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FAKT | Das Erste | 26.06.2012 | 21:45 Uhr : Insel: Ein Ort der Doppelmoral

In Insel in Sachsen-Anhalt gibt es große Spannungen. Grund: Zwei frühere Sexualstraftäter aus Baden-Württemberg leben seit knapp einem Jahr in dem Dorf in der Altmark. Viele Einwohner demonstrieren regelmäßig vor dem Haus der beiden Männer und wollen sie dazu bewegen wegzuziehen. Denn sie haben Angst, dass die Männer rückfällig werden. Es gibt auch eine Bürgerinitiative "Resozialisierungs-Insel wider Willen", die auf ihrer Facebookseite unter anderem diskutierte, die Männer zu töten. Die Seite wurde inzwischen geschlossen. Die entlassenen Sexualstraftäter haben mehrfach Frauen vergewaltigt. Für ihre Taten waren sie auch in Sicherungsverwahrung.

Bei Sextäter aus dem Ort nachsichtiger

Ortsschild von Insel
Der Willkommensgruß gilt nicht für die beiden entlassenen Sexualstraftäter.

Es gibt aber auch Dorfbewohner, die sich nicht an den Protesten beteiligen. Denn einige von ihnen erinnern sich an einen Fall aus dem Jahr 2005, bei dem manch ein Einwohner ganz anders reagiert hat. Damals wurde in Insel ein zwölfjähriges Mädchen von einem 21 Jahre alten Dorfbewohner vergewaltigt. Der Mann wurde später wegen schweren sexuellen Missbrauchs eines Kindes schuldig gesprochen. Doch einige Einwohner hatten den Eltern des Mädchens abgeraten, den jungen Mann anzuzeigen, um ihm nicht die Zukunft zu verbauen. Das Mädchen selbst wurde als Schlampe bezeichnet, die mit jedem ins Bett gehe. Ein Mitglied der Bürgerinitiative "Resozialisierungs-Insel wider Willen" erklärt dazu in FAKT, dass es einen Unterschied mache, ob ein Straftäter aus dem Ort komme oder nicht. Bei einem aus dem Dorf kenne man die Verhältnisse.

Superintendent: Hemd näher als Jacke

Eine Dorfbewohnerin, die die Proteste gegen die beiden entlassenen Sexualstraftäter nicht unterstützt, spricht von Doppelmoral. Es sei furchtbar, dass jetzt wegen der beiden Männer so ein Aufstand gemacht werde. Für den Superintendenten des Evangelischen Kirchenkreises Stendal, Michael Kleemann, ist das Verhalten der Dorfbewohner nicht leicht zu erklären:

"Es ist wohl so, dass uns das Hemd näher ist als die Jacke. Das heißt, wenn es um Menschen unseres persönlichen Umfeldes geht, sind wir häufig nachsichtiger, als wenn es sich um Fremde handelt."

Michael Kleemann, Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Stendal

In Insel ist keine Entspannung der Lage in Sicht. Einer der beiden Ex-Sicherungsverwahrten war weggezogen. Aber auch am neuen Wohnort war er nicht willkommen. Nach wenigen Tagen kehrte er zurück. Die Proteste in Insel werden wohl weitergehen.

insel
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Doppelte Moral in Insel

In Insel in Sachsen-Anhalt protestieren Anwohner gegen zwei Ex-Sexualstraftäter aus Baden-Württemberg. Doch als vor Jahren ein Mädchen im Ort vergewaltigt wurde, schaute man weg.

