FAKT

FAKT | Das Erste | 25.10.2011 | 21:45 Uhr : "Schattenbanken" als unterschätzter Risikofaktor

Europa sucht nach Wegen aus der Euro-Krise. Ein Risikofaktor blieb dabei aber bislang unberücksichtigt: die sogenannten Schattenbanken. Dabei handelt es sich um Unternehmen, die Finanzgeschäfte betreiben, aber keine Kreditinstitute sind und damit auch nicht der Bankenregulierung unterliegen. Dazu zählen unter anderem Hedgefonds. Die "Schattenbanken" sind eng mit den regulären Banken vernetzt. Sie übernehmen von ihnen gegen Risikoaufschläge etwa hochspekulative Geschäfte. Es gibt so gut wie kaum Regeln für die "Schattenbanken". Das Risiko wird damit verlagert. Schätzungen gehen davon aus, dass bei den "Schattenbanken" Risiken in Milliardenhöhe lagern. Genaue Zahlen gibt es nicht.

Experten fordern Regulierung der "Schattenbanken"

Skyline der Frankfurter Innenstadt
Sogenannte Schattenbanken sind inzwischen über die klassischen Banken hinausgewachsen.

Finanzexperten wie Professor Max Otte vom Institut für Vermögensentwicklung sehen in den "Schattenbanken" deshalb eine große Gefahr für die Finanzmärkte. Otte kritisiert, dass die "Schattenbanken" unangetastet bleiben, während die klassischen Banken immer stärker reguliert werden. Damit würden noch mehr Anreize geschaffen, die Geschäfte in den Risiko-Bereich zu verlagern. Die "Schattenbanken" würden immer attraktiver. Otte schlägt vor, die Regulierung der klassischen Banken nicht weiter zu verschärfen solange der Schattenmarkt noch nicht reguliert ist. Noch besser wäre es seiner Ansicht nach, klassische Banken und "Schattenbanken" gleichermaßen zu regulieren.

USA und Großbritannien gegen Kontrolle

Allerdings sind sich die G20-Staaten uneins, inwieweit die "Schattenbanken" schärfer überwacht werden sollen. Vor allem Großbritannien und die USA sperren sich gegen einheitliche Regelungen. Sie befürchten nach Meinung des finanzpolitischen Sprechers der Grünen im Bundestag, Gerhard Schick, Nachteile für ihre Finanzmärkte in London und New York. Dort erwirtschaften die "Schattenbanken" mit ihren Geschäften große Gewinne. Auch Max Otte sieht wenig Chancen, internationale Regularien für den Sektor durchzusetzen:

"Die Lobby ist extrem stark. Die Spekulanten wehren sich mit Händen und Füßen."

Max Otte, Institut für Vermögensentwicklung

Sektor verselbständigt sich

Dass eine Kontrolle des "Schattenbanken"-Sektors sinnvoll wäre, zeigen auch folgende Schätzungen von Experten. Danach belief sich der Handel mit hoch-spekulativen Geschäften wie Wetten auf die Entwicklung eines Preises im ersten Halbjahr 2011 auf 600 Billionen Dollar. Das ist mehr als das Zehnfache dessen, was weltweit in einem Jahr erwirtschaftet wird - und das ist nur der Derivatehandel.

Zuletzt aktualisiert: 15. November 2011, 19:43 Uhr


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