Exakt die Story "Glyphosat - Tote Tiere, Kranke Menschen"
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Glyphosat und Co. Pflanzenschutzmittel oft risikoreicher als bekannt

Exakt die Story "Glyphosat - Tote Tiere, Kranke Menschen"
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Bestimmte Pflanzenschutz- und Unkrautvernichtungsmittel sind potentiell giftiger und damit auch für Menschen risikoreicher, als bisher angenommen. Wissenschaftler der französischen Universität Caen haben bei Untersuchungen von Pestiziden festgestellt, dass deren Giftigkeit an Zellkulturen durch sogenannte Beistoffe deutlich erhöht wird. Dies geschieht besispielsweise durch Netzmittel - Stoffe, die für ein besseres Eindringen des Hauptwirkstoffes in die Pflanzen sorgen. Die Gefährlichkeit der Beistoffe werde unterschätzt, sagte der Hauptautor der Studie, Prof. Gilles-Eric Séralini dem ARD-Magazin FAKT. "Wir haben festgestellt, dass sich in den untersuchten Pestiziden versteckte Gifte befinden, deren Langzeitwirkung nicht untersucht wurde." Das sei wissenschaftlich ein Fehler, der die öffentliche Gesundheit gefährde.

Bei der Prüfung von Pflanzenschutzmitteln werden in der Regel nur deren Hauptwirkstoffe auf ihre Gesundheitsrisiken für Menschen getestet, beispielsweise der verbreitete Wirkstoff Glyphosat. Doch auch bei Untersuchungen an der Universität Leipzig wurde festgestellt, dass, so die Mikrobiologin Prof. Monika Krüger, "das Gesamtprodukt toxischer ist als der Wirkstoff allein". Ursache hierfür sind laut Krüger die beigemischten Stoffe.

Nach FAKT-Recherchen haben auch die Zulassungsbehörden in Deutschland keine sichere Kenntnis über die tatsächliche Giftigkeit von Pflanzenschutzmitteln. Erst im Januar kündigte das Bundesinstitut für Risikobewertung auf einem öffentlichen Symposium in Berlin an, die Wechselwirkungen der Beistoffe jetzt untersuchen zu wollen. Die Leipziger Mikrobiologin Krüger warf den Zulassungsbehörden im Gespräch mit FAKT Versagen vor. Sie fühle sich "auch als Verbraucher von der ganzen Geschichte gefährdet".

Der agrarpolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, Harald Ebner, forderte gegenüber FAKT, solche Mittel, deren Toxizität aktuell nicht bekannt ist, vom Markt zu nehmen. Es könne nicht sein, dass negative Wirkungen von Beistoffen nun zwar untersucht werden, bestehende Zulassungen aber währenddessen erhalten bleiben. Hier bestehe "dringender Handlungsbedarf".

Glyphosathaltige Pflanzengifte sind die am meisten eingesetzten Herbizide. Weltweit werden pro Jahr rund 100.000 Tonnen in Umwelt ausgebracht. In Deutschland sind es etwa 6.000 Tonnen.

Zuletzt aktualisiert: 05. Juni 2014, 22:14 Uhr

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12 Kommentare

06.06.2014 13:11 Hans W. 12

Ich finde es schon interessant, dass die ersten Kommentare einfach behaupten, dass Glyphosat sicher sei. Zitat "11. Matthias: Glyphosat ist nachweislich das ungefährlichste Pflanzenschutzmittel aller Zeiten." Wie können sie sowas einfach so schreiben? Es ist doch gut, wenn Mittel noch einmal überprüft werden und es wäre wünschenswert, dass Studien alle Details vor der Zulassung untersuchen würden. Selbst wenn bei der Zulassung sorfältig gearbeitet wurde, müssen solche Chemikalien später erneut untersucht werden (u.a. wegen neuen Forschungmethoden und Erkenntnissen) und natürlich kann dann eine Zulassung auch entzogen werden.

04.06.2014 22:24 Matthias 11

Glyphosat ist nachweislich das ungefährlichste Pflanzenschutzmittel aller Zeiten. Gefährlich kann es in der Anwendung dennoch sein, zum Beispiel wenn man es großflächig mit dem Flugzeug versprüht oder es per Hand und ohne Schutzausrüstung versprüht. So geschehen in Südamerika, wo es auch die vermeintlichen Erkrankungen wegen Glyphosat gibt. Giftig ist dann aber vor allem das Benetzungsmittel und die Tatsache, dass es als Säure angewendet wird. Hier werden falsche Behauptungen aufgestellt und uninformierte Menschen beeinflusst. Schreiben sich doch mal darüber, dass auch beim Bio-Kartoffelanbau bis zu 20!!! mal im Jahr schwermetallhaltiges Kupfersulfat auf unsere Kartoffeln versprüht wird.

