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Die Theaterstücke in Leipzig und Halle im April 2024 tauchen tief ein in die menschliche Seele. Bildrechte: Dana Ersing

Aus der DunkelheitHalle und Leipzig: Acht sehenswerte Theater-Highlights im April

11. April 2024, 10:00 Uhr

Die Theater in Leipzig und Halle bieten im April 2024 ein Programm mit vielen interessanten Einblicken: In Halle tanzt Alice in den Kaninchenbau und Freunde befragen das Leben. In Leipzig singen Alien, tauchen Geister aus der Dunkelheit auf und Theater aus Europa ist zu Gast. Das sind die Höhepunkte, die Sie im April nicht verpassen sollten! Jeweils zu Beginn des neuen Monats wird diese Übersicht aktualisiert.

von Thilo Sauer, MDR KULTUR

Musical von David Bowie in Leipzig: "Lazarus"

"Is there life on mars?", sang David Bowie 1971 als Kunstfigur Ziggy Stardust. Vielleicht hat sich der Popstar immer so gefühlt: wie ein Außerirdischer. 1976 spielte Bowie dann in dem Film "The Man Who Fell to Earth" einen anderen Außerirdischen, der auf der Erde festhängt, wo er sich Newton nennt. Wie sehr er sich mit dieser Figur identifizierte, beweist das Musical "Lazarus", das Bowie gemeinsam mit Enda Walsh schrieb. Darin erzählt er mit seinen größten Hits (darunter auch sein letzter Song vor seinem Tod, der dem Musical den Titel gab) die Geschichte von Newton weiter.

Das Musical "Lazarus" überrascht am Schauspiel Leipzig mit wilden Bildern. Bildrechte: Rolf Arnold

Das Leipziger Schauspiel bringt das Stück mit bemerkenswerter Energie auf die Bühne. Die erinnert ein wenig an eine Scheune und wird von Metallgerüsten bestimmt. Das Ensemble ist in auffällige, fast schon schrille Kostüme gekleidet, egal ob Alien oder Mensch. Die gesamte Besetzung überzeugt auch musikalisch, allen voran Christopher Nell als Newton, der die Musik Bowies wirklich durchdrungen hat. MDR KULTUR-Theaterkritiker Matthias Schmidt meinte nach der Premiere, dass diese Musical-Produktion in der ersten Liga spiele. Im April wird die Inszenierung auch mit Audiodeskription für Menschen mit Sehbehinderung gespielt.

Weitere Informationen"Lazarus"
Musical von David Bowie und Anda Walsh

Adresse:
Schauspiel Leipzig
Bosestraße 1
04109 Leipzig

Dauer: 115 Minuten, ohne Pause

Termine:
7. April 2024, 19:30 Uhr

Schauspiel in Halle: "Wasted" an Neuen Theater

Habe ich die richtige Entscheidung getroffen? Bin ich glücklich mit meinem Leben oder was ist da schiefgelaufen? – Diese Fragen stellen sich Menschen (vor allem im globalen Norden) immer öfter und immer früher. Die britische Dramatiker*in Kae Tempest hat sich mit diesen Sorgen bereits 2013 auseinandergesetzt. In dem Stück "Wasted" treffen sich drei Menschen, um sich gemeinsam an den Tod eines Freundes zu erinnern. Dabei hinterfragen sie auch ihre Lebenspläne und das ganze System.

Das Neue Theater in Halle hat das Stück wieder ans Licht geholt. Der polnische Regisseur Krzysztof Minkowski setzt ganz auf die Musikalität des Textes von Kae Tempest: Fast ständig laufen Beats im Hintergrund, und die drei Menschen auf der Bühne wechseln vom Sprechen in einen Sprechgesang. MDR KULTUR-Kritiker Matthias Schmidt ist begeistert: "Zu erleben sind 75 Minuten frisches, freches, ernstes, trauriges und humorvolles Theater."

