Ein Mann zielt mit einer Pistole
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Pro und Contra Deutschland rüstet auf - EU will Waffengesetze verschärfen

Ein Mann zielt mit einer Pistole
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Nur fünf Tage nach den Anschlägen von Paris am 13. November 2015 ging die EU-Kommission mit einem Vorschlag zur Verschärfung der Waffengesetze in die Offensive. Dabei geht es vor allem um schärfere Kontrollen für Besitzer legaler Waffen. Privatpersonen sollen zum Beispiel bestimmte halbautomatische Waffen nicht mehr erwerben dürfen. Zudem plädiert die Europäische Kommission für eine stärkere Überwachung der Waffenbesitzer. Eine waffenrechtliche Erlaubnis soll auf fünf Jahre beschränkt werden. Waffenbesitzer und Sportschützen fühlen sich zu Unrecht an den Pranger gestellt. Die „German Rifle Association“ – eine Vereinigung, die sich für so wörtlich „eine Liberalisierung der Waffengesetze und bewaffnete Bürger“ einsetzt - argumentiert, dass mehr Waffen auch mehr Sicherheit bedeuteten.

…  wenn man Frankreich betrachtet, wären da so viele gestorben, wenn auf der Straße bewaffnete Bevölkerung gewesen wäre? Das ist der Grund, warum wir als German Rifle Association sagen, wir wären dafür, einen bedürfnisfreien Bereich zu schaffen, wo jeder ohne besonderes Bedürfnis eine Waffe erwerben kann. Natürlich gebunden an Qualifikation, Schulung, Ausbildung.

Oliver Huber, German Rifle Association FAKT | 01.03.2016

Auch der Deutsche Schützenbund lehnt Verschärfungen im Waffenrecht ab. Die 1,5 Millionen Waffenbesitzer in Deutschland, die 5,8 Millionen Waffen besitzen, würden bereits ausreichend staatlich überwacht und kontrolliert. Sie würden keine Gefahr für die öffentliche Ordnung und Sicherheit darstellen. Im Internet macht die Waffenlobby mobil gegen die Verschärfung der Gesetze. 

Amok, Unfälle, Fakten

Seit 1990 sollen nach Angaben der Initiative "Keine Mordwaffen als Sportwaffen" in Deutschland mehr als 200 Menschen mit Waffen von Sportschützen getötet worden sein. Beispielsweise beim Amoklauf am Erfurter Gutenberg-Gymnasium 2002 oder beim Amoklauf von Winnenden im Jahr 2009. In der Silvesternacht 2015/2016 starb im bayerischen Oberaurach ein zwölfjähriges Mädchen durch wahllos abgegebene Schüsse eines 53-Jährigen, der seit Jahren wegen Depressionen in Behandlung war. Hinzu kommt: Eine Fakt-Anfrage bei den Innenministerien der Bundesländer ergab: Allein 170 Rechtsradikale sind in Deutschland legale Waffenbesitzer. Die Dunkelziffer liegt höher, denn nicht alle Bundesländer erfassen Nazis mit Schusswaffen. Schießen darf fast jeder.

Der Kriminologe Dietrich Oberwittler vom Max-Planck-Institut Freiburg hat der in einer Studie Tötungsdelikte und Amokläufe im familiären Bereich untersucht.  Sein Befund:  Jede legal erworbene Waffe stellt ein tödliches Risiko dar.  Und jeder unbescholtene Sportschütze kann zum Mörder werden.

Es gibt  häufiger auch den Fall, dass man nichts geahnt hat, weil die Täter unauffällig gelebt und durchaus aus höheren Schichten kommen. Insofern gibt es da wenig Risikomerkmale und dennoch passieren diese Fälle dann.

