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FAKT | Das Erste | 19.02.2013 | 21:45 Uhr : 110 - Wenn die Polizei dann doch nicht kommt

110 - schnelle Hilfe - Fehlanzeige. Opfer von Angriffen, aber auch Polizisten selbst berichten, dass Beamte oft erst sehr spät und manchmal sogar gar nicht beim Anrufer eintreffen. Mit den Polizeireformen könnte sich das Problem weiter verschärfen. Personal wird eingespart, Reviere verschwinden. Am Ende leiden alle unter dieser Situation, die auf wirksame Hilfe angewiesen sind.

Polizeiwagen vor einem Supermarkt

Wer die 110 wählt, hat ein akutes Problem. Normalerweise gehen die Bürger davon aus, dass ihnen schnell geholfen wird. Aber offenbar ist das nicht so. FAKT hat sich in Sachsen, Thüringen und Rheinland-Pfalz informiert.

Ein Mann hat 110 in sein Mobiltelefon eingetippt
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Personeller Notstand bei der Polizei

19.02.2013, 21:45 Uhr | 07:11 min

Im Oktober vergangenen Jahres war ein Fall aus Hoyerswerda bekannt geworden, der über die Grenzen Sachsens hinaus Empörung auslöste. Eine junge Frau und ihr Lebensgefährte waren am Abend des 17. Oktober in Hoyerswerda von 15 Neonazis bedroht worden, offenbar weil das Paar Aufkleber der Rechtsextremen in der Stadt entfernt hatte. Die Männer drangen nach Darstellung der Betroffenen in das Wohnhaus ein und bedrohten die beiden massiv. Die herbeigerufene Polizei war zunächst nur mit zwei und dann mit sieben Beamten vor Ort. Die Angreifer konnten offenbar nach zwei Stunden unbehelligt davon ziehen. Personalien hatte die Polizei nicht aufgenommen. In der Nacht schützte ein Streifenwagen das Haus. Nach Aussage des Paares empfohlen Beamte am nächsten Tag, die Stadt zu verlassen. Das Paar suchte sich dann selbst eine Unterkunft und lebt seitdem nicht mehr in der Stadt.

Thomas Knaup, Sprecher der Polizeidirektion Oberlausitz-Niederschlesien begründete den Umstand, dass ausreichend Verstärkung erst zwei Stunden später vor Ort war, mit langen Anfahrtswegen. So sei die Polizei bei dem um Hilfe rufenden Paar erst kurz vor Mitternacht "handlungsfähig" gewesen.

"Im besten Fall sind es von Kamenz nach Hoyerswerda etwa 30 Kilometer, von Bautzen nach Hoyerswerda zwischen 50 und 60 Kilometer, je nachdem, wo sich der Streifenwagen gerade befindet. Aus dem Zittauer Raum sind es sogar bis zu 90 Kilometer Anfahrtsweg."

Thomas Knaup, Sprecher der Polizeidirektion Oberlausitz-Niederschlesien

Dass das Hoyerswerdaer Beispiel kein Einzelfall in Sachsen ist, zeigt das Ergebnis einer Anfrage der sächsischen Grünen. Stichproben ergaben, dass die Polizei bei einem Notruf wegen Körperverletzung 33 Minuten nach Eingang des Anrufes anrückte, bei einem Hilferuf wegen Bedrohung nach 31 Minuten und die Fahndung nach einem Täter erst nach zwei Stunden aufgenommen wurde.

Reduzierung der Planstellen für Polizeibeamte in Sachsen

Grafik Grafik Planstellen Polizei 2025

Bei der sächsischen Polizei wird seit Jahren Personal abgebaut. Die Gewerkschaften prognostizieren: Das wird auch so weiter gehen. Das führt zu einer zunehmenden Arbeitsbelastung der Polizeibeamten. [Bilder]


Aber selbst wenn die Planstellen die Reviere noch absichern, sieht die Realität oft anders aus. Teilzeit, Urlaub, Vorruhestand, Dienstunfähigkeit, Krankheit - alles Gründe, die die Pläne als Schönrechnerei entlarven. Polizisten sind einer der Berufe mit dem höchsten Krankenstand - 29 Tage pro Jahr.

