Untersuchung Tiere aus Bio-Betrieben nicht gesünder als andere

Tiere aus biologischer Haltung sind nach einer Untersuchung der Universität Kassel nicht gesünder als jene aus industriellen Mastbetrieben. So hat der Fachmann für Tiergesundheit, Prof. Albert Sundrum bei der Untersuchung von Schlachtkörpern ermittelt, dass Tiere aus Bio-Haltung sogar mehr Krankheitsbefunde aufweisen als jene aus konventioneller Haltung.

Sundrum sagte dem ARD-Magazin FAKT: "Wir können nicht sagen, dass es den ökologisch gehaltenen Tieren grundsätzlich bezüglich der Gesundheit besser geht." Das sei weder bei Schweinen feststellbar noch bei Geflügel oder Milchkühen. Zwar hätten Tiere in Bio-Betrieben deutlich mehr Möglichkeiten für artgerechtes Verhalten. "Aber eine Haltungsbedingung ist nicht gleichbedeutend mit einer besseren Gesundheit."

Ein Beispiel für diesen Befund liefert nach FAKT-Recherchen einer der Vorzeigebetriebe der Bio-Branche, die Hermannsdorfer Landwerkstätten in Bayern. Tierschützer werfen dem Unternehmen vor, intensiv Medikamente und Hormone einzusetzen. Geschäftsführer Karl Schweisfurth sagte im Gespräch mit FAKT, rund 15 Prozent der Schweine aus seinem Stall hätten in diesem Jahr Antibiotika bekommen.

Ungewöhnlich hoch waren zumindest für das zurückliegende Jahr die Mortalitätsraten bei den Tieren in dem Betrieb - trotz guter Haltungsbedingungen mit reichlich Auslauf und Platz im Stall. In den ersten sechs Monaten des Jahres 2015 lagen sie bei den lebend geborenen Schweinen bei 30 Prozent. Nach Einschätzung des Ingolstädter Veterinäramts ist dieser Wert zu hoch. Die normalen Mortalitätsraten lägen bei zehn Prozent, in schlechteren Betrieben auch mal bei 20 Prozent, sagte der Leiter des Amtes, Rubert Ebner. Unternehmer Karl Schweisfurth sprach indes von einem Ausnahmejahr mit sehr großen Würfen und damit auch höheren Todeszahlen bei den Tieren. Inzwischen sei man wieder "auf dem Weg der Besserung".

Eine Sau wird in einen Kastenstand gesperrt.
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Zuletzt aktualisiert: 31. Mai 2016, 22:14 Uhr

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37 Kommentare

28.01.2016 22:49 Norbert Verbücheln 37

Wer die konventionelle Schweine- und Hühnermassenhaltung kennt, der weiß die Tierhaltung in Hermannsdorf um so mehr zu schätzen. In Biobetrieben geht man aber auch nicht über Wasser und die Probleme mit der Tiergesundheit sind nicht leichter in den Griff zu bekommen da weniger Medikamente eingesetzt werden dürfen. Der FAKT Beitrag wird dem nicht gerecht. Biobetriebe, wie Hermannsdorf, geben aber nicht nur den Nutztieren ein artgerechteres Leben, sondern ermöglichen durch den Verzicht auf Herbizide und Insektizide eine ungemein reichhaltige Flora und Fauna und schützen ganz nebenbei unser Trinkwasser. Dafür bin ich jedem ökologisch wirtschaftenden Betrieb sehr dankbar.

28.01.2016 21:53 Dominik 36

@ Franz Krieger: ich bin kein Städter. Ich bin seit 16 Jahren Bio Fleisch Verbraucher. Ich habe vom Geschmack gesprochen. Wenn Sie keinen Unterschied schmecken, ok. Ich schon. Machen wir doch eine Verköstigung im Herrmannsdorfer Schweinsbräu. Und: berufen wir uns doch nicht auf 13 Jahre alte Stiftung Warentest Tests. Übrigens: dass in konventionellem Fleisch weniger Keime sind, logisch. Dort werden ja Antibiotika präventiv verfüttert. Alles Gute.

28.01.2016 20:04 Franz Krieger 35

@Dominik,: Die Grünen glorifizieren Bio, obwohl es was anderes, aber nicht besser ist. Die Günen und NGO`s leben von der Panikmache. Mit Bio wären sie schon längst verhungert, da kaum Mengen an Bio Ware heranwächst. Schon 2003 hat Stiftrung Warentest ganz klar festgestellt, das zwischen Bio und Innovativen Fleisch kein Unterschied festzustellen ist. Wenn Sie einen Unterschied schmecken, ist es pure Einbildung. Seit 2003 haben immer wieder Test ergeben, es gibt keinen Unterschied. Auch nicht in den Inhaltsstoffen von Fleisch. Aber die Keimbelastung u.a. ist höher. Wahrscheinlich ist Dominik ein Städter, der von Landwirtschaft keine Ahnung hat, noch kein lebendes Schwein in Stall gesehen hat, aber schlauer sein will, wie alle gelernten Landwirte. Mit Brille und Buch aufs Klo gehen reicht nicht zum Klugscheißen. Leider auch bei vielen Kommentaren für Bio.

