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Mehr als drei Jahrzehnte nach der Deutschen Wiedervereinigung sind die Deutschen in den Augen der meisten MDRfragt-Teilnehmenden (noch) nicht zu einem Volk zusammengewachsen. Bildrechte: IMAGO/Michael Gstettenbauer

MDRfragt zum Tag der Deutschen EinheitRusslandpolitik: Zwei Drittel sehen größere Spaltung zwischen Ost- und Westdeutschen

von MDRfragt-Redaktionsteam

Stand: 03. Oktober 2022, 05:00 Uhr

32 Jahre ist es her, dass Ost- und Westdeutschland wiedervereint wurden. Bis heute gibt es in den Augen der MDRfragt-Teilnehmenden große Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschen. Durch den Ukraine-Krieg und die derzeitige Russlandpolitik könnten diese noch zunehmen. So gehen zwei Drittel der Befragungsteilnehmenden davon aus, dass es dadurch zu einer größeren Spaltung kommt. Das zeigt die aktuelle Befragung von MDRfragt zum Tag der Deutschen Einheit mit mehr als 27.000 Teilnehmenden aus ganz Mitteldeutschland.

63 Prozent der MDRfragt-Mitglieder, die an der Befragung teilgenommen haben, sind der Meinung, dass der Krieg in der Ukraine und die derzeitige Russlandpolitik zu einer (stärkeren) Spaltung zwischen Ost- und Westdeutschland führen. Knapp ein Drittel sieht das nicht so.

Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Unter den jüngeren MDRfragt-Teilnehmenden (16 bis 29 Jahre) ist die Zustimmung deutlich geringer. Zwar ist mit 56 Prozent auch hier die Mehrheit der Ansicht, dass die Russlandpolitik die Spaltung zwischen Ost- und Westdeutschen verschärft. Dennoch sind es deutlich weniger als in der Generation der Über-65-Jährigen – dort sind 68 Prozent dieser Ansicht.

7 von 10 halten sich durch ihre Ostherkunft für qualifizierter, Russland einzuschätzen

Aus der Befragung geht auch hervor, dass die MDRfragt-Teilnehmenden einen anderen Blick auf Russland haben. So finden 69 Prozent der Befragungsteilnehmenden, die in der DDR bzw. in Ostdeutschland gelebt haben, dass sie dadurch besser für den politischen Blick auf Russland qualifiziert sind als Menschen aus Westdeutschland. Ein knappes Viertel ist nicht dieser Meinung.

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Warum sie der Meinung sind, dass sie Russland besser einschätzen können, schreiben die MDRfragt-Teilnehmenden in den Kommentaren:

Kenne die Russen/Sowjets schon mein ganzes Leben lang, auch beruflich. War fünf Mal in der UdSSR, auch beruflich. Mich überrascht eher nichts von dem, was jetzt läuft. Ist alles geradlinige Entwicklung.

Ulrich S., 70 Jahre, Mansfeld-Südharz

Die Menschen in Westen sind bereits mit Vorurteilen zum "Klassenfeind" aufgewachsen. Diese sind verankert und machen eine unvoreingenommene Haltung gegenüber Russland und eine objektive Kommunikation eher sehr schwierig.

Ina S., 48 Jahre, Erzgebirgskreis

Andere Befragungsteilnehmende widersprechen dem jedoch:

Jeder hat die Möglichkeit, sich seine Meinung zu bilden. Ich kenne die Russen genauso wenig wie die Westdeutschen. Denn unsere Generation hat die Russen damals als Besatzer angesehen und nicht als Freunde.

Michael B., 53 Jahre, Saalekreis

Nur allein durch das Aufwachsen in Ostdeutschland ist man noch nicht qualifiziert, einen besseren politischen Blick auf die Situation in Russland zu haben. Man muss sich schon kritisch und differenziert mit diesem Thema auseinandersetzen. Das können sowohl Ost- als auch Westdeutsche.

Claudia K., 1970, Gotha

Zwei Drittel finden nicht, dass die Deutschen heute geeint sind

Die Unterschiede zwischen Ost und West werden von den MDRfragt-Teilnehmerinnen und -Teilnehmern heute immer noch als groß eingeschätzt. Das wird unter anderem daran deutlich, dass der Großteil – 67 Prozent – nicht der Meinung ist, dass die Deutschen seit der Wiedervereinigung zu einer Nation zusammengewachsen sind. Ein knappes Drittel meint das dagegen schon.

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Deutliche Unterschiede gibt es auch hier zwischen den Altersgruppen. So ist bei den Unter-30-Jährigen jeder Zweite der Auffassung, dass Ost und West zusammengewachsen sind, bei den Über-65-Jährigen ist es jedoch nur knapp jeder Vierte.