Dietrich Oberwittler, Max-Planck-Institut Freiburg FAKT | 01.03.2016

Zuletzt aktualisiert: 16. März 2016, 14:06 Uhr

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20 Kommentare

03.03.2016 17:51 Wolfgang 20

Wieder Stimmungsmache gegen die Sportschützen. Terroranschläge als Vorwand, um gesetzestreuen Bürgern ihre Waffen wegnehmen zu wollen. Bösartiger geht es nicht mehr. - Straftaten mit Schußwaffen bilden in der Verbrechensstatistik einen verschwindend geringen Anteil. Die Taten mit legalen Waffen, einen noch geringereren Anteil, welcher vom BKA jedoch nicht erfasst wird (warum?) - 170 Tote durch Schusswaffen in der BRD seit 1990. Also in 26 Jahren. Wohlgemerkt, ohne den Anteil an legalen Waffen zu berücksichtigen. Interessant. Tote nur durch reine Aggressionstaten im Straßenverkehr? -Winnenden! Ein Waffenbesitzer der seine Pflicht zur sicheren Aufbewahrung missachtet und dafür zu Recht verurteilt wurde - Mit Legalwaffen passiert erstaunlich wenig. Stichwort Sachkunde, soziale Kontrolle, Verantwortungsbewußtsein. Erst kürzlich wurde ein Journalist auf einer kieler Polizeiwache bei der Vorführung einer Dienstwaffe angeschossen. Ein ziviler Waffenbesitzer hätte jetzt keine Waffe mehr.

02.03.2016 20:57 Herbert Waldner 19

Wer ernstahft glaubt, das Verbot von legalen Waffen würde terroristische Anschläge verhindern helfen, der glaubt auch, dass ein Zitronenfalter Zitronen faltet. Die Diskussion ist einfach völlig schwachsinnig und komplett am Thema vorbei...

02.03.2016 20:52 Walter Grünenwald 18

Sehr geehrte Damen und Herren der Reaktion von der Sendung Fakt. Bei diesem Beitrag wurde mal wieder gegen die Sportschützen scharf geschossen. Immer sind die Sportschützen die ganz bösen und gefährlichen Mitbürger in unserem Staat. Es wäre und ist interesant zu wissen, wieviele Personen kamen durch illegale Waffen ums Leben, im gleichen Zeitraum, der in der Sendung Fakt angeführt wurde. Diese Zahlen werden nicht veröffentlicht, oder? Ich wäre sehr dankbar, wenn Sie diese Zahlen öffentlich machen würden. Es grüßt ein Familienvater, Großvater und Sportschütze

02.03.2016 20:50 Dieter Boguth 17

Um was geht es eigentlich wirklich? Um die Sicherheit der Bürger? Wann hat die Sicherheit des "braven" Bürgers jemals einen Politiker interessiert? Wann haben Terroristen jemals "legal" Waffen gekauft? Wer immer glaubt den legalen Schießsport aus der Gesellschaft entfernen zu müssen um dann mehr Sicherheit zu erhalten blicke bitte mal nach Großbritannien - totales Waffenverbot seit 1997 - Kriminalitätsrate um 53% gestiegen! Japan - totales Waffenverbot - dort werden Kindergartenkinder immer wieder mit dem Samuraischwert getötet! BRD 2014 - 3390 Verkehrstote / BRD 2014 - ca. 70 Schusswaffentote (auch z. B. von Polizei erschossen!!!) Wo ist hier der Handlungsbedarf? Das eines klar ist: Jedes Leben ist wertvoll und darf nicht einfach ausgelöscht werden! Dafür stehen wir Schützen - gerade wir Schützen!!!

