Exakt

Exakt - Die Story | MDR FERNSEHEN | 20.11.2013 | 20:45 Uhr : Die Wunderhändler - Geschäfte mit dem Übersinnlichen

Ein Film von Adrian-Basil Mueller

Manchen macht es einfach nur Spaß, am Frühstückstisch das Horoskop in der Zeitung zu lesen. Für andere ist der Stand der Sterne bitterer Ernst. Aber warum glauben so viele an Wünschelruten, Handauflegen und Co.? Ist es die Suche nach innerer Zufriedenheit und persönlichem Lebensglück? Im Rahmen der ARD-Themenwoche "Zum Glück" wirft "Exakt - Die Story" einen Blick hinter die Kulissen einer florierenden Branche und zeigt die Gefahren, die von ihr ausgehen.

Eine Frau hat in ihrer linken Hand eine Kristallkugel und in der anderen Hand ein Pendel.

Rund fünfzig esoterische Messeveranstaltungen touren hierzulande regelmäßig von Stadt zu Stadt. Allein in Deutschland werden die Umsätze, die mit esoterischen Produkten und Dienstleistungen erzielt werden, auf 30 Milliarden Euro geschätzt. Ein Gang über die Leipziger Esoterikmesse zeigt, wie schnell den Besuchern das Geld aus der Tasche gezogen wird. 30 Euro verlangt eine Hellseherin von einer Rückenschmerzen-Geplagten für den Tipp, doch einfach aufrecht zu gehen. An einem anderen Stand kann man eine Energiepyramide für 400 Euro erstehen, die der Aura guttut - und eine stumpfe Rasierklinge angeblich über Nacht wieder scharf macht.

Ursula Caberta
Ursula Caberta

Ein Mann bietet Handlesen per Computerscanner für zehn Euro pro Hand an. Seine Beratungen seien eintausend Mal genauer, als das Auge erkennen kann, verspricht er. Nicht weit von ihm analysiert ein Chakra-Experte für 30 Euro die Gesundheit des Messebesuchers - und schafft vielleicht Ängste, die dann gleich am Stand mit den Energiediamanten beseitigt werden können. Viele selbsternannte Heilsbringer bieten auf den Messen medizinische Diagnostik und Beratung an. Doch das sei ausschließlich Aufgabe eines Heilberufes, kritisiert Ursula Caberta, die sich in der Behörde für Inneres der Stadt Hamburg mit neureligiösen und ideologischen Gemeinschaften beschäftigt.

"Jeder Besuch einer Esoterikmesse kann der Einstieg sein in den Verlust der Selbständigkeit, den Verlust der eigenen Gedanken, in den Verlust der eigenen Intelligenz und Klarheit."

Ursula Caberta, Autorin des "Schwarzbuch Esoterik"

Wenn Esoterik abhängig macht

Joachim Huessner
Joachim Huessner verlor seine Frau.

Vor solchen Messen kann Joachim Huessner nur warnen, denn seine Frau interessierte sich auch für Esoterik. Bei ihr fing es mit Heilsteinen und Kartenlegen an. Doch die Krankenschwester geriet immer tiefer in die Szene und zog schließlich ins Nachbardorf, weil ihr die Energien zu Hause nicht mehr gutgetan hätten. Sie litt zunehmend an Realitätsverlust und beging schließlich Selbstmord. Huessner verarbeitete dieses Trauma in einem Buch, das er schrieb. Sein Rat: Angehörige sollten sofort reagieren, wenn sich ein Familienmitglied mit esoterischen Angeboten, Sekten und Psychogruppen beschäftigt.

Der Verein "Vikas" im vogtländischen Syrau beobachtet seit 2006 die Entwicklung der Esoterikszene in Sachsen und Thüringen. Vereinsgründer Wolfgang Rühle spricht aus eigener Erfahrung, denn sein Sohn ist in eine Psychogruppe abgedriftet. Über einen Arbeitskollegen kam der Sohn in die Gemeinschaft der Osho-Sannyasins, die eine völlige Ablösung von der Familie und dem alten Leben fordert. "Die Sprache der Esoteriker ist so schön verschwommen, bewusst verschwommen aus meiner Sicht, dass man alles rauslesen kann aus den Angeboten", warnt Wolfgang Rühle.

Wissenschaftliche Auseinandersetzung notwendig

Wolfang Raschky
Wolfgang Raschky will mit dem Pendel Bio-Eier finden.

An der Universität Würzburg lädt die Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften e.V. (GWUP), deren Mitglieder sich "Die Skeptiker" nennen, zum alljährlichen Psi-Test. In sogenannten randomisierten kontrollierten Studien geben sie Wünschelrutengängern und Auspendlern die Chance, ihr Können unter Beweis zu stellen. Wer Erfolg hat, dem verspricht die GWUP ein Preisgeld von 10.000 Euro. Einer der Anwärter auf das Preisgeld ist Wolfgang Raschky, der behauptet, biologische von konventionellen Lebensmitteln mittels seines Pendels unterscheiden zu können.

Dr. Martin Mahner von der GWUP mahnt: "Es ist diesen Esoterikern und Parawissenschaftlern durchaus gelungen, die Universitäten zu infiltrieren. Gerne wird das über Stifungsprofessuren gemacht." Eine solche Stiftungs-Professur gibt es zum Beispiel am Institut für transkulturelle Gesundheitswissenschaften an der Europa-Universität Viadrina (Frankfurt/Oder). Hier kann man Masterarbeiten wie beispielsweise zum sogenannten Kozyrev-Spiegel, mit dem man unter anderem Ufos sehen kann, schreiben. Das hat der Universität inzwischen den Ruf als Hogwarts an der Oder (bezugnehmend auf die Zaubererschule in "Harry Potter") eingehandelt.

Zuletzt aktualisiert: 15. November 2013, 17:14 Uhr

Wiederholung

MDR FERNSEHEN | 21.11.2013 | 01:10 Uhr

Esoterik

"Der Begriff Esoterik (griech. esoterikos, innerlich; Gegensatz: exoterisch, nach außen gewandt) bezeichnete ursprünglich eine Geheimlehre, die nur einem Kreis von Eingeweihten zugänglich ist. Heute wird 'Esoterik' als Sammelbegriff für verschiedene Modelle der Welterkenntnis verwendet, gemeinsam sind ihnen der Anspruch auf ein 'höheres' Wissen und die Ablehnung von wissenschaftlichen Methoden der Erkenntnisgewinnung."

Quelle: www.gwup.org

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