Studien von Krankenkassen Hohes Krankheitsrisiko durch langes Sitzen

Langes Sitzen und Inaktivität können die Lebenserwartung des Menschen verringern und vergrößern das Risiko chronischer Erkrankungen wie Diabetes, Herz-Kreis-Erkrankungen und Fettleibigkeit. Das haben zwei Studien von Sportmedizinern im Auftrag der privaten Krankenkasse DKV und der gesetzlichen Techniker Krankenkasse (TK) ergeben.

Ein Frau sitzt am Schreibtisch, auf welchem ein Monitor und eine Tastatur zu sehen ist, und hält sich den Rücken
Jeder Berufstätige in Deutschland sitzt laut Statistik mehr als neun Stunden am Tag. Bildrechte: colourbox.com

Jeder Bundesbürger verbringt durchschnittlich mindestens sieben Stunden an Werktagen im Sitzen. Von den Berufstätigen sitzt sogar jeder dritte mehr als neun Stunden am Tag. Langes Sitzen könne dazu führen, dass viele Körperfunktionen nachlassen, sagte Prof. Ingo Froböse von der Sporthochschule Köln. Muskeln würden nicht mehr richtig durchblutet, der Stoffwechsel des Körpers sei nicht mehr richtig aktiv. "Wenn man das tagein, tagaus macht, dann wird letztlich eine Unterversorgung der Zellen dazu führen, dass Zellen sich verändern - und das macht krank."

Negative Auswirkungen langen Sitzens können nach Einschätzung von Experten auch nicht durch gelegentliches Sport treiben gemindert werden. So sagte Prof. Gerhard Huber vom Institut für Sport und Sportwissenschaft der Universität Heidelberg FAKT: "Wer die ganze Woche sitzt und geht einmal die Woche ins Fitnessstudio, das hat relativ wenig Effekt, weil wir diese großen Sitzzeiten nicht kompensieren können." Froböse ergänzte, wenn man sieben bis acht Stunden am Stück gesessen habe, werde die Stoffwechselquote durch gelegentliches Sport treiben nicht erhöht. Man habe sich durch langes Sitzen einfach zu viel "Nachteile erkauft".

Hohe Folgekosten für die Kassen

Die Folgekosten dieses Verhaltens gehen in die Milliarden. Der Vorstandsvorsitzende der Techniker Krankenkasse, Jens Baas, sagte FAKT, nach Schätzungen könnten bis zu 50 Milliarden Euro der Gesamtausgaben im Gesundheitssystem "bewegungsassoziiert" sein.

Mangelnde Bewegung kann sich selbst bei schon Erkrankten negativ auf die Therapie auswirken. So zeigen Beobachtungsstudien des Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen (NCT) in Heidelberg, dass Krebspatienten, die lange sitzen, eine schlechtere Prognose haben als jene, die körperlich aktiv sind. Patienten, die systematisch körperlich trainieren, könnten wahrscheinlich längere und höhere Dosen einer Chemotherapie vertragen, sagte Joachim Wiskemann vom NCT. Dadurch habe eine medikamentöse Therapie größere Effekte.

Zuletzt aktualisiert: 10. März 2015, 23:54 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

15 Kommentare

12.03.2015 16:04 S. Poutachidis 15

Interessant

12.03.2015 13:18 Heike Sutor 14

Ein wichtiger Beitrag, um endlich deutlich zu machen, wie gesundheitsschädlich unsere "bequeme" Lebensweise ist und welche Schäden dadurch entstehen- dem Einzelnen und der Gesellschaft!
Allerdings hätte ich mir DRINGEND das Aufzeigen nützlicher Alternativen gewünscht. So bringt es nur ein ungutes Gefühl und ein Gefühl von Angst und/oder Sorge, was NIEMALS sinnvoll sein kann!!!
"Thema verfehlt" schrieb man früher unter unausgegorene Ausätze! ;-)

11.03.2015 20:57 Georg Meyer-Berg 13

Im Beitrag steht schon indirekt drin, wie man langes Sitzen kompensieren kann: Regelmäßiger Sport. Ich fahre zweimal am Tag gut 5 km zur Arbeit und gehe ein paar mal ins Fitmesstudio. Vielleicht sollte ich am Stehtisch arbeiten? Einige Kollegen arbeiten schon so. Eine Bestätigung durch die Beteiligten der Studie wäre schön.

