Michael Kretschmer
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Michael Kretschmer tritt vor die Presse "Ich will der Ministerpräsident aller Sachsen sein"

Michael Kretschmer
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Einen Tag nach dem angekündigten Rücktritt von Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich ist sein designierter Nachfolger Michael Kretschmer vor die Presse getreten. Kretschmer erklärte am Donnerstag im Sächsischen Landtag, sich lange und intensiv darüber Gedanken gemacht zu haben, dieses Amt zu übernehmen. Ob er nach seiner Schlappe bei der Bundestagswahl überhaupt die Kraft dafür hat.

Es ist in der Tat keine leichte Entscheidung für niemanden, der sich jetzt dafür bereiterklärt. Die Herausforderungen sind groß. Aber ich lebe in diesem Land, ich bin Sachse. Mir ist es unglaublich wichtig, dass dieses Land mit diesen großartigen Menschen eine Zukunft hat und ich möchte meinen Beitrag dazu leisten, dass das auch in Zukunft so ist.

Michael Kretschmer designierter Ministerpräsident Sachsen

Viel Arbeit an der Basis

Der gebürtige Görlitzer wäre, nach Tillich, der zweite Regierungschef des Landes, der aus Sachsen stammt. Um die Vertrauenslücke zum Volk wieder zu schließen, will Kretschmer "stärker als bisher mit der Bevölkerung ins Gespräch kommen." Er wolle der Ministerpräsident aller Sachsen sein, betonte der 42-Jährige.

Sachsen steht auf zwei Füßen: den Städten und dem ländlichen Raum. Ich möchte, dass sich beide gleichmäßig entwickeln. Die Aufgaben sind unterschiedlich, aber gleich wichtig.

Michael Kretschmer designierter Ministerpräsident Sachsen

Doch nicht nur in der Bevölkerung, auch an der Parteibasis erwartet ihn viel Arbeit. Kretschmer muss zunächst um das Vertrauen in die eigene Person werben. "Mir ist klar, dass es nicht überall sofort Zustimmung gibt."

Das zeigte sich auch vor der Pressekonferenz, bei der Sitzung der Landtagsfraktion. Zwar votierten die Fraktionskollegen mehrheitlich für Kretschmer. Doch es gab auch Gegenstimmen. Zwölf Abweichler soll es gegeben haben, die dem Wunschnachfolger des scheidenden Ministerpräsidenten Stanislaw Tillich ihr Vertrauen verweigert oder sich enthalten haben, hört man. "Wir hatten kein DDR-Ergebnis", räumt Fraktionschef Frank Kupfer ein. Die kritischen Stimmen hätten sich aber weniger auf die Person als vielmehr auf das Prozedere bezogen, betonte Kupfer. Für die meisten der Abgeordneten sei der Rückzug Tillichs doch sehr überraschend gekommen.

"Versorgungsposten" und "riesengroßer Rucksack"

Die Entscheidung Tillichs, im Dezember das Ruder in Regierung und Partei abzugeben, wird von Teilen der CDU als Kurzschlusshandlung gesehen. Da sei der falsche Mann zurückgetreten, sagt ein Unionspolitiker und zielt damit auf den Generalsekretär. Denn schließlich habe der den Wahlkampf mit dem desaströsen Ausgang eines Aufstiegs der AfD zur stärksten Kraft in Sachsen zu verantworten. Einen Wahlverlierer ins Amt zu heben, habe ein Geschmäckle und sei für Kretschmer ein "riesengroßer Rucksack": "Das wird von den Leuten als Versorgungsposten gewertet."

Michael Kretschmer
Michael Kretschmer hat bei der Bundestagswahl am 24. September dieses Jahres sein Direktmandat nach 15 Jahren an den AfD-Politiker Tino Chrupalla verloren. Am 9. Dezember soll er auf dem CDU-Landesparteitag den Parteivorsitz übernehmen. Seine Wahl zum Ministerpräsidenten findet voraussichtlich am 13. Dezember im Landtag statt. Bildrechte: dpa

Um die CDU bis zur sächsischen Landtagswahl 2019 zu stärken und zum Erfolg zu führen, setzt Kretschmer folgende Schwerpunkte:

