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Stichwort FebruarrevolutionLenin, die Deutschen und der Zarenmord

19. Januar 2024, 12:17 Uhr

1917 lebt Lenin in Zürich, nachdem er vor der Geheimpolizei des Zaren in die Schweiz geflohen ist. Wenig später ist das Zarentum Geschichte und Lenin regiert Russland. Welche Rolle spielten dabei die Deutschen?

Im Februar 1917 lebt Wladimir Iljitsch Uljanow, genannt Lenin, in Zürich. Der studierte Jurist, Anführer der Bolschiwiki, einem Sammelbecken radikaler russischer Sozialdemokraten, ist vor der Geheimpolizei des Zaren aus Russland geflohen. In Zürich studiert er den Marxismus und träumt von der Weltrevolution. Nach Russland hat er kaum Kontakt, denn der Erste Weltkrieg erschwert den Briefverkehr.

Nur eineinhalb Jahre später rollt Lenin im Rolls Royce durch Moskau und regiert im Kreml. Die Romanows, die seit 300 Jahren das Zarenreich regieren, sind plötzlich Geschichte. Wie konnte ein Mann allein die Welt derart auf den Kopf stellen und welche Rolle spielten dabei die Deutschen?

Russland 1917:

Zur gleichen Zeit führt Zar Nikolaus II. Russland schon im dritten Jahr Krieg, Seite an Seite mit Frankreich und England, gegen die von Deutschland geführten Mittelmächte. Der Zar regiert Russland mit harter Hand, sein Beiname "Nikolaus der Blutige" kommt nicht von ungefähr: Nationale Minderheiten werden unterdrückt, politische Gegner brutal verfolgt. Als nun im Februar 1917 der Zar Petrograd verlässt, kommt es in der Stadt zu Unruhen. In Fabriken wird gestreikt und protestiert, es fehlt an Brot und Heizmaterial. Die Soldaten, die den Protest bekämpfen sollen, schließen sich den Protestierenden an. Die Revolution nimmt ihren Lauf – Gefängnisse werden gestürmt, öffentliche Gebäude werden angezündet. Der Zar sitzt auf seinem Weg zwischen Front und Familie plötzlich fest, eine Regierungsabordnung fordert von Zar Nikolaus den Thronverzicht und er dankt ab – wie er im Tagebuch festhält:

Nach ihren Worten muss der Schritt getan werden, um Russland zu retten und die Ruhe in der Armee an der Front zu bewahren. Ich gab mein Einverständnis.

Und was ist mit Lenin – in der Schweiz?

Die Revolution daheim erwischt Lenin kalt – die Ereignisse haben ihn komplett überrascht und er beschließt, nach Moskau zurückzukehren. Der Haken an der Sache – der schnellste Weg von Zürich nach Russland führt durch Österreich oder Deutschland – erbitterte Gegner Russlands. Welche Diplomatischen Fäden werden nun gezogen, dass Lenin ungestört durch Deutschland fahren darf?

Deutschland reibt sich in dem Moment zwischen den Fronten auf – im Westen gegen Engländer und Franzosen, im Osten gegen ein gewaltiges russisches Heer. Deutsche Diplomaten hoffen, Russland von innen destabilisieren zu können – Lenin mit seinen Bolschwewiki kommt ihnen gerade recht. Lenins Interesse ist nicht patriotisch – ihn interessieren weder Kolonien, Schiffswege und Rohstoffe und damit auch nicht der Krieg, den sich England, Franzosen, Russen und Deutsche verstrickt haben. So ist es also in deutschem Interesse, Lenin und seine Bolschewiki politisch Einfluss gewinnen zu lassen. Am 9. April 1917 fährt Lenin mit dem Zug Richtung Heimat, quer durch das deutsche Kaiserreich bis zum Ostseehafen in Sassnitz. Von dort geht es mit dem Schiff weiter nach Schweden, über Land durch Finnland und am 16. April 1917 erreicht Lenin Petrograd – wo ihn eine jubelnde Menschenmenge empfängt. Nachdem Lenin verkündet: "Es lebe die sozialistische Weltrevolution" – kabelt der deutsche Geheimdienst in Stockholm nach Berlin:

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Lenin: Eintritt in Russland geglückt. Er arbeitet völlig nach Wunsch.

Dieses Thema im Programm:MDR FERNSEHEN | Geschichte Mitteldeutschlands | 13. Juli 2021 | 22:05 Uhr