Nachrichten & Themen
Mediathek & TV
Audio & Radio

Geschichte

DDRNS-ZeitZeitgeschichte GegenwartSchulprojekt
Bildrechte: MDR/Ralf U. Heinrich

Über den "Belmondo des Ostens"Winfried Glatzeder über Nacktszenen und bezahlte Gäste

Stand: 02. Dezember 2021, 18:37 Uhr

Wie erlebte Winfried Glatzeder die Premiere zu "Paul und Paula" und wie waren die Reaktion des Publikums? Was lief wirklich bei den Nacktszenen und wie fühlte er sich mit seiner ersten Hauptrolle? Hier Glatzeders Einschätzung über wichtige Wendepunkte in seiner Karriere.

Winfried Glatzeder über die erste Publikumsreaktion bei der Premiere zu Paul und Paula:

Ich fand es ein bisschen unangemessen, das so lange kein Applaus kam, dachte, das ist merkwürdig – die Leute sind ergriffen, eitel wie ich war, die Leute sind ergriffen."

Der Grund war aber ein anderer, wie Glatzeder später erfährt:

Das war einfach so, dass zu viele bestellte Leute drinnen waren, die verhindert haben, dass da irgendwie eine Euphorie entstand.

Auch die Nacktszenen kommentierte Glatzeder

Die Nacktszenen mit Angelica Domröse in der "Legende von Paul und Paula" kommentierte Glatzeder später:

Ich durfte auch nackend mit ihr im Bett liegen, war aber alles nicht so schön. Beim Drehen, ..., wenn da vierzig Leute drum herum stehen, hat man eh keine Erektion oder irgendwas von Gefühlen. Außer dass man ums Überleben kämpft, dass man die Szene gut macht und dass man sich vor den 40 Leuten nicht geniert, aber ich war da ziemlich cool.

Bildrechte: MDR/PROGRESS Film-Verleih/Norbert Kuhröber

Konnte sich Glatzeder mit seiner ersten Hauptrolle identifizieren?

In "Zeit der Störche" hatte Glatzeder 1971 seine erste Hauptrolle: den Ölbohr-Arbeiter Christian Smolny, der sich in die Lehrerin Susanne, dargestellt von Heidemarie Wenzel, verliebt. Susanne will eigentlich einen anderen Mann heiraten. Der Film kommt im September 1971 in die Kinos. Premiere war im Leipziger Kino "Capitol". Glatzeder beschreibt seinen "Christian Smolny", den Vorarbeiter auf einem Bohrturm, so:

Er war ein ungewöhnlicher Typ und ich habe mit der Kostümbildnerin und dem Requisiteur ein altes Motorrad ausgesucht, so eine Thälmann-Jacke, die schlotterte an meinem Leib, dann Jeans und so. Also alles Attribute (…) aus meinem Lebensgefühl.

Wer damals in der DDR Mitte zwanzig war, für den waren nun mal Parka oder Jeans außergewöhnliche Kleidungsstücke.

Der Mann, von dem jeder Haushalt träumt

Glatzeder spielte auch Erwin Graffunda, den "Mann, der nach der Oma kam" - und zwar kommt er über eine Annonce zur Familie Piesold als Haushaltshilfe.

Rettung in letzter Not für das Künstlerehepaar Piesold (Rolf Herricht, rechts): Als die bisher treusorgende Oma plötzlich heiratet, erscheint Erwin Graffunda (Winfried Glatzeder, links) als neue Perle. Nahezu alle Register beherrscht er im Haushalt. Bildrechte: MDR/DEFA-Stiftung/Rudolf Meister