Zwei Einsatzwagen für 1.000 Quadratkilometer

Vor ähnlichen Problemen steht Thüringen. Ein Beispiel dafür ist das Eichsfeld. In dem Gebiet an der thüringisch-hessischen Grenze sind zwei Streifenwagen für einen 1.000 Quadratkilometer großen Landkreis zuständig.

"Hier waren allein drei Funkwagen rund um die Uhr im Einsatz. Zwei weitere Funkwagen in Leinefelde und Heiligenstadt mit noch einmal vier Besatzungen. Jetzt haben wir in der Regel einen Funkwagen in Heiligenstadt und einen in Worbis."

Marko Grosa, Gewerkschaft der Polizei Thüringen

Rückblick: Meldungen zur Modernisierung der Thüringer Polizei

Jahrelang wurde die Polizeireform in Thüringen vertagt. Hier finden Sie die gesammelten, früheren Meldungen im Zusammenhang mit der Strukturreform. [mehr]


"Da bringt auch das Blaulicht nichts"

Aber fehlende Einsatzkräfte sind nicht allein ein Ostproblem. Ein Verantwortlicher aus Rheinland-Pfalz berichtete, dass es kein Einzelfall sei, wenn Bürger nach ihrem Notruf eine halbe bis ganze Stunde warten müssten, ehe ein Streifenwagen eintrifft. Delikte wie Ruhestörungen müssten die Leute inzwischen selbst regeln. Gründe für die Hilflosigkeit sieht der Beamte im Personalabbau trotz weiterer Aufgaben. Neue Bereiche wie die Internetkriminalität würden in Rheinland-Pfalz rund 1.000 Polizisten binden, aber neue Stellen gebe es nicht - im Gegenteil.

"Es heißt dann erstmal: Verstärkung gibt es keine. Das ist ein Ohnmachtsgefühl, wir haben Angst. Wenn wir irgendwo hinkommen, wissen wir: Es ist kein anderer Wagen da, der uns helfen könnte."

Eine Polizistin

Eine Polizistin äußerte sich enttäuscht. Sie sei zur Polizei gegangen, um Leuten zu helfen. Heute sei die Situation unglaublich frustrierend. Und außerdem wisse sie, dass auch die Polizei selbst nicht auf schnelle Hilfe rechnen könne.

