:20 Uhr

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