  • Asyl & Integration ("Rechtsstaat zur Durchsetzung verhelfen")
  • Investitionen in die Bildung
  • Ausbau der inneren Sicherheit (Stichwort: starker Staat - "deutsche Werte und Grundgesetz sind nicht verhandelbar")
  • Stärkung des ländliches Raums
  • Schulterschluss mit den Kommunen


Landtagswahl 2019 fest im Blick

Angesprochen auf die schlechten Ergebnisse der CDU bei der Bundestagswahl sagte Kretschmer, dass die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung eine entscheidende Rolle gespielt habe. "Die Menschen hätten sich einen klaren Satz gewünscht nach dem Motto: 'Wir haben Fehler gemacht' und dass das für die Zukunft ausgeschlossen wird. Dann wäre vieles an Emotionen schon weggewesen." Doch er wolle nicht alles auf andere schieben. "Das ist ja immer das Leichteste. [...] Ich will bewusst sagen: Wir fangen bei uns an." Erfolgsrezept für ein erfolgreiches Abschneiden der CDU bei der Landtagswahl 2019 in Sachsen werde sein, eine offene Diskussion darüber zu führen, was in Sachsen jetzt anders laufen soll.

Es ist klar, dass die Bundestagswahl auch eine sächsische Komponente hat. Wir müssen bei den Themen innere Sicherheit und Schulen nachsteuern.

Michael Kretschmer designierter Ministerpräsident Sachsen

Dem politischen Kampf gegen die AfD sieht er gelassen entgegen. Wichtig sei, die Partei inhaltlich zu stellen, "so wie wir das früher auch mit anderen Gruppierungen gemacht haben". Mit Blick auf den Einzug der AfD in den Bundestag setzt Kretschmer auf eine "Lernkurve", "die hoffentlich schnell zu der Erkenntnis führt, dass man weder einzelne Personen noch die Gruppierung selbst zu Märtyrern macht."


Michael Kretschmer - Lebenslauf und politischer Werdegang
Lebenslauf geboren am: 7. Mai 1975

Schulausbildung: Fachhochschulreife

Beruf: Büroinformationselektroniker und Diplom-Wirtschaftsingenieur

Familienstand: ledig (lebt mit Partnerin und den beiden gemeinsamen sowie zwei weiteren Kindern zusammen)

Wohnort: Görlitz
 
     
Politischer Werdegang 1994 Stadtrat in Görlitz

2002 Direktkandidat des Landeskreises Görlitz im Deutschen Bundestag

2005 Generalsekretär der Sächsischen Union

seit 2008 Abgeordneter im Kreistag des Landkreises Görlitz

2009 stellvertretender Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion

2013 Vorsitzender der CDU-Landesgruppe Sachsen im Deutschen Bundestag
 

Quelle: dpa/MDR/dk

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Über dieses Thema berichtet MDR SACHSEN auch im Radio und Fernsehen: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 19.10.2017 | Nachrichten ab 14:00 Uhr
MDR SACHSENSPIEGEL - | 19.10.2017 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 20. Oktober 2017, 20:24 Uhr

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95 Kommentare

22.10.2017 15:12 REXt 95

Von Kohl wurde er liebevoll“Pumukel“genannt!

22.10.2017 12:26 Theophanu 94

Sachsen ist das erfolgreichste unter den Ost-Bundesländern. In Sachen Bildung liegt es sogar in Deutschland mit Bayern an der Spitze. Das hängt sicher auch damit zusammen, dass rotgrün hier schwach und rechts-konservativ stärker ist.
Geben wir Herrn Kretschmer eine reale Chance!
Der Spruch ".. aller Sachsen sein" mit Anspielung auf das einseitige Agieren und Versagen von Ex-BP Gauck klingt schonmal gut.
Also, zum Wohle Sachsen,
viel Erfolg Herr Kretschmer!!!

22.10.2017 09:52 Kathleen 93

Mich bringt Herr Kretschmer zum Lachen. Er hat eine erfrischende Lockerheit. Ein bisschen Witz in der Politik bei all den Problemen ist doch super. Und ein Rotschopf, dass hat doch auch was. Dann ist nicht mehr alles so ernst und verkrampft sondern erfrischend humorvoll. Damit lassen sich Probleme viel beherzter angehen.