26.06.2012, 21:45 Uhr | 07:31 min

Zuletzt aktualisiert: 26. Juni 2012, 22:53 Uhr

13. Max Müller:
@Jens Kessler: Es wäre übel, wenn sich ein Täter nahe beim Opfer niederlässt. Das kann man hoffentlich verhindern. Aber sonst hat auch ein früherer Häftling das Recht, seinen Wohnsitz frei zu wählen. Wenn die Bürger an einem Ort nicht damit klar kommen, warum sollten sie es dann an einem anderen tun? Und was die Medien angeht: Ständig Aufruhr in einem Ort unseres Landes und es wird verschwiegen? Das wäre doch komisch. @Ronny Kless: Wieso sollte man Dinge aus dem 30-jährigen Krieg gegen jetzt Lebende verwenden können? Wollen Sie bestreiten, dass es Unterschiede gibt zwischen Ereignissen, die fast 400 Jahre und solchen, die fünf(!) Jahre her sind? Und wenn Leute, die vor fünf Jahren den Mund gehalten oder sogar das Opfer verurteilt haben, heute täglich Rabatz machen, dann ist das ein Widerspruch, auf den Journalisten hinweisen sollten.
28.06.2012
15:09 Uhr
12. Max Müller:
Bis zu dieser Woche hatte ich ja einiges Bedauern für die Inselaner übrig. Schließlich scheitern sie an einer Situation, in die viele andere dank glücklicher Umstände niemals kommen und sich dann leicht tun, kluge Kommentare abzugeben. Etwa so wie alle Nachgeborenen über richtiges Verhalten in einer Diktatur. Das Risiko, jemals selbst auf die Probe gestellt zu werden, ist extrem gering. Aber dieses Ausmaß an Doppelmoral, über das da nun berichtet wurde . . . ! Ein 12(!)-jähriges Mädchen als Schlampe zu bezeichnen, die mit jedem ins Bett gehe. Das erinnert an fanatische Islamisten - die verdammen auch die Opfer von Vergewaltigungen. Warum hatte bei dem jungen Mann offenbar niemand Angst, der könnte nun über jedes weibliche Wesen zwischen 10 und 80 Jahren herfallen?
28.06.2012
12:13 Uhr
11. St.B.:
1. Abgesessen und ver"büßt" sind zwei unterschiedliche Sachen 2. Welcher Sozialarbeiter hat die Beiden in ein Dorf gesteckt - Solche Menschen tauchen immer in einer Stadt unter. 3. die Frage ist nicht was das Grundgesetz hergibt, sondern wie unsere Gründungsväter endschieden hätten (zum einen weil Gesetzauslegung doch was mit Moral zu tun hat - und das Gundgesetzt in der Zeit nachteilhaft verändert wurde) 4. Der Beitag wurde obendrein verhetzerisch schlecht zusammengetragen und dargestellt. 5. Zensur im Block? Hatten wir schon paarmal in der Geschichte.
28.06.2012
09:55 Uhr
10. Rainhard:
Ich bin 53 und habe selber 2 - inzwischen Erwachsene -Töchter. Ich möchte nicht wissen was die Väter von Töchtern tun werden wenn Ihren Töchtern so eine Vergewaltigung wiederfährt. Ob die dann auch noch so Klug - Tun, wie hier, und von "Rechtsstaatlichkeit" und so ein Unsinn reden, wage ich zu bezweifeln. Dann betrifft es einem plötzlich selber, und die Welt sieht auf einem mal ganz anders aus. Aber ich wünsche es niemanden, soetwas zu erfahren. Ich kann die "Inseler" verstehen. Versetzt euch Besserwisser, mal in dessen Lage, wenn Ihr bei aller Rechtsstaatlicher Schwafelei, könnt.
27.06.2012
19:09 Uhr
9. Möwe:
Auch wenn es vielen Rechtsstaatlern nicht paßt. Für die betroffene Gemeinde macht es schon einen Unterschied, ob ein Mitglied aus der Dorfgemeinschaft straffällig geworden ist, oder ob fremde Wiederholungstäter, die ohne EU nie mehr in Freiheit gekommen wären, in ein kleines Dorf zuziehen. Die Frage beliebt, warum bleiben Sie nicht in Ihrer Heimat? Die Medien haben natürlich ein großes Interesse diesen Fall am Laufen zu halten. Nichts sorgt für mehr Beachtung als Sexualstraftaten.