28.01.2016 16:50 Hermann 34

Bio is(ß)t besser, obwohl es da auch keine heile Welt gibt, aber dafür viel, viel weniger geguälte Kreaturen!!! Ich habe sehr viele konventionelle Ställe: Schwein, Hähnchen, Puten, Kaninchen gesehen und einige Jahre in der Fleischindustrie gearbeitet.
Neben den gequälten Kreaturen, sind die gequälten Menschen (Werkverträge), die in der Fleischindustrie arbeiten genauso ein Skandal!

28.01.2016 14:37 Hans P. 33

Herr Monniker, bzgl. "Ich verstehe nicht, weshalb dieser Bericht als reisserisch angesehen wird": dann sehen sie ihn bitte noch einmal an, ignorieren Sie dabei den Inhalt und achten Sie ausschließlich auf die angewandten visuellen und Sound-Effekte sowie den Tonfall des Sprechers. Schon das hat mit neutraler Berichterstattung nichts zu tun.

Besagter "Tierschützer" hat der Tierwelt sicherlich einen tollen Dienst erwiesen. Lieber wieder Aldifleisch kaufen, puh, trifft sich gut, weil billiger.
Ich begrüße natürlich, wenn über Missstände und/oder Verdachtsfälle offen und kritisch diskutiert wird. Aber bitte auf seriöse Art und Weise, v.a. wenn durch öffentliche Mittel finanziert.

28.01.2016 14:02 A. Friedrich 32

Hier mal ein Kommentar von jemandem der selber Schweine (konventionell) zieht. Warum ich selber nicht Bio bin? Weil meine Kunden so viel Vertrauen haben, dass es ihnen egal ist ob Bio oder nicht. Natürlich, setze ich, wenn ein Tier dementsprechend erkrankt ist, Antibiotika ein. Soll ich das Tier leiden lassen? Natürlich wird das Tier auch irgendwann geschlachtet, aber mit der dreifachen Wartezeit, wie im Biobereich vorgeschrieben. Meine Tiere haben auch viel mehr Auslauf, als im Biobereich gefordert. Nein, ich bin nichts besonderes, es gibt ganz viele Betriebe wie meinen! Verantwortungsvoll heißt das Zauberwort. Wenn Ihr vernünftiges Fleisch wollt, dann liegt es bei Euch, beim Direktvermarkter, oder bei einem Metzger zu kaufen, der noch selber schlachtet. Ihr seid selber dafür verantwortlich, was ihr esst, ihr trefft die Entscheidung, wo und was ihr kauft.Vertraut Euren Augen, Eurer Nase und dem Geschmack. Im übrigen: ich arbeite weiter unter dem Label "Bewusst nicht Bio"

28.01.2016 13:00 Landwirt 31

Das Schweine in Biobetrieben artgerechter gehalten werden, als in konventionell wirtschaftenden ist bei Demeter-Standart so. Allerdings hält auch der konventionell wirtschaftende Mutterkuhbetrieb manchmal seine Tiere artgerechter als der Bio-Bullenmäster. Das hat ganz einfach mit dem Aggressionspotential der Tiere zu tun. Schwarz-weiss-Denken nutzt hier gar nichts. Sondern eine gründliche Bildung. Und wenn man die nicht hat- einfach mal den Mund halten. Ich doziere ja auch nicht über Fragen des Automobilbaus, der Haltung von Zootieren oder die Möglichkeiten des Straßenbaus. Ich habe davon nämlich keine Ahnung.

28.01.2016 12:38 Felix 30

Solch sensationslüsterner Journalismus zerstört jede Glaubwürdigkeit. Herr Schweisfurth war offen und ehrlich und nu? Ich kann mir aus dem, was er sagte und offenlegte meinen Reim machen, will sagen, ich bleibe sein Kunde, freiwillig! Fernsehkunde bin ich unfreiwillig, da ich kein Fernsehgerät besitze! (Sendung bei Freunden gesehen).

27.01.2016 22:36 Martin 29

Ein Kommentator schreibt hier:" Aber was wollen Tiere denn überhaupt?"
Ich glaube Tiere wollen in erster Linie leben. So wie wir Menschen auch! Betrachtet man den Menschen als ein höher entwickeltes Tier, was durchaus legitim ist, das ist das Essen von Fleisch Kannibalismus.

27.01.2016 22:11 Stephan Bartholomae 28

Ein ganz und gar unnötiger und sinnentleerter Beitrag. Und dafür werden Fernsehgebühren eingezogen. 30% Ferkel sind gestorben - Oh Gott! Das kann doch Mal passieren, da hat doch der Halter nicht immer Einfluss drauf. Das kann auch in einem konventionellen Betrieb trotz Antibiotika und anderer Medikamente Mal passieren. Aber da wird dann nicht berichtet und hier ist es gleich ein Skandal. Berichtet lieber Mal über Zustände in der Massentierhaltung und zeigt die Tiere, wie sie da vegetieren müssen. Der Beitrag macht fast den Eindruck, von der konventionellen Agrarindustrie gesponsort worden zu sein.