Weitere Informationen"Wasted" von Kae Tempest

Adresse:
Neues Theater
Große Ulrichstraße 51
06108 Halle (Saale)

Dauer: 75 Minuten, keine Pause

Termine:
27. April 2024, 20 Uhr

Ballett in Halle: "Alice im Wunderland" nach Lewis Carroll

Folge dem weißen Kaninchen – dieses Motiv aus "Alice im Wunderland" kennt wohl jeder. Auch in Halle lockt diese ungewöhnliche Gestalt das junge Mädchen Alice in eine Welt, in der alles anders zu sein scheint, als sie es von zu Hause kennt. Das Tanzstück von Michal Sedláček folgt dabei der Buchvorlage von Lewis Carroll weitestgehend und setzt vor allem auf schöne Bilder. Die Bühne von Matthias Hönig und die Kostüme von Cordula Erlenkötter sind wie Fantasien über die klassischen Illustrationen des Kinderbuches und überzeugen mit schönen Einfällen. Zu den Werken von Arvo Pärt und Antonín Dvořák springen die Tänzerinnen und Tänzer mit gestreckten Beinen und in klassischer Ballettmanier über die Bühne. – Ein Tanzstück für die ganze Familie.

Szene aus dem Ballett "Alice im Wunderland" im Opernhaus Halle, das eine besondere Empfehlung für Familien ist. Bildrechte: Anna Kolata

Weitere Informationen"Alice im Wunderland" nach Lewis Carroll

Adresse:
Opernhaus
Universitätsring 24
06108 Halle (Saale)

Dauer: 135 Minuten, eine Pause

Termine:
26. April 2024, 11 und 19:30 Uhr

Performance in Leipzig: "Société Anonyme"

Ein simples, aber zwingendes Konzept: Stefan Kaegi vom erfolgreichen Theaterkollektiv Rimini Protokoll will Geschichten von Menschen vorstellen, die geheim bleiben wollen oder müssen. "Société Anonyme" ist ein Abend, der mit den verschiedenen Formen von Anonymität spielt. Das Publikum setzt sich also in einen Kreis und begleitet von Musik geht das Licht aus. In völliger Dunkelheit treten dann die Erzählerinnen und Erzähler auf.

Dabei berühren manche Geschichten mehr, andere weniger, meint Kritiker Michael Laages bei "nachtkritik": Da erzählt ein Geflüchteter, wie er illegal arbeitet, um über die Runden zu kommen. Eine Frau berichtet von Gewalterfahrungen aus ihrer Kindheit. "Stefan Kaegi und seinem Team ist mit "Société Anonyme" ein sehr sinnlicher, intensiver und kluger Abend gelungen", meint die Kritikerin Katja Weise vom NDR und meint, dass das Publikum in der Dunkelheit zu einer Gemeinschaft aus Unbekannten werde.

Weitere Informationen"Société Anonyme"

Adresse:
Residenz
Halle 18 (Aufgang E)
Spinnereistraße 7
04179 Leipzig

Termine:
23. April 2023, 20:30 Uhr
24. April 2023, 20:30 Uhr
25. April 2023, 20:30 Uhr
26. April 2023, 20:30 Uhr
27. April 2023, 20:30 Uhr

Schauspiel in Leipzig: "Die Geister von Ouistreham" in der Nato

Wer unter der Woche vormittags zu Hause ist, hat vielleicht schon einmal das Gerumpel im Treppenhaus gehört. Oder man bleibt abends länger im Großraum-Büro, dann freuen sich die Reinigungskräfte, wenn man die Tastatur anhebt, damit sie darunter kurz den Tisch abwischen können. Für die meisten Menschen bleiben die sogenannten Putzkräfte unsichtbar. Nicht selten sind sie schlecht bezahlt, sie sollen schnell und unauffällig sein, aber makellose Arbeit leisten.

Das Leipziger Performance-Kollektiv "Das ÜZ" – das immer wieder überraschende theatrale Formen entwickelt – bringt das Buch "Le quai de Ouistreham" von Florence Aubenas auf die Bühne. Die Journalistin hat sich darin in Nordfrankreich arbeitslos gemeldet und hetzt bald von einem Putzjob zum nächsten. Es ist eine ungewöhnliche und gleichzeitig alltägliche Geistergeschichte.

Weitere Informationen"Die Geister von Ouistreham"
nach dem Buch "Le quai de Ouistreham" von Florence Aubenas

Adresse:
die naTo (e.V.)
Karl-Liebknecht-Straße 46
04275 Leipzig

Termine:
5. April 2024, 20 Uhr (Premiere)
6. April 2024, 20 Uhr
7. April 2024, 18 Uhr
8. April 2024, 20 Uhr

Figurentheater in Leipzig: "Untiefe" am Westflügel

Der Figurentheaterkünstler Jan Jedenak hat einen ganz eigenen Stil entwickelt, der die Grenzen verwischen lässt und wunderbar mit Effekten spielt. In "Untiefe" nimmt er das Publikum mit auf eine mysteriöse Reise voller Anspielungen und Symbole. Die Bühne scheint jedes Licht zu verschlucken, so schwarz ist sie. Dann erscheint ein Ring aus Licht am Boden. In dem tauchen immer wieder andere Gestalten auf, die mal menschlich wirken, mal wie das innere Kind oder ein zorniger Dämon. "Untiefe" ist ein im besten Sinne rätselhafter Abend, der sich nicht einfach entschlüsseln, aber über den sich wunderbar sprechen lässt.