02.03.2016 20:48 Dirk Hagena 16

Natürlich ist jeder Tote zu betrauern der durch den Waffenmissbrauch zu Tot kommt das ist aber auch bei den 1000 Verkehrstoten im Jahr der Fall ohne das Deshalb Huesterisch der Autoverkehr begrenzt werden würde somit ist das Nur Polemik gegen eine kleine Gruppe Schöne Gruesse Hagena

02.03.2016 16:26 4321@gmx-ist-cool.de 15

Dieser Herr Grafe meint, wenn dieser Sportschütze 'vielleicht' rechtzeitig psychologisch begutachtet worden 'wäre', dann 'wäre' 'vielleicht' sein Porblem erkannt worden und er 'hätte' 'vielleicht' nicht dieses Mädchen erschoßen. Merken sie wieviele 'vielleicht's in diesem Satz sind! Hätte der Sportschütze also bereits seine Waffen weggenommen bekommen, 'wäre' er 'vielleicht' an diesem Abend mit einem Messer oder Beil aus dem Haus gerannt. 'Vielleicht' 'hätte' er sich auch illegal eine Waffe besorgt und dann jemanden erschoßen. Er hätte noch nichtmal Sportschütze dazu sein brauchen. Sollte nicht unsere ganze Energie daran gesetzt werden die vielen Millionen illegaler Waffen aus den Händen von Verbrechern und Terroristen zu bekommen, anstatt die 1,5 Millionen rechtstreuen Bürger im Land zu 'schikanieren', bei denen wir aber genau wissen welche Waffen sie haben und wo sich diese befinden? Ich fühle mich sicher, gerade weil mein Nachbar ein Waffenbesitzer ist mit legalen Waffen!

02.03.2016 14:33 W.-S. Engel 14

Legale Waffen kommen lt. Polizeistatistik nur in 0,05% aller Verbrechen zum Einsatz. Das Problem sind ca. 10 Mio illegale Waffen in Deutschland. Dagegen unternimmt die Politik nichts! Bei jedem Amoklauf oder ähnlichen Vorkommnissen werden Beruhigungspillen verteilt, indem über Verschärfung eines der ohnehin strengsten Waffengesetze nachgedacht wird. Kriminelle Banden u. Großfamilien beherrschen mancher Orts ganze Stadtteile u. sind illegal bewaffnet. Da wird nichts unternommen! Das Waffenrecht gehört gelockert, damit Bürger ihre Gesundheit, ihr Leben u. ihr Eigentum schützen können angesichts sprunghaft gestiegener Einbrüche. Nicht vorbestraft, Zuverlässigkeit u. Sachkundeprüfung natürlich vorausgesetzt. Der gezeigte Beitrag war einseitig u. hilft nicht sachkundigen Kreisen.

02.03.2016 14:22 Christine Winkler 13

Das Problem ist, dass die Kontrolle durch die Polizei erfolgt und die Polizeibeamte meist selbst Mitglied in den (Sport)Schützenvereinen sind. Kollegen können andere Kollegen schon rein faktisch nicht unvoreingenommen kontrollieren, dazu ist die Verbindung zu eng. Hier müssen dringend unabhängige Kontrollstellen her oder die Vereine dürfen überhaupt keine Polizisten mehr als Mitglieder haben um die notwendige Distanz und damit verbundene Professionalität zu wahren.

02.03.2016 10:50 Christian Benderl 12

Das ist nur eine Gelegenheit auf die AntiWaffennarren seit langem gewartet haben. Natürlich können Verschärfungen für legalen Waffenbesitz nichts gegen Terroranschläge mit illegalen Waffen bewirken. [...] [Entfernung eines Satzes, dessen Aussage als Drohung verstanden werden muss. - MDR.DE_Red.]

02.03.2016 10:42 Sven Janssen 11

Ich schiesse jetzt mal etwas über das Ziel. Was war mit dem kalten Krieg? Jeder hatte Atomwaffen. Jeder konnte die Welt 100fach auslöschen. Keiner hatte es getan. Alleine die abschreckung half. Ebenso würde es mit Waffenscheinen laufen. Jeder "Böse" würde es sich überlegen sich mit einem potentiellen Waffenträger anzulegen. Da ja immer wieder amerikanische Verhältnisse angeführt werden.... In einem county sind Waffen Pflicht! Dort sind in 20jahren ganze 2 Gewalttaten verübt worden. Noch Fragen?