21.10.2017 23:10 W. Merseburger 92

Ich glaube nicht, dass das Wahlergebnis zur Bundestagswahl in Sachsen eine Abwahl von Herrn Tillich war. Hier wurde eindeutig eine andere Person abgewählt. In der ersten Groko unter Merkel wurde die SPD kleingemacht. Es kam danach zur Koalition der CDU/CSU mit der FDP mit dem Ergebnis, dass am Ende die FDP nicht mal mehr die 5% Hürde geschafft hat. Nach der 2. Groko unter Merkel hat die SPD nochmal dramatisch verloren. Aber nun war auch die CDU/CSU Gemeinschaft mit dramatischen Wahlverlusten dran. Meiner Meinung nach hat Frau Merkel auch den heutigen schlechten Zustand der CDU auf dem Gewissen. Ich warne alle Sachsen, die Neuwahlen für den Freistaat fordern , davor. Im jetzigen politischen Chaos würde Sachsen de facto unregierbar. Wir in Sachsen Anhalt haben etwas Glück gehabt, dass es noch für CDU, SPD unter Einbeziehung der sehr problematischen Bündnigrünen für eine Regierung ohne die Linke und ohne AfD gereicht hat. Haseloff ist aber nicht zu beneiden.

21.10.2017 20:28 @Kritiker(90) 91

Wer war den bitte nicht der Präsident aller Deutschen? Nur weil ein Bundespräsident deutliche Worte zu Rassismus und rechtsradikaler Ideologie sagt, ändert das nichts an seiner Position.

Getretene Hunde bellen nun mal und ob ein erwischter Temposünder der Meinung ist, dass dies nicht mehr seine Straßenverkehrsordnung ist, das ist gelinde gesagt egal!

21.10.2017 15:01 Kritiker 90

Ist ja ein großmundiger Versuch, Minister aller Sachsen zu sein. Es wollte auch mal jemand Präsident aller Deutschen sein und was kam dabei heraus??? Nix ...
Soll er mal beweisen was er kann, danach sehen wir weiter!

21.10.2017 13:15 guantche 89

Bei der Bundestagswahl gab es nicht genug Stimmen für Kretschmer. Was ist das für eine
Ignoranz seiner Partei ihn als
MB aufzustellen? Typisch CDU

21.10.2017 13:12 Wieland der Schmied 88

Ein junger kommt, ein enttäuschter geht. Tillich braucht sich selbst nichts vorzuwerfen, nachem er die Dame noch bei den Wahlkampfauftritten auf sächsischen Boden, die zu Höhepunkten des Protestes gegen sie gerieten, eskortiert hatte, wurde er vom Wahlergebnis kalt getroffen. Alle waren sie getroffen, auch Tillichs Amtsbruder Seehofer. Das verwunderliche ist, die eigentliche Zielperson steckte das weg und sinnierte noch, daß das Ergebnis mit ihr nichts zu tun haben könne, also kalt wie Hundeschnauze. Mit Seehofer, der weit schwerwiegendere Konflikte gegen sich sieht, hat Tillich wohl gebrochen, nachdem der zum x-ten Male zu Kreuze gekrochen ist, so groß-so hinfällig! Also Neuanfang für den auffallend jungen Kretschmer, der aber nicht ins gewärmte Bett springt, sondern in den tosenden Wildbach der Zeitveränderung, nirgend so sichtbar wie in Sachsen, neulich aber auch an der nächsten Frontlinie Bayern. Insofern wird für den Jungspund Kretschmer Seehofer wohl kein guter Ratgeberber sein.

21.10.2017 12:30 Gertrude 87

Meine Güte, jetzt macht doch keine Drama daraus wegen dem “verlorenen“ Bundestagsmandat. Vielleicht wollten die Görlitzer Herrn Kretschmer für sich behalten und den AFDler los werden und haben diesen anstatt nach Berlin geschickt.

21.10.2017 12:13 Uwe 86

Noch nicht mal im Amt und schon kommen nur dumme Sprüche raus. Das wird genau so ein Merkelscher Ja-Sager wie der Vorgänger. Im Vergleich zu Biedenkopf können beide aufrecht unter einer Tür durchgehen.