27.06.2012
15:57 Uhr
8. Wolfgang Bendix:
Wenn man es sich so einfach macht wie Sie, lieber Herr Keßler. Wir leben in der Bundesrepublik und nicht in der ehemaligen DDR. Dort wäre es sicherlich möglich gewesen die beiden in ein anderes Bundesland zu verfrachten. Aber nicht so in der Bundesrepublik Deutschenland. Ein Rechtsstaat! Und das ist gut so, und das trifft für alle Mitbürger zu. Denn da hat JEDER die freie Wahl seines Wohnsitzes. Das wir uns nicht falsch verstehen, auch ich bin Vater von 2 Mädchen, und wäre gewiss nicht glücklich, wenn ehemalige Vergewaltiger in der gleichen Stadt leben würden. Meine Frage lautet daher: Wohin mit diesen Menschen nach der Strafe? Von den blödsinnigen Einträgen in einigen Foren will ich mich nicht einlassen. Wir leben nicht mehr im Mittelalter. Von christlicher Lehre will ich Garnichts erst reden!
27.06.2012
14:28 Uhr
7. Ronny Kless:
Jede Stadt und jedes Dorf hat seine schwarzen Schafe, aber sollte man dafür alle Dorfbewohner in Sippenhaft nehmen und ihnen ihre Rechte streitig machen? Der Filmbeitrag macht dies. Bravo! Willkommen im 3. Reich, denn meiner Meinung nach war Sippenhaft auch eine Unterdrückungsmethode der Nazis. Warum erwähnen die Autoren nicht, das es im Dorf "Insel" mehr als ein NSDAP-Mitglied zur Nazi-Zeit gab und das es schon im 30jährigen Krieg eine Vergewaltigung (oder noch mehr) in "Insel" gab. Alles Argumente die man gegen die heutigen Bewohner von "Insel" verwenden kann. Und, liebe Autoren, Sippenhaft ist auch, wenn ich sage "Ich kenne den Schulweg eurer Töchter". (keine Angst dieser Beitrag ist sehr sehr überspitzt und überzogen und den Schulweg kenne ich natürlich nicht und will ihn auch nicht wissen.)
27.06.2012
13:57 Uhr
6. S.Rig.:
"1. Jens Keßler: . Sollten den die Medien nicht langsam Ruhe geben und nicht weiter in Dinge herrum stochern und noch mehr glut ins Feuer schütten. Die beiden Männer sollten in ihr Bundesland zurückkehren und dort versuchen ein neues Leben anzufangen. Wenn diese Männer dort bleiben sollten,glaube ich nicht das,die Proteste Friedlich enden werden. Die Politik sollte ihr Herz in die Hand nehmen und die beiden Männer dort hinschicken wo sie vorher gelebt haben. Dann ist endlich Ruhe in Insel und ihr Medien Müsst nicht mehr salz in die Wunden streuen." Sehr geehrter Herr Keßler , offensichtlich haben sie sich entweder den Beitrag nicht angesehen oder seine Aussage nicht verstanden.
27.06.2012
12:31 Uhr
5. Jürgen Hildebrand:
Ein aus meiner Sicht gelungener Beitrag. Sehr bedauerlich und leider bezeichnend, dass sich BürgerInnen speziell der Bürgermeister aus Insel nicht äußern und konstruktiv mit Gegenwart und Vergangenheit auseinandersetzen (wollen). Die BürgerInnen von Insel haben eine politische Lösungschance vergeben, hoffentlich nicht endgültig.
27.06.2012
11:51 Uhr
4. Initiative Aufklärung und Transparenz:
Einer der besten Beiträge, den wir bisher zum Fall Insel gesehen haben. Vielen Dank für die engagierte Recherche.
27.06.2012
11:20 Uhr

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