11.03.2015 18:17 Dirk H. 12

es ist doch nicht so schwer, selbst darauf zu kommen, wie man gegensteuern kann :
So oft, wie es geht aufstehen und bewegen! Das kann nicht jeder, aber die meisten Schreibtisch-Täter können es. Sei es der Gang zum Kopierer oder einfach mal zum Kollegen im anderen Stockwerk gehen statt anrufen. Zur Kantine die Treppe nehmen statt den Aufzug. Oder einfach alle halbe Stunde zum Klo gehen und da10 Kniebeugen machen. Es gibt genug Möglichkeiten, wenn man will und etwas kreativ ist.

11.03.2015 08:52 Birgit 11

Was soll so ein Beitrag?
Meine Schlussfolgerung: Ich kündige meinen Job im Büro, lebe von Hartz IV, ein Auto oder gar ein Ticket für die LVB kann ich mir dann auch nicht mehr leisten, selbst mit dem Fahrrad wird es schwer. In meine Einzimmerwohnung passt ohnehin kein Sofa mehr und um die Dosenravioli reinzuspachteln brauche ich mich auch nicht zu setzen. Ein bisschen Geld verdiene ich mir durch Flaschensammeln dazu und ziehe fortan zu Fuß mit zwei großen ALDI-Tüten durch die Stadt. So werde ich steinalt, bekomme keinen Krebs - oder was???

11.03.2015 08:13 Peter 10

Ich habe mir das lange Sitzen nicht ausgesucht. Dass das nicht gesund ist, weiß ich selbst. Sie sollten den Leidgeplagten lieber empfehlen, was man gegen Folgeschäden tun kann, wenn auch Ausgleichsport nichts hilft.

11.03.2015 07:15 Sieber 9

Das Problem ist erkannt, aber - was tun?

Für viele Menschen, inklusive meiner Person ist der Arbeitstag nun mal durch acht Stunden sitzender Tätigkeit geprägt, dazu kommt der Arbeitsweg und die Freizeitgestaltung. Die sehr informative Sendung hat aufgerüttelt. Doch, was fehlt, ist die (gesunde) Alternative ...

10.03.2015 22:16 M. Natrup 8

Im Beitrag wurde überzeugend dargelegt wie schädlich das lange sitzen ist. Ich gehöre wie viele Millionen zu dieser Gruppe. Ich versuche 2,3 manchmal auch 4 mal die Woche durch joggen von je 8,5km entgegen zu wirken. Es wäre schön gewesen wenn Lösungsansätze zur Gegensteuerung Bestandteil ihres Beitrages gewesen wären. Was tun wenn die Arbeit 8-10 stündiges sitzen einfordert. Mfg MN

10.03.2015 22:15 susann müller 7

Hab leider keine Tipps gefunden, wie man effektiv gegenwirken kann. Wenn man beruflich bedingt viel sitzt ist der Beitrag so nur beunruhigend und keine Hilfe. Schade.
MfG. S.Müller

10.03.2015 22:14 M. Natrup 6

Im Beitrag wurde überzeugend dargelegt wie schädlich das lange sitzen ist. Ich gehöre wie viele Millionen zu dieser Gruppe. Ich versuche 2,3 manchmal auch 4 mal die Woche durch joggen von je 8,5km entgegen zu wirken. Es wäre schön gewesen wenn Lösungsansätze zur Gegensteuerung Bestandteil ihres Beitrages gewesen wären. Was tun wenn die Arbeit 8-10 stündiges sitzen einfordert. Mfg MN