Worin in ihren Augen bis heute die Unterschiede bestehen, erklären die MDRfragt-Teilnehmerinnen und -Teilnehmer in den Kommentaren:

Man sieht es deutlich in den Chefetagen ganz vieler Unternehmen, dass hohe Positionen einen westdeutschen Lebenshintergrund haben (müssen). Wenn man einen Westdeutschen kennt, ist es entweder der Vermieter oder der Chef.

Daniel M., 43 Jahre, Halle

Es wird ja alles getan, um den Osten klein zu halten. Es ist das Billiglohngebiet Deutschlands. Deshalb sind unsere Rentner ärmer, unsere Familien und jungen Menschen können keine Rücklagen bilden. Es fehlt der finanzielle Background, nach wie vor.

Gabriele Z., 67 Jahre, Mittelsachsen

Es gibt aber auch MDRfragt-Teilnehmende, die meinen, man solle die Unterschiede nicht zu sehr betonen:

Wir sollten es mal nicht übertreiben mit den Unterschieden. Ost, West, es gibt in ganz Deutschland Wohlstand und Armut!

Lothar K., 1956, Weimar

Wenn man will und das Elternhaus einen bei der Bildung unterstützt, so hat heute jeder Deutsche, egal ob Ost oder West die gleichen Chancen.

Klaus Kurt E., 72 Jahre, Magdeburg

Drei Viertel finden, ostdeutsche Interessen werden nicht ausreichend beachtet

Die Politik hat in den Augen der MDRfragt-Teilnehmenden bei der Beachtung ostdeutscher Interessen noch Nachholbedarf. Die deutliche Mehrheit ist der Ansicht, dass diese nicht ausreichend wahrgenommen werden. Nur ein knappes Fünftel ist dieser Meinung.

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MDRfragt-Gemeinschaft gespalten, ob eine Angleichung der Lebensverhältnisse noch erreicht werden kann

Was das Erreichen von gleichen Lebensverhältnissen in Ost-und Westdeutschland betrifft, ist die MDRfragt-Gemeinschaft gespalten. Nur drei Prozent finden, dass die Verhältnisse bereits gleich sind. 46 Prozent geht davon aus, dass sie zukünftig erreicht werden. Davon meinen 38 Prozent, dass dies noch länger als zehn braucht. Weitere acht Prozent sind der Ansicht, dass eine Angleichung innerhalb der nächsten zehn Jahre erreicht wird. Es gibt aber auch fast genauso viele – 45 Prozent – die davon ausgehen, dass wir nie gleiche Lebensverhältnisse haben werden.

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Mehrheit bewertet Deutsche Einheit persönlich als Chance

Obwohl die MDRfragt-Teilnehmenden bis heute große Unterschiede zwischen Ost und West ausmachen, schätzt die Mehrheit der Teilnehmenden, die bereits vor der Wende geboren waren, die Deutsche Einheit als für sie persönlich positiv ein. Ein gutes Drittel sieht darin jedoch eher Nachteile für sein Leben.

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Über diese BefragungDie Befragung vom 23- 26.09.2022 stand unter der Überschrift:
Die Deutsche Einheit – Wunsch oder Wirklichkeit?

Insgesamt sind bei MDRfragt 62.825 Menschen aus Mitteldeutschland angemeldet (Stand 28.09.2022, 12 Uhr).

27.287 Menschen aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen haben online an dieser Befragung teilgenommen.

Verteilung nach Altersgruppen:
16 bis 29 Jahre: 354 Teilnehmende
30 bis 49 Jahre: 3.884 Teilnehmende
50 bis 64 Jahre: 11.517 Teilnehmende
65+: 11.532 Teilnehmende

Verteilung nach Bundesländern:
Sachsen: 13.836 (51 Prozent)
Sachsen-Anhalt: 6.787 (25 Prozent)
Thüringen: 6.664 (24 Prozent)

Verteilung nach Geschlecht:
Weiblich: 11.908 (44 Prozent)
Männlich: 15.317 (56 Prozent)
Divers: 62 (0,02 Prozent)

Die Ergebnisse der Befragung sind nicht repräsentativ. Wir haben sie allerdings in Zusammenarbeit mit dem wissenschaftlichen Beirat nach den statistischen Merkmalen Bildung, Geschlecht und Alter gewichtet. Das heißt, dass wir die Daten der an der Befragung beteiligten MDRfragt-Mitglieder mit den Daten der mitteldeutschen Bevölkerung abgeglichen haben.

Aufgrund von Rundungen kann es vorkommen, dass die Prozentwerte bei einzelnen Fragen zusammengerechnet nicht exakt 100 ergeben.

Dieses Thema im Programm:MDR FERNSEHEN | MDR extra | 03. Oktober 2022 | 17:30 Uhr