Das Stück "Untiefe" des Leipziger Künstlers Jan Jedenak spielt mit Symbolen. Bildrechte: Dana Ersing

Weitere Informationen"Untiefe – a depthless place"
von Jan Jedenak und Jonas Klinkenberg

Adresse:
Westflügel Leipzig
Hähnelstraße 27
04177 Leipzig

Termine:
26. April 2024, 20 Uhr
27. April 2024, 20 Uhr

Festival in Leipzig: Off-Europa

Seit mehr als 30 Jahren holt das Festival Off Europa internationales Theater nach Sachsen. Lange Zeit konzentrierte es sich dabei immer wieder auf einzelne europäische Länder, meistens solche, die nicht als Theaterländer bekannt sind – daher das Off im Titel. Auch die eingeladenen Stücke finden eher auf kleinen, abseitigen Bühnen statt.

Nach der "Nabelschau" im vergangenen Jahr wird der Blick 2024 geweitet und auf dem Programm stehen unter anderem Stücke aus Ungarn, Tschechien oder England. Inhaltlich geht es um eine Auseinandersetzung mit der Zukunft: Was haben wir zu befürchten, wie können wir zusammenleben und welche utopischen Kräfte können wir entwickeln? In Leipzig gibt es gleich zwei Tanzstücke über Freundschaft und Gemeinschaft, eines davon richtet sich auch an Kinder. Ein Recherche-Stück geht einer Umweltkatastrophe von allen Seiten auf den Grund. Und ein Schauspiel mit Puppen lässt den Ernstfall einer Nuklearkatastrophe erleben.

Weitere InformationenDas Festival "Off-Europa" findet vom 22. bis zum 28. April 2024 an verschiedenen Orten in Leipzig statt.

Musiktheater in Leipzig: "Elektra" von Richard Strauss

Ein Fluch liegt auf diesem Haus, auf dieser Familie. Agamemnon ist den Krieg gezogen. Um besseren Wind für seine Reise zu haben, hat er seine Tochter Iphigenie geopfert und hat dann zehn Jahre lang vor den Toren Trojas verbracht. Seine Frau Klytämnestra hat ihm beides nicht verziehen. Als Agamemnon nach Hause kehrte, erschlug sie ihren Mann mit Hilfe ihres Liebhabers Aegisth mit einer Axt. Seitdem herrscht Angst in dem Haus und genau diese Stimmung hat Richard Strauss in seiner Oper "Elektra" faszinierend eingefangen. Elektra ist die Tochter von Agamemnon, voller Hass auf ihre mordende Mutter wartet sie auf die Rückkehr ihres verschwundenen Bruders Orest, der Rache üben soll.

Klytämnestra bittet ihre Tochter Elektra, sie von ihren bösen Träumen zu befreien. Szene aus der Inszenierung der Oper Leipzig. Bildrechte: Tom Schulze

Kult-Regisseur Peter Konwitschny lässt die Szenen zwischen zwei riesigen Spiegelwänden spielen, in einem Wohnzimmer mit Designer-Möbeln. Er zeigt eine Gesellschaft am Ende, kurz vor ihrem Verfall. Durch die Komposition geistert das Motiv des getöteten Agamemnon, und der tote Feldherr läuft mit Axt in der Hand über die Bühne. Während die Regie von Konwitschny bestechend psychologisch arbeitet, kann das Gewandhaus mit seinen Kernkompetenzen glänzen: der spätromantischen Musik von Richard Strauss.

Weitere Informationen"Elektra"
Oper von Richard Strauss und Hugo von Hofmannsthal

Adresse:
Opernhaus
Augustusplatz 12
04109 Leipzig

Dauer: 120 Minuten, keine Pause

Termine:
27. April 2024, 19 Uhr

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Dieses Thema im Programm:MDR KULTUR - Das Radio | 04. März 2024 | 08:40 Uhr