Zuletzt aktualisiert: 19. Februar 2013, 21:51 Uhr

21. anonym:
für florian d. na klar bin ich es und daher kann ich ja auch urteilen. wenn du es nicht sein solltest, mach mal 4 wochen dienst an meiner dienststelle, dann weißt du, wovon ich spreche ... schönreden brauche ich nichts, ich sehe täglich die realität ...
21.02.2013
11:08 Uhr
20. Florian D.:
@anonym: du bist niemals Polizist, sonst würdest du nicht so einen Müll schreiben...
21.02.2013
10:14 Uhr
19. ich bin's:
Don C...du hast kaum Ahnung...und in ner 30er Zone steht ja wohl eher das Ordnungsamt und nicht die Polizei...
21.02.2013
02:48 Uhr
18. anonym:
respekt vor der reportage, davor kann man nur den hut ziehen. bin leider selbst sei 14 jahren polizist und wundere mich täglich, dass das ganze system nicht zusammenbricht ... wenn der "normale" bürger wüsste, was da täglich abgeht, er würde den glauben an die sicherheit verlieren. ich sage nur, mehr als veralterte technik, personalmangel und frustierte kollegen aufgrund von internen "problemen" und und und ... könnte ich das rad der zeit zurückdrehen, ich hätte mal was sinnvolles und anständiges lernen sollen ... wofür zahlt der bürger eigentlich steuern und das nicht zu knapp???
20.02.2013
22:41 Uhr
17. Jörg Werkshage:
Es ist zwar irgendwie auch keine Lösung, aber wie soll man die Sicherheit der Bevölkerung garantieren, ohne das diese sich wie in Amerika selber bewaffnet. Es ist doch utopisch zu glauben, da es in Zeiten des demografischen Wandels genug Polizei-Anwärter geben wird. Dummerweise werden ja auch noch Pflegepersonal, Erzieherinen, Ärzte und Lehrer und sogar Soldaten dringend gesucht. Alles Berufe die aus staatlichen Kassen bezahlt werden und sehr unangenehme Seiten haben können. Ich denke der Wirtschaft wird es leichter fallen auf einem immer kleiner werdenden Bewerbermarkt ihren Nachwuchs zu rekrutieren und wo bleibt dann die öffentliche Sicherheit und sonstige lebenswichtige Versorgung.
20.02.2013
19:28 Uhr
16. Don.Corleone:
Wir brauchen nicht mehr, sondern weniger Polizeibeamt . Der Fehler d.Polizei ist, die einsatzpläne , d.h. statt unnötig zu "blitzen " u. ä. Dinge , sollten diese freiwerdenden Stellen verschubt werden an sog. Brennpunkte,, aber bitte nicht in Zone 30 auf d. Lauer liegen.Die Polizei muß neue schwerpunkte setzen , z.b. Demo , die Hälfte reicht auch . Dann Fußball...hier genau dasselbe , die Häfte reicht , dann d. Krankenstand durchforsten , a.d. Job kann es doch nicht liegen, ich kenne keinen Beamten, der sich kaputtmalocht hat ! Wenn d. Krankenstand 4 x höher liegt wie i.d.normalen wirtschaft, u.da wird richtig geknüppelt , dann ist bei d. Polizei etwas faul , d. h. Kontrollärzte im Dauereinsatz, nach 6 tagen Vorstellung b. Vertrauensarzt (neutralen staatlichen) usw. usw., da muß aufgeräumt werden . immer nur mehr Personal b. klammen Kassen geht nicht, so einfach ist das ..
20.02.2013
18:23 Uhr
15. Torsten Minkus:
Wen die Polizei dann doch nicht kommt, ist sie womöglich mit dem Blit- zen von Verkehrsteilnehmen beschäftigt. Eine kurze Vervollständigung Ihrer Überschrift.
20.02.2013
10:51 Uhr
14. Nodns:
Zitat.: DPolG: Rainer Wendt fordert 2000 "Cyber-Cops"(!) Die dann wiederum auf den Straßen fehlen, und die Bürger werden paranoid gehalten. Um den Anschluss im Netz nicht zu verpassen waren seine Argumente, dass auf den Straßen ist auch egal. Wir sollten uns überlegen ob dann nicht der Bürger das Recht auf Waffenbesitz hat, wie das in den USA klappt konnten wir ja vor kurzem sehen. Wer den Kampf gegen die Hacker aufnehmen will hat schon verloren, das Darknet bietet absolute Anonymität in der sich sogar Geheimdienste verstecken, man muss nur wissen wie. Und dafür benötigt der Staat eine Cyber Police? Volks verdummende Argumente, hier geht es um etwas ganz anderes! Und wenn unser Staat dies andere Ziel verfolgt, so soll er es den Israelis gleich machen und ein Programm auflegen indem ein Cyberkrieg vorbereitet wird. Das aber kostet mehrere Milliarden im Jahr die man begründen müsste!
20.02.2013
09:51 Uhr
13. christian waschgler:
Die Polizei hat offenbar nur Order bestimmten Straftaten nachzugehen wie im obigen Fall. Die Ostbanden können ungehindert stehlen, Rentner in ihren Häusern überfallen, Banken und Juweliere ausrauben, Autos und Ersatzteile stehlen. Es trifft ja "nur" steuerzahlende Bürger, wichtiger scheint schon die politische Meinung.
20.02.2013
09:30 Uhr
12. ich:
was soll das Gejammer, bei Demos stehen 3000 Polizisten 500 Demonstranten gegenüber, für jedes Fußballspiel sind Hundertschaften da, an jeder Ecke lungern die Herren vom Dienst rum und zocken die Autofahrer ab und das alles von Steuergeldern bezahlt, nur für den Steuerzahler ist niemand da wenn er Hilfe braucht? Hier läuft doch generell was schief, vielleicht sollte gefragt werden wer bezahlt was und danach werden Prioritäten gesetzt...
20.02.2013
08:48 Uhr

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