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FAKT | Das Erste | 18.07.2011 | 21:45 Uhr : Studie belegt Fremdenfeindlichkeit in der Bundeswehr

Die Bundeswehr sucht für Auslandseinsätze Personal. Ideal wären auch Soldaten mit Migrationshintergrund. Doch die sind in der Bundeswehr zum Teil Fremdenfeindlichkeit und Rassismus ausgesetzt. Das geht aus einer unter Verschluss gehaltenen Studie hervor, die FAKT exklusiv vorliegt.

Freiwilige Soldaten aus unterschiedlichen Ländern dienen gemeinsam in der Bundeswehr.
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Fremdenfeindlichkeit in der Bundeswehr

Migranten haben es schwer in der Bundeswehr - das hat eine Studie ergeben. Diese wird allerdings geheim gehalten.

18.07.2011, 21:45 Uhr | 05:55 min

Zwölf Prozent der Soldaten in der Bundeswehr haben mittlerweile einen Migrationshintergrund. Ihre Vorfahren stammen aus der Türkei und anderen Ländern. Und das bekommen sie durchaus auch zu spüren. Denn eine vertrauliche Studie des Sozialwissenschaftlichen Instituts der Bundeswehr hat ergeben, dass in der Truppe Rassismus und Fremdenfeindlichkeit offensichtlich keine Seltenheit sind. Darin heißt es unter anderem, dass sich Rassismus und Fremdenfeindlichkeit vor allem auf die Grundausbildung konzentrieren, auf die unteren Mannschaftsdienstgrade und auf den Osten Deutschlands.

Beschimpfungen gehören zum Alltag

Bundeswehr-Soldaten unterschiedlicher Abstammung
Mehr als jeder zehnte Soldat bei der Bundeswehr hat einen Migrationshintergrund.

Betroffene Rekruten mit türkischem oder arabischem Migrationshintergrund werden nach eigener Aussage als "Ali", "Monchichi" oder "Dönermann" beschimpft. Ein Stabsunteroffizier, der anonym bleiben will, beklagt, dass ihm in der Kantine oft Schweinefleisch "untergejubelt" wurde. Dabei sei bekannt, dass Muslime kein Schweinefleisch essen. Der Stabsunteroffizier spricht von viel Unwissen und Ignoranz in der Truppe. Es gebe viele Vorurteile. Ein türkisch-stämmiger Hauptgefreiter erklärt, dass von ihm ständig 200 Prozent Leistung erwartet werde. Wenn er mal einen Fehler mache, heiße es gleich, man habe es auch nicht anders erwartet.

Praktizierende Muslime unter besonderer Beobachtung

Dabei geht aus der Studie auch hervor, dass die Rahmenbedingungen für Soldaten mit Migrationshintergrund eigentlich stimmen. Die Bundeswehr bemühe sich, auf spezielle religiöse Vorschriften wie die Ernährungsregeln zu achten. Ein Versäumnis gibt es allerdings: In den Streitkräften fehlt noch immer ein islamischer Geistlicher, obwohl die dafür notwendige Zahl von 1.200 muslimischen Soldaten überschritten ist.

Verteidigungsministerium hat Probleme erkannt

Für die Studie haben die beiden Autorinnen 18 Soldaten mit ausländischen Wurzeln befragt. Trotz der relativ kleinen Stichprobe gehen sie davon aus, dass die Ergebnisse Tendenzen aufzeigen. Und obwohl die Studie nicht repräsentativ ist, hat auch das Verteidigungsministerium das Problem erkannt. Oberst Klaus-Dieter Bermes räumt in FAKT Handlungsbedarf ein: Der Fehler müsse analysiert und behoben werden. Wichtig sei vor allem, dass dieser Fehler nie wieder auftrete.

Verein will für Toleranz eintreten

Auch die Migranten in der Bundeswehr selbst werden aktiv. Einige von ihnen haben in Hamburg einen Verein gegründet, um innerhalb der Truppe für mehr Toleranz zu werben. Der Vorsitzende, Hauptmann Ntagahoraho Burihabwa, erklärt, worum es ihnen geht:

"Die Kernbotschaft, die wir transportieren wollen, ist, dass es nicht nur Migranten gibt, die sich mit den Normen und Werten Deutschlands identifizieren können. Sondern, dass es sogar Migranten gibt, die bereit sind, für diese Werte ihr Leben zu lassen."

Hauptmann Ntagahoraho Burihabwa, Vorsitzender des Vereins "Deutscher.Soldat"

Zuletzt aktualisiert: 21. Juli 2011, 00:45 Uhr


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