04.06.2014 14:44 Dieter Ehlermann 10

giftiger als von den Herstellern angegeben? Schon dieser einleitende Satz ist falsch: es gibt keine Angaben der Hersteller über 'Giftigkeit'! In welchem Maßstab sollte denn eine solche Angabe sein? Wo finde ich sie auf dem Etikett? Und wenn man gerade den Skandal-Professor Séralini als einzige Quelle benutzt, so muß sich die Redaktion schon fragen lassen, wie sorgfältig sie recherchiert hat. Auch der groß aufgemachte Beitrag von Prof. Krüger ist nichts Neues, längst Allgemeinkenntnis aller Fachleute. Warum wird hier nicht auf den Stand des Wissens verwiesen? Da es bei der Kombination eines Hauptwirkstoffes mit einer Vielzahl von wirkungssteigernden Zusatzstoffen eine unendliche Vielfalt von Kombinationsmöglichkeiten gibt, ist es praktisch unmöglich, diese alle experimentell zu untersuchen. Etwa nur an einigen wenigen, ausgewählten Mikroorganismen, oder an Versuchstieren, oder gar an menschlichen Freiwilligen?

04.06.2014 12:12 SuperG 9

Hauptautor der zugrundeliegenden Studie ist der hoch umstrittene Prof. Seralini, im Nebenberuf Anti-Pharma-Aktivist. Seine letzte Studie über Krebs bei Ratten "durch Gen-Mais" wurde zurückgezogen, aufgrund gravierender methodischer Mängel. Prof. Ralf Reski, der zuständige Prüfer bei der Zeitschrift BioMed Research, die die aktuelle und hier zitierte Studie veröffentlicht hat, ist gerade aus Protest gegen die Veröffentlichung von seinem Job zurückgetreten. Sowas kann man ja auch mal dazusagen. [...]* * Externen Link gelöscht - MDR.DE-Redaktion

04.06.2014 08:56 EvdB 8

Der Beitrag war vom wissenschaftl. Standpunkt schlecht recherchiert. Warum wird nicht die staatl BBA in Braunschweig interviewt, die die Pestizid-Zulassung für Deutschland managt (satt Baumärkte zu filmen ...!?). - Schließlich: jedes Pestizid, und auch jedes Medikament besitzt zum Wirkstoff Zuschlagstoffe, die die Wirkung erst ermöglichen, und natürlich auch Nebenwirkungen besitzen. Das ist nicht neu! Und die BBA prüft alle Mittel - incl aller Zuschlagstoffe. Anders wäre nicht zu erklären, warum derselbe Wirkstoff - unterschiedlich "formuliert" - verschiedene Zulassungen mit unterschiedlichen Nutzungsauflagen besitzt. [...]* * Unterstellungen gelöscht - MDR.DE-Redaktion

04.06.2014 08:36 Rainer Ortlepp 7

Dieser Bericht war Super aber längst überfällig.Wir Wohnen im Weinbaugebiet im Rebland ,Dort wird das Gras im Frühjahr großflächig mit Roundup abgespritzt so das bis in den Herbst das Gras nicht mehr nachwäscht. Hinzu kommend Unmengen von Kunstdünger. Der Nitratgehalt im Trinkwasser steigt zeitweilig auf bis zu 38mg /l an.Es ist eine Schande was sich hier erlaubt wird auf Kosten unseres wichtigsten Lebensmittel. Dieses Thema müsste viel öfters aufgegriffen werden.

03.06.2014 22:36 Dr. Jutta Backert-Isert 6

Ich vermisse die Aktivität des Verbraucherschutz- und Landwirtschaftsministeriums. Eigentlich müsste da jetzt höchste Alarmstufe herrschen. Es drängt sich der Verdacht auf, wie bei der Saatgutdebatte, dass bestimmte Abhängigkeiten zu diversen Spritzmittelherstellern besteht, die sich eine goldene Nase verdienen. Verbrauchergesundheit wiegt nichts im Vergleich zu Geld- und Machtgier. Wo sind die zuständigen Verantwortlichen? Wie üblich verschwunden im Nirwana. "Denn sie wissen nicht, was sie tun", aber sie wissen, wie sie kassieren. Es ist nur noch ekelhaft und sie werden es bis zuletzt nicht kapieren, dass die ihr Geld nicht fressen können, aber auch ihre Lebensgrundlage zerstören.

03.06.2014 22:25 Mehringer Johann 5

Es gibt biophysikalische Testmethoden mit denen in jedem Brötchen aus Bäckerladen krebserzeugende Frequenzmuster nachzuweisen sind. Ausnahme Biobrötchen mit Mehl aus besonderen Mühlen. Diese Merthoden sind natürlich nicht anerkannt, klar, sonst würde ja man der Krebsursache näher kommen. Krebs ist schließlich ein riesen Geschäft der Pharmalobby.

03.06.2014 22:14 Dagmar van kessel 4

Vor der Sendung hat jemand auf dem Feld hinter unserem Haus auch irgendetwas aufgebracht.sofort hatte ich das Gefühl, meine Schleimhäute reagierten,dann kam ein übelkeitsgefühl.zufällig sah ich nun die Sendung.warum wird nicht stärker kontrolliert,was und wie aufgebracht wird?als Endverbraucher muss und will man alle schädlichen Dinge ordnungsgemäß entsorgen,an anderer Stelle gibt es da keine Restriktionen.frustrierend-jetzt bekomme ich auch noch Kopfschmerzen..

03.06.2014 22:09 Jörn 3

Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln zum abtöten von Getreide um eine leichtere Ernte zu ermöglichen ist meines Wissens verboten. Somit ist ihre Darstellung leider falsch.