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"Die Lage" am Neuen Theater Halle zeigt den Kampf um Wohnraum auf humorvolle Weise. Bildrechte: Falk Wenzel

Moderne HerausforderungenHalle und Leipzig: Sechs Highlights im Theater im Februar

16. Februar 2024, 09:27 Uhr

Die Theater in Leipzig und Halle bieten im Februar 2024 ein Programm mit vielen spannenden Perspektiven: In Halle und Leipzig gibt es einen schonungslosen Blick auf den Wohnungsmarkt. Im Opernhaus geht ein Ballett den menschlichen Gefühlen auf den Grund. In Leipzig werden faszinierende und erschreckende Welten sichtbar, wie die Parabeln von Kafka in der Schaubühne. Das sind die Höhepunkte, die Sie im Februar nicht verpassen sollten! Jeweils zu Beginn des neuen Monats wird diese Übersicht aktualisiert.

von Thilo Sauer, MDR KULTUR

Schauspiel in Halle: "Die Lage" am Neuen Theater

Dieses Thema geht jeden Menschen auf die eine oder andere Weise an: Wohnen. Für manche geht es dabei eher um die Frage, ob das Haus unterkellert ist und ob sich die Kastanie im eigenen Gartenreich auch fällen lässt. Doch in Städten wie Leipzig oder Halle wird darum gestritten, ob man überhaupt noch eine Wohnung für die ganze Familie findet, in welchem Zustand diese ist und wie unpraktikabel die Wege sind. Schon der Stücktitel "Die Lage" des Stücks von Thomas Melle (der übrigens auch ausgezeichnete Romane schreibt) ist mehrdeutig: Es geht um die Lage der Wohnung im besten Viertel und die Lage der Nation. Im Neuen Theater in Halle werden in einer Art Boxring mehrere Wohnungsbesichtigungen nachgespielt, die einerseits vertraut wirken, aber andererseits immer eine Prise Absurdität und Witz enthalten. So steigert sich die Wohnungssuche bis zum Exzess. MDR KULTUR-Theaterredakteur Stefan Petraschewsky ist begeistert von den Ideen und der Spielfreude des Ensembles auf der Bühne: "Unterm Strich ist es ein sehenswerter Theaterabend. Besser, aktueller und dabei so unterhaltsam kann Theater nicht sein."

Weitere Informationen"Die Lage" von Thomas Melle

Adresse:
neues theater
Große Ulrichstraße 51
06108 Halle (Saale)

Dauer: 80 Minuten, keine Pause

Termine:
10. Februar, 19:30 Uhr
11. Februar, 15 Uhr

Tanz in Halle: "Evolution"

Wie man soziologische Konzepte tanzen kann, zeigt Václav Kuneš in Halle. Inspiriert von Noah Yuval Hararis "Eine kurze Geschichte der Menschheit" und Konrad Lorenz' "Das sogenannte Böse" hat der Choreograf das Stück "Evolution" entwickelt. Er bringt Emotionen auf die Bühne und untersucht, wie sie zum Menschsein gehören. Er schafft faszinierende Bilder, hinterfragt die Kunst selbst und zeigt die Sehnsucht nach dem Wunderbaren. "Dieses rituelle Ballett-Theater überrascht und überwältigt, weil es lustvoll einen Bogen um reguläre Bilder vom Menschsein schlägt", so Kritiker Roland Dippel in "Der deutschen Bühne".

Menschen werden von sechs grundlegenden Emotionen bestimmt, die in Halle getanzt werden. Bildrechte: Falk Wenzel

Weitere Informationen"Evolution"
Tanzabend von Václav Kuneš

Adresse:
Oper Halle 
Universitätsring 24 
06108 Halle (Saale)   

Dauer: 120 Minuten, eine Pause 

Termine: 
3. Februar, 19:30 Uhr
17. Februar, 19:30 Uhr

Oper in Leipzig: Don Giovanni im Opernhaus

Es ist eine der beliebtesten Opern der Welt: "Don Giovanni" von Mozart und seinem Dichter Lorenzo da Ponte. Erzählt wird die Geschichte des Frauenhelden Don Giovanni, vor dessen Liste (die sein Diener Leporello führt) wohl jeder Pick-up-Artist und Flirt-Coach erblassen würde. Doch seine Taten holen ihn ein: Donna Elvira will nicht von ihrem Liebhaber lassen, Donna Anna will sich für den Tod ihres Vaters rächen und die junge Zerlina aus einfachen Verhältnissen lässt sich nicht mehr so einfach rumkriegen. Am Ende wird er von seinen Taten verfolgt und in die Hölle gezogen.

In Leipzig wird dieser Don Giovanni zu einem Besitzer eines Mietshauses, das Bühnenbildner Étienne Pluss überwältigend auf die Bühne gebaut hat. Regisseurin Katharina Thoma erzählt die bekannte Geschichte mit Machtmissbrauch in Mietverhältnissen – das passt wunderbar zusammen: "Man könnte denken, Mozart hätte hier an der Inszenierung mitgeschrieben, die in ihrer Ästhetik an Wes Anderson oder Quentin Tarantino erinnert, wie Humor und eindeutige Bilder hier ohne Scheu ins Spiel gebracht werden. Regisseurin Katharina Thoma jongliert mit Original und Interpretation, wie es besser nicht geht", begeistert sich MDR KULTUR-Theaterredakteur Stefan Petraschewsky. Die Musik tut ihr Übriges dazu: Die Solistinnen und Solisten überzeugen mit ihren Rollengestaltungen und alles wirkt wie aus einem Guss.

Weitere Informationen"Don Giovanni"
Dramma giocoso von Wolfgang Amadeus Mozart und Lorenzo Da Ponte

Adresse:
Opernhaus
Augustusplatz 12
04109 Leipzig

Dauer: 180 Minuten, eine Pause

Termine:
17. Februar, 19 Uhr

Literatur-Show in Leipzig: "Kafkahaus" in der Schaubühne

Plötzlich findet sich Gregor S. als Käfer verwandelt in seinem Zimmer wieder, Josef K. wird eines unklaren Verbrechens beschuldigt und steckt sofort in den Fängen der Gerichtsverwaltung und dem Landvermesser K. geht es nicht besser. Die Geschichten von Franz Kafka besitzen einen derartigen Kultstatus, dass das Wort "kafkaesk" erfunden wurde. Die Schaubühne Lindenfels ehrt die Geschichten zum 100. Todesjahr des Ausnahme-Schriftstellers mit der Installation "Das Kafka-Haus".

Darin werden mehrere Künstler kleine Arbeiten zeigen, die sich auf Kafkas Texte beziehen. Außerdem gibt es endlich ein Treffen Kafkas mit seinem niederländischen Übersetzer und ein Konzert der Kafka Band, zu der auch der Autor Jaroslav Rudiš und der Illustrator Jaromir 99 gehören. Eine wunderbare Gelegenheit, neue Seiten an Kafka zu entdecken.

Vor 100 Jahren starb Franz Kafka in Österreich. Bildrechte: imago images / ZUMA/Keystone

Weitere Informationen"Das Kafkahaus"
Eine begehbare Theaterlandschaft

Adresse:
Schaubühne Lindenfels
Karl-Heine-Straße 50
04229 Leipzig

Termine:
vom 1. bis 10. Februar täglich zwischen 18 und 21 Uhr
am 1. und 2. Februar, 19:30 Uhr: Kafkas Hungerkünstler und Van Ostaijens Nr. 200
am 8. Februar, 19:30 Uhr: Vortrag "Im Meer der Schrift"
am 10. Februar, 20 Uhr: Konzert "Der Process"

Objekttheater in Leipzig: "Invisible" im Westflügel

Eigentlich ein unmögliches Vorhaben: Das Unsichtbare auf der Bühne zeigen. Doch die polnische Grupa Coincidentia hat sich genau diesem Vorhaben gestellt. Und vielleicht weil es so unmachbar scheint, begeistert "Invisible" mit einer ganz eigenen Magie: Da werden Staubwolken zu ganzen Galaxien, Seifenblasen zeigen eine Choreografie, Gefühle werden vermessen und Geister beschworen. Letztlich geht es auch um das, was das Figurentheater so faszinierend macht: das Leben im scheinbar Leblosen entdecken. Die Kritikerin Monika Żmijewska gerät in der "Gazeta Wyborcza-Białystok" regelrecht ins Schwärmen, wenn sie immer neue Szenen dieser Show beschreibt.

Weitere Informationen"Invisible"

Adresse:
Westflügel Leipzig
Hähnelstraße 27
04177 Leipzig

Termine:
9. Februar, 20 Uhr
10. Februar, 20 Uhr

Konzert-Installation in Leipzig: "Licht.24" am Lofft

Diese Performance ist wirklich interaktiv: Die Menschen im Publikum bekommen Gürtel umgeschnallt, auf die die Lichtanlage reagiert. Je nachdem, wie man sich durch den Theaterraum im Leipziger Lofft bewegt, entstehen so unterschiedliche Lichtmuster auf dem Boden: "Verspielt werden unsichtbare gesellschaftliche Codes von Nähe und Distanz, Gemeinschaft und Ausschluss sichtbar", beschreibt der Kritiker Dimo Rieß in der "Leipziger Volkszeitung". Doch im Kern macht die Installation vor allem das alltägliche Tracking fühlbar. Während man fasziniert durch den Raum läuft, speichert der Computer alle Wege und zeigt sie später als Leuchtspur. Das alles faszinierte schon beim "Katapult"-Festival 2023. Im Februar 2024 kommt nun endlich die Ebene dazu, die damals aus Krankheitsgründen fehlte: die Musik. Stücke von Henry Purcell und George Crumb werden live von einer Pianistin und einer Sängerin interpretiert und von elektronischen Stücken von Marion Wöhrle ergänzt.

Weitere Informationen"Invisible.24"
Interaktive Konzertperformance für Sopran, Klavier, elektronische Musik, Licht und getracktes Publikum

Adresse:
LOFFT
Spinnereistraße 7, Halle 7
04179 Leipzig

Termine:
9. Februar, 20 Uhr
10. Februar, 20 Uhr
11. Februar, 18 Uhr

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Dieses Thema im Programm:MDR KULTUR - Das Radio | 20. Oktober 2023 